Pfarrer, Hirten im Dienst der Herde und nicht reißerische Wölfe

Während der gestrigen Messe in Santa Marta forderte der Papst dazu auf, für die Bischöfe und Priester zu beten, dass sie nicht den Versuchungen erliegen

Rom, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 554 klicks

„Wenn ein Bischof, ein Priester auf dem Weg der Eitelkeit schreitend das Karrieredenken annimmt und der Kirche damit sehr viel schadet, ist er lächerlich, er brüstet sich, es gefällt ihm, sich zu zeigen, allmächtig … Und das Volk liebt das nicht!“

Alles andere als einfacher Katechismus! Die Worte Papst Franziskus‘ in der gestrigen Messe in der Casa Santa Marta sind hart und zielen auf einen der Missstände, die sowohl inner- als auch außerhalb der Kirche krank machen: der Pfarrer handelt nicht wie ein Pfarrer, sondern erliegt den Versuchungen des Geldes und der Eitelkeit. Die Predigt des Heiligen Vaters, die vor einigen Mitarbeitern von Radio Vatikan gehalten wurde, soll jedoch keine Verurteilung sein, sondern eine freundliche Ermahnung, dass die Priester und Bischöfe dem Volk Gottes dienen und für sie beten.

Die Worte des Papstes nehmen ihren Ausgang von einer, wie er selbst sagt, „schönsten Seiten des Neuen Testaments“, aus dem Text der Apostelgeschichte (Apg 20, 28-30), in der Paulus die „Alten“ der Kirche von Ephesus auffordert, Hirten zu sein, die sich vor den „reißenden Wölfen“ hüten und deshalb über sich und die Herde zu wachen.

Es ist eine Empfehlung des Apostels, „voller Zärtlichkeit und pastoraler Liebe“, betonte der Papst, die „das Beschützerverhältnis, die Liebe zwischen Gott, dem Pfarrer und dem Volk“ aufzeigt, „weil am Ende ein Bischof nicht Bischof für sich selbst, sondern für das Volk ist. Und ein Priester ist nicht Priester für sich selbst, sondern für das Volk: dienend, um das Volk wachsen zu lassen, es zu hüten, eigentlich die Herde, nicht? Um sie vor den Wölfen zu verteidigen.“

„Es ist schön, so zu denken!“, rief Papst Franziskus aus und fügte hinzu: „Wenn ein Bischof auf seinem Weg so handelt, hat er ein gutes Verhältnis zum Volk […]. Und wenn ein Priester ein so schönes Verhältnis zum Volk hat, entsteht eine Liebe zwischen ihnen, eine wahre Liebe, und die Kirche wird eins.“ 

Eben aus dem Verhältnis mit dem Volk ziehen der Bischof und der Pfarrer den Lebensquell für das eigene Amt. Der Papst definierte es als ein „existentielles, sakramentales“ Verhältnis. Dennoch können „auch der Bischof und der Pfarrer in Versuchung geraten“, sagte der Papst sehr ernsthaft, weil „auch wir Menschen und Sünder sind.“ „Deshalb sind wir auf eure Gebete angewiesen, um nicht den Versuchungen zu erliegen", fügte er hinzu,.

Unter den Versuchungen, die schon der heilige Augustinus in einem Kommentar zum Propheten Ezechiel aufzählte, sind insbesondere zwei zu zitieren: „Der Reichtum, der zur Habsucht werden kann, und die Eitelkeit.“ Der Bischof von Hippo sagte: „Wenn ein Bischof oder ein Pfarrer sich der Herde zu seinem Vorteil bedient, ändert sich die Dynamik: der Priester oder Bischof ist nicht für das Volk da, sondern der Priester und Bischof nehmen vom Volk […]. Er nimmt das Fleisch, um es zu essen, zieht seinen Vorteil; er macht Geschäfte und ist dem Geld zugetan; er wird geizig und oft auch simonisch; oder er nutzt die Wolle aus Eitelkeit, um sich zu brüsten.“

Papst Franziskus steht dem nicht nach und fügt hinzu: „Wenn ein Pfarrer oder ein Bischof dem Geld hinterherläuft, liebt das Volk das nicht, und das ist ein Zeichen. Aber er selbst endet böse. Der heilige Paulus erinnert an die Arbeit mit den eigenen Händen, er hatte kein Konto auf der Bank, er arbeitete.“

Der Heilige Vater wiederholte deshalb die Aufforderung an die Männer der Kirche zu beten, „dass wir arm sind, dass wir demütig sind, sanft, im Dienst des Volkes.“ Ein weiteres Mal rief er anschließend dazu auf, über die Apostelgeschichte nachzudenken, vor allem über den Vers, in dem der heilige Paulus sagt: „Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher eingesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu hüten, die er sich erworben hat durch das Blut seines eigenen [Sohnes]!”

„Lest diese schöne Seite“, sagte Papst Franziskus, „und während ihr sie lest, betet, betet für uns Bischöfe und Priester. Wir brauchen sie, um gläubig zu bleiben, um Menschen zu sein, die über die Herde wachen und über uns selbst wahrhaft wachen, dass ihr Herz immer auf die Herde gerichtet sei.“ Er schloss: „Betet auch, ‘dass der Herr uns vor den Versuchungen schütze, dass wir, wenn wir uns auf den Weg der Reichtümer begeben, wenn wir uns auf den Weg der Eitelkeit begeben, Wölfe werden und nicht Hirten, Hirten. Lest und betet‘.“