Phil Mulryne - vom Fußballspieler zum Priesterkandidat

Nonkonformistische Wahl eines ehemaligen Leistungsträgers von Manchester United, der seine Sportkarriere zugunsten der priesterlichen Berufung aufgab

Rom, (ZENIT.org) | 237 klicks

Ebenso wie sein exzentrischerer aber auch konformistischerer Landsmann, der legendäre George Best, hatte Phil Mulryne im Trikot von Manchester United und der nordirländischen Nationalmannschaft in den prestigereichsten Fußballspielen Großbritanniens und Europas  mitgewirkt, exorbitante Gehälter bezogen und sich die für moderne Fußballspieler typischen Angewohnheiten wie den Konsum von Luxusautos und Liebesabenteuern durchaus zu eigen gemacht.

An einem bestimmten Punkt angelangt, erfuhr seine Karriere jedoch eine Unterbrechung. Dies lag jedoch weniger an den extravaganten Verhaltensweisen außerhalb des Spielfeldes, der Unbefangenheit an den Theken der Pubs oder der Regellosigkeit im Tagesrhythmus. Trotz des verständlichen Ungestüms seiner Jugend (beispielsweise führte seine nächtliche Flucht von einem Trainingslager im Jahr 2005 zum Ausschluss von der Nationalmannschaft) bewies Mulryne Talent und Professionalität. Dennoch entschied er sich für eine Beendigung seiner Fußballlaufbahn, um einem Ruf von oben zu folgen.

Im Jahr 2008 traf Phil infolge eines schweren Unfalls die wohldurchdachte Entscheidung für eine Rückkehr in sein Elternhaus in Belfast, um sich körperlich und vor allem mental zu erholen. Dort begegnete er dem Bischof der Diözese von Down und Conner Msgr. Noel Treanor, der ihn in karitative Aktivitäten miteinbezog und ihm dabei half, Antworten auf die dem Innersten seiner Seele entspringenden Fragen heranreifen zu lassen. Vor diesem Hintergrund kam Phil zu dem Entschluss, seine Sportkarriere hinter sich zu lassen und seine Berufung zum Priestertum zu verwirklichen.

Dies setzte unerlaubten Trinkgelagen, Ohrringen, Tätowierungen und Mohikaner-Haaren ein jähes Ende. Der nonkonformistische Charakter der Entscheidung Phils ergibt sich aus ihrem Kontext, dem auf gleichförmige Vorbilder abgeflachten Umfeld des Berufsfußballs. Phils Landsmann und Mannschaftskollege im englischen Fußballverein Norwich City, Paul Mc Veigh, bringt dies folgendermaßen auf den Punkt: „Mulrynes Wahl war für mich, aber vor allem für unseren Bereich, ein regelrechter Schock.“

Mc Veigh begegnete Phil in Rom. Dort hatte er vor seiner Übersiedelung nach Belfast und Weihe zum Dominikanermönch im vergangenen September vier Jahre lang am Päpstlichen Irischen Kolleg studiert. Paul Mc Veigh zufolge habe er in Phil eine große Freude erkannt und daher den Eindruck gewonnen, dass er die getroffene Wahl sehr ernst nehme.

Im Jahr 1999 trat Phil Mulryne dem Fußballverein Norwich bei, zumal er als Mitglied von Manchester United von „Top-Spielern“ wie Nicky Butt, Paul Scholes und David Beckham umgeben war. Auf einen guten Start in der neuen Mannschaft, der ihn zum Lieblingskind der Fans gemacht hatte, folgte eine Reihe von Unglücksfällen, die den vielversprechenden Flug in eine erfolgreiche Karriere vereitelten.

Aufgrund wiederkehrender körperlicher Beschwerden spielte er in verschiedenen kleineren Mannschaften. Unter anderem erhielt er ein Engagement beim KP Legia Warszawa. Vor dem letzten und folgenschwersten Unglücksfall kennzeichnete die mäßig besetzte Mannschaft King’s Lynn die letzte Station der diesmal tatsächlich begonnenen Fußballkarriere Mulrynes.

Im Zuge eines im Jahre 2012 geführten Interviews mit der englischen Tageszeitung „Daily Mirror“ gab Phil Mulryne bekannt, dass er sich sehr gut fühle und über seine Entscheidung überaus glücklich sei. Er führte aus: „Ich muss sagen, dass ich seit meiner Zeit als Fußballspieler viel gelassener geworden bin.“ Dies bezeugt den Umstand, dass Geld und Erfolg nicht nur Abhilfe schaffen, sondern zuweilen mehr Schaden anrichten können. Phil Mulryne hat jedoch den wahren Nonkonformismus als wirksames Mittel für sich entdeckt.