Personalprälatur für Anglikaner: Die Ökumene Benedikts XVI.

Ein historischer Moment: Apostolische Konstitution für die Anglikaner in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche

| 3057 klicks

ROM, 20. Oktober 2009 (ZENIT.org).- Ein historischer Moment, ein Schritt in eine neue Dimension der Ökumene: Während einer erst am gestrigen Abend angekündigten Pressekonferenz erläuterte der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal William J. Levada, zusammen mit dem Sekretär der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Erzbischof Joseph Augustin Di Noia OP, die Grundinhalte der Apostolischen Konstitution, mit der Papst Benedikt XVI. die Aufnahme von Gruppen und Gläubigen der anglikanischen Kirche in die katholische Kirche ordnet. Wie Kardinal Levada den Journalisten mitteilte, gehe es hierbei um 20 oder 30 anglikanische Bischöfe sowie um „Hunderte“ von Gruppen von Gläubigen.

Der Kern der Apostolischen Konstitution, die bald veröffentlicht wird, besteht in der Einführung einer kanonischen Struktur, die eine korporative Vereinigung der Anglikaner mit der katholischen Kirche in der Form von Personal-Ordinariaten vorsieht. Dadurch wird es den anglikanischen Gläubigen ermöglicht, in volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zu treten und dabei die Elemente ihres spezifischen spirituellen und liturgischen Erbes als Anglikaner zu bewahren. Der Ordinarius der Personal-Ordinariate wird im Regelfall vom einstmals anglikanischen Klerus gewählt werden.

Für Kardinal Levada stellt die Apostolische Konstitution eine „vernünftige und sogar notwendige Antwort auf ein globales Phänomen“ dar, insofern sie „ein einziges kanonisches Modell für die Weltkirche bietet, das an die diversen lokalen Situationen anpassbar und in seiner allgemeinen Anwendung den ehemaligen Anglikanern gegenüber gerecht ist.

Das Modell sieht die Möglichkeit der Weihe von verheirateten, ehemals anglikanischen Klerikern zu katholischen Priestern vor. „Historische und ökumenische Gründe gestatten sowohl in der katholischen als auch in der orthodoxen Kirche keine Weihe von verheirateten Männern zu Bischöfen“, so Levada.

Die Seminaristen der Ordinariate werden neben den katholischen Seminaristen ausgebildet, auch wenn das Ordinariat eigene Ausbildungshäuser eröffnen kann, um den besonderen Bedürfnissen in der Ausbildung im anglikanischen Erbe zu entsprechen. Auf diese Weise versucht die Apostolische Konstitution nach den Worten Levadas ein Gleichgewicht zwischen dem Interesse für die Bewahrung eines wertvollen liturgischen und geistlichen Erbes und der Sorge dafür herzustellen, dass diese Gruppen und ihr Klerus in die katholische Kirche eingegliedert sind.

Kardinal Levada erklärte: „Wir haben versucht, auf einheitliche und gerechte Weise den Anfragen nach einer vollen Einheit entgegenzukommen, die uns von ehemaligen anglikanischen Gläubigen aus verschiedenen Teilen der Welt in den letzten Jahren gestellt wurden. Mit diesem Vorschlag beabsichtigt die Kirche, auf die legitimen Wünsche dieser anglikanischen Gruppen nach einer vollen und sichtbaren Einheit mit dem Bischof von Rom und Nachfolger Petri zu antworten“.

Die Personal-Ordinariate werden nach vorhergehender Beratung mit den Bischofskonferenzen eingerichtet werden. Ihre Struktur wird der Struktur Militär-Ordinariate ähneln.

Die Einrichtung dieser neuen kanonischen Struktur steht für Kardinal Levada in Einheit mit dem Einsatz für den ökumenischen Dialog, der für die katholische Kirche weiterhin eine Priorität darstelle, dies besonders durch die Arbeit des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Die jetzige Initiative sei von verschiedenen anglikanischen Gruppen ausgegangen. Diese hätten erklärt, dass sie den gemeinsamen katholischen Glauben so, wie er im Katechismus der Katholischen Kirche zum Ausdruck komme, teilen und das Petrusamt als von Christus für die Kirche gewolltes Amt akzeptieren würden. „Für sie ist die Zeit gekommen, eine derartige implizite Einheit in einer sichtbaren Form voller Gemeinschaft zum Ausdruck zu bringen.“

Papst Benedikt XVI. hoffe, so Kardinal Levada, dass die anglikanischen Kleriker und Gläubigen, die sich nach der Einheit mit der katholischen Kirche sehnen, in dieser kanonischen Struktur die Gelegenheit finden werden, jene anglikanischen Traditionen, die für sie wertvoll und mit dem katholischen Glauben vereinbar sind, zu bewahren. Diese Traditionen seien ein Geschenk, das innerhalb der universalen Kirche zu teilen sei.

Die Einheit mit der Kirche bedeute keine „Uniformität, welche die kulturelle Unterschiedlichkeit ignoriert“; dies beweise die Geschichte des Christentums. Die Gemeinschaft der katholischen Kirche werde durch ähnliche Unterschiedlichkeiten gestärkt: „Wir sind daher glücklich, dass diese Männer und Frauen unserem gemeinsamen Glaubensleben ihren besonderen Beitrag anbieten“.