Petersplatz in Rom wird „Farbe wechseln“

Bis 2015 Originalzustand nach Berninis Plänen wiederhergestellt

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VATIKANSTADT, 5. Oktober 2011 (ZENIT.org/OR). - In zweieinhalb Jahren wird der Petersplatz in Rom wieder in seiner ursprünglichen Form erstrahlen, wie er Mitte des 17. Jahrhunderts gedacht, geplant und errichtet worden ist, berichtet der Osservatore Romano.

Die Restaurierungsarbeiten haben bereits bei den Kolonnaden des Bernini begonnen. Bald wird dieser einzigartige Platz wieder in seinen alten Farben und seiner Vollständigkeit zu bewundern sein. Der Petersplatz ist nicht nur eines der größten Bauwerke des Barock, sondern auch ein einzigartiger Ausdruck architektonischen und städteplanerischen Schaffens.

Der Platz wurde ausdrücklich mit Blick auf öffentliche religiöse Zeremonien geschaffen. Er hat neben ästhetischen und künstlerischen auch eine praktische Funktion. Die vielen Allegorien, die auf den universalen und ökumenischen Anspruch der Kirche verweisen, bieten dem Betrachter unerschöpfliches Anschauungsmaterial. Es ist die Restaurierung aller architektonischen und dekorativen Elemente des Platzes vorgesehen.

Das sind 284 Säulen, 92 Pfeiler, 140 Statuen, sechs große päpstliche Wappen, 1200 Meter Balustraden und ebenso viele Gesimse sowie 3400 Quadratmeter Kassettendecken im Inneren der Bogengänge. Hinzu kommen auch die beiden großen Zwillingsbrunnen, die Fontana Clementina und die Fontana Gregoriana, und natürlich der 42 Meter hohe ägyptische Obelisk aus Granit, den Papst Sixtus V. 1586 im Mittelpunkt des Platzes errichten ließ.

Sogar die Beleuchtung rund um den Obelisken aus dem 19. Jahrhundert wird restauriert, wie Pier Carlo Cuscianna, der Direktor des Technischen Dienstes des Vatikans mitteilt. Die wissenschaftliche, künstlerische, geschichtliche und denkmalpflegerische Betreuung der Arbeiten obliegt den von Antonio Paolucci geleiteten Vatikanischen Museen. Für die Ausführung selbst stehen eine ganze Reihe hervorragender Restaurateure und Fachkräfte aller dafür notwendigen Disziplinen zur Verfügung.

Demnächst wird bereits ein erster kleiner Teil der Kolonnaden enthüllt, an denen die Restaurierungsarbeiten bereits abgeschlossen werden konnten. Während der übrige Platz schrittweise für die Arbeiten verhüllt wird, können die Rompilger und Besucher der Ewigen Stadt bereits die künftige Gestaltung des Platzes erahnen.

Der in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellte Petersplatz wird seinen Abschluß in der ebenfalls zu ihrem Ursprung zurückgeführten Fassade des Petersdoms seinen krönenden Abschluss finden. Eines der bekanntesten Symbole der Christenheit wird also bald die Farbe wechseln. Anstelle des derzeitigen Ockergelb, das Ende des 19. Jahrhunderts aufgetragen wurde, werden die Gänge Karls des Großen und Kontantins des Großen, die die Basilika mit den Kolonnaden verbinden, wieder im Weiß des römischen Travertin erstrahlen. So sieht es das von Bernini unterschriebene Originalprojekt vor, das gefunden wurde.

Wenige Proben hatten gezeigt, dass Berninis Projekt tatsächlich umgesetzt worden war. Unter dem Ockergelb kam der helle Travertin zum Vorschein, mit dem Originalanstrich Berninis, dessen Zusammensetzung genau aufgeschlüsselt werden konnte.

Für das Auge des Betrachters wird durch die Wiederherstellung des Originalzustandes der Eindruck von Tiefenwirkung vermittelt, sodass manche Teile näher und andere entfernter scheinen. Je nach Lichteinfall wird der Farbeindruck anders erscheinen.

Nach Abschluss der Arbeiten werden Platz, Kolonnaden, die beiden Verbindungsflügel und die Fassade des Petersdomes wieder eine wirkliche Einheit bilden. Die Restaurierungsarbeiten sollen bis 2015 abgeschlossen sein.

Die Einzigartigkeit des Restaurierungsobjekts führte zur Entwicklung einer innovativen Technik: einer mobilen Baustelle, die sich auf Schienen auf dem Dach der Bogengänge fortbewegt. Damit sollen die Einschränkungen für die zahlreichen Bewunderer aus aller Welt während der Restaurierungsarbeiten möglichst gering gehalten werden.