Pax Christi gründet Netzwerk für „Pluralismus der Kulturen und Religionen“

Katholische Friedensbewegung konzentriert sich auf die Rechte religiöser Minderheiten

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PARIS, 11. Juni 2008 (ZENIT.org).- Die französische Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi hat ein Netzwerk für die Praxis eines „Pluralismus der Kulturen und Religionen“ gegründet. Das Netzwerk will religiöse Minderheiten schützen und konzentriert sich dabei auf die Region des Nahen und Mittleren Ostens.

Das Netzwerk rief die europäischen Regierungen, allen voran die französische, dazu auf, für die Wahrung von Kultur- und Religionsfreiheit einzutreten. Man könne die Tendenz zu einer Vereinheitlichung in einer Region, die auf besondere Weise zur Wiege verschiedener Religionen geworden sei, nicht dulden, heißt es in einer entsprechenden Erklärung.

Man dürfe nicht untätig zusehen, wenn es im Westen zwar eine Vielzahl von Möglichkeiten gebe, den eigenen Glauben zu leben, aber ein Osten existiere, „wo die Herrschaft einer einzigen Religion praktiziert wird“.

In einigen Ländern, die vorwiegend muslimisch geprägt sind, würden Christen, Juden und Bahais systematisch ausgerottet oder vertrieben, kritisierte Pax Christi. Im Libanon müssten Christen vor Gewaltausbrüchen fliehen, um nicht Opfer von Attentaten zu werden. Die wachsende Unsicherheit beschleunige diese Entwicklung. Auch in Ägypten gebe es Repressalien gegenüber Christen. Im Iran würden Bahais nicht nur verfolgt, sondern auch verhaftet und umgebracht werden.

„In Palästina fallen arabische Christen, die auch zum palästinensischen Volk gehören, Gewaltausbrüche und Anschlägen seitens fundamentalistischer Kräfte zum Opfer.“ Besonders in Algerien komme es zu unvorstellbaren Grausamkeiten gegenüber Christen.

Die größte Sorge der Verantwortlichen des neuen Netzwerkes gilt der Lage der Christen im Irak, die gegenwärtig eskaliere. Besonders dramatisch sei die Ermordung des Erzbischofs von Mossul der Chaldäer Paulos Faraj Rahho gewesen. Der Erzbischof war am 29. Februar entführt und am 13. März tot aufgefunden worden.

Das Engagement für den Nahen Osten ist seit langem ein Anliegen der Friedensorganisation. Schon seit Anfang 2004 entsendet Pax Christi regelmäßig Freiwillige in das Programm Ökumenischer Friedensdienst in Palästina und Israel (ÖFPI), dass vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf getragen wird. Dadurch will die Friedensbewegung zivile Konfliktlösungen stärken.

Der Friede Christi war vielen Menschen im zerstörten Europa am Ende des Zweiten Weltkrieges Hoffnung für einen friedlichen Neuanfang im Zusammenleben der Völker. Aus diesem Geist heraus hatten sich Menschen aus ehemals verfeindeten Nationen, vor allem Deutsche, Franzosen und Polen, versöhnt. Das Geschenk der Versöhnung, das die deutsche Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg von Seiten der Franzosen und später auch von den Polen erfuhren, führte 1948 zur Gründung von Pax Christi, einer Bewegung, die heute in über 60 Ländern der Welt aktiv für Frieden und Gerechtigkeit eintritt. Die deutsche Sektion von Pax Christi feiert in diesem Jahr ihr 60jähriges Bestehen (ZENIT berichtete).