Paulus und Johannes-Maria Vianney, große Vorbilder für die Priester und alle Christen

Benedikt XVI. ermutigt dazu, selbstlos und mutig für Gottes Liebe und Wahrheit einzutreten

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ROM, 29. Juni 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, Sonntag, beim Angelus gehalten hat.

Der Papst nahm auf den Abschluss des Paulusjahres Bezug und betonte, dass der Völkerapostel nicht so sehr in seinen außergewöhnlichen Taten, sondern vor allem in der Liebe zu Christus für alle Christen beispielhaft sei. Mit Blick auf das Priesterjahr erläuterte der Bischof von Rom, warum der Apostel Paulus ein großes Vorbild für die Priester ist, und verwies gleichzeitig auf den heiligen Pfarrer von Ars, der sich ebenfalls ganz mit seinem Amt identifiziert habe.

Papst Benedikt bat die Gläubigen, während des ganzen Priesterjahres besonders für die Priester zu beten, damit sei heilig seien und die Schönheit ihrer Berufung bezeugten.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Mit der Feier der ersten Vesper zum Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus, der ich heute Abend in der Basilika St. Paul vor den Mauern vorstehen werde, geht das Paulusjahr zu Ende, das zum 2000. Jahrestag der Geburt des Völkerapostels ausgerufen worden war. Es war eine wahre Zeit der Gnade, in der sich die ganze Kirche durch Pilgerfahrten, Katechesen, zahlreiche Publikationen und unterschiedliche Initiativen wieder mit der Gestalt des heiligen Paulus beschäftigt hat und in der seine bewegende Botschaft überall in den christlichen Gemeinschaften die Begeisterung für Christus und für das Evangelium neu belebt hat. Danken wir also Gott für das Paulsjahr und für alle geistlichen Gaben, die es uns gebracht hat.

Die göttliche Vorsehung hat es gefügt, dass gerade von wenigen Tagen, am 19. Juni, dem Hochfest des Heiligen Herzens Jesus, anlässlich des 150. Jahrestags des Todes – „dies natalis“ – von Johannes-Maria Vianney, des heiligen Pfarrers von Ars, ein weiteres besonderes Jahr eröffnet worden ist. Ein weiterer geistlicher und pastoraler Impuls, der – da bin ich sicher – dem christlichen Volk und vor allem dem Klerus gewiss großen Nutzen bringen wird. Was ist die Absicht des Priester-Jahres? Wie ich in dem eigens dazu verfassten Brief schrieb, den ich den Priestern übersandt habe, möchte es dazu beitragen, das Engagement für die innere Erneuerung aller Priester im Hinblick auf ein noch stärkeres und wirksameres Zeugnis für das Evangelium in der Welt von heute zu fördern. Der Apostel Paulus bildet diesbezüglich ein wunderbaren Vorbild, das es nicht so sehr im konkreten Leben nachzuahmen gilt – das seine war in der Tat außergewöhnlich –, als vielmehr in der Liebe zu Christus, was sich im Eifer für die Verkündigung des Evangeliums ausdrückt, in der Hingabe an die Gemeinde, in der Ausarbeitung wirksamer pastoraltheologischer Synthesen. Der heilige Paulus ist ein Musterbeispiel für einen Priester, der sich ganz mit seinem Amt identifiziert – so wie es auch der heilige Pfarrer von Ars sein wird – und der sich dessen bewusst ist, einen unschätzbaren Schatz zu tragen, nämlich die Botschaft des Heils, wobei er diesen jedoch „in zerbrechlichen Gefäßen“ bringt (vgl. 2 Kor 4,7). Deshalb ist er gleichzeitig stark und demütig, zutiefst überzeugt, dass alles der Verdienst Gottes, alles seine Gnade ist. „Die Liebe Christi hat uns in Besitz genommen“ – schreibt der Apostel, und dies kann gut der Leitspruch jedes Priesters sein, den der Geist „bindet“ (vgl. Apg 20,22), um ihn zu einem treuen Verwalter der Geheimnisse Gottes zu machen (vgl. 1 Kor 4,1-2): Der Priester muss ganz Christus und der Kirche gehören; er ist berufen, sich ihr mit ungeteilter Liebe zu widmen, wie ein treuer Bräutigam seiner Braut.

Liebe Freunde, zusammen mit der Fürsprache der heiligen Apostel Petrus und Paulus bitten wir nun um die Fürsprache der Jungfrau Maria, auf dass sie vom Herrn für die Priester während dieses soeben begonnenen Priester-Jahres reichen Segen erlange. Die Gottesmutter, die der heilige Johannes-Maria Vianney so sehr liebte und von seinen Pfarrkinder lieben ließ, helfe jedem Priester, die Gabe Gottes, die durch die heilige Priesterweihe in ihm ist, neu lebendig werden zu lassen, damit er in Heiligkeit wachse und bereit sei, die Schönheit seiner totalen und endgültigen Hingabe an Christus und die Kirche falls nötig bis zum Martyrium zu bezeugen.

[Die deutschsprachigen Pilger begrüßte der Papst in seiner Muttersprache:]


Ganz herzlich grüße ich alle Pilger und Besucher aus den Ländern deutscher Sprache. Mit der Vesper heute Abend in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern findet das Paulusjahr seinen Abschluss. Ich hoffe, dass uns die Persönlichkeit dieses Apostels der Völker immer vertrauter wird. Er war kein großer Redner und auch kein geschickter Stratege. Aber er hat sich mit Leib und Seele für das lebendige Wort Gottes, das Jesus Christus ist, eingesetzt und sich ihm ausgesetzt. Die Kirche ist nur dann überzeugend, wenn ihre Verkünder bereit sind, selbstlos und mutig für Gottes Liebe und Wahrheit einzutreten. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana]