Philipp Neri, ein Heiliger der Eucharistie
„Ohne Eucharistie konnte er nicht leben“
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Von P. Paul Bernhard Wodrazka C.O.
WIEN, Mittwoch, 22. Juni 2011 (ZENIT.org). - Der hl. Philipp Neri (1515-1595), der in der Nacht nach dem Fronleichnamsfest (26. Mai 1595) sein Leben in die Hand Gottes zurückgelegt hat, pflegte stets eine besonders innige Verehrung für die heiligste Eucharistie, in der Jesus auf einzigartige und unvergleichliche Weise wirklich, tatsächlich und substantiell gegenwärtig ist: mit seinem Leib und seinem Blut, mit seiner Seele und seiner Gottheit (cfr. KKK Kompendium, 282).
Das Konzil von Trient lehrt im Zuge der reformatorischen Streitigkeiten, dass an Fronleichnam der Sieg Christi über den Tod, sein Triumph begangen werde. Es verwendet dafür folgende Worte: „Und zwar sollte die siegreiche Wahrheit einen solchen Triumph über Lüge und Häresie feiern, dass ihre Gegner, in den Anblick eines so großen Glanzes und in eine so große Freude der gesamten Kirche versetzt, entweder entkräftet und gebrochen dahinschwinden oder von Scham erfüllt und verwirrt irgendwann einmal wieder zur Einsicht kommen“ (Konzil von Trient, Dekret über das Sakrament der Eucharistie, in: DH 1644).
Das Anliegen dieses Hochfestes ist es, glaubensvoll verborgen deutlich zu machen, welch große Gnaden vom Schatz aller Schätze, vom allerheiligsten Altarsakrament, ausgehen. Das war dem heiligen Philipp innerlich zutiefst bewusst, weshalb sich die Hochachtung, Verehrung und Feier der hl. Eucharistie durch sein ganzes Leben wie ein roter Faden zieht. Von seiner Mitgliedschaft in der Compagnia della SS. Trinità noch als Laie bis zu seinem priesterlichen Dienst und der Ersehnung der Eucharistie in seinen schweren Krankheiten und bei seinem Heimgang. Auffällig ist, dass der heilige Philipp auf Gemälden sehr häufig bei der Feier der heiligen Messe oder im Messgewand dargestellt ist.
Einer der Schüler von Phillip Neri, Pater Giovanni Battista Zazzara aus dem römischen Oratorium, gab nach Eröffnung des Seligsprechungsprozesses zu Protokoll: „P. Philipp Neri hatte eine besonders innige Beziehung zum allerheiligsten Sakrament. Ohne Eucharistie konnte er nicht leben: Es war für ihn selbstverständlich, täglich die heilige Messe zu feiern; oder wenn er krank war, und es ihm nicht möglich war, die heilige Messe selbst zu zelebrieren, empfing er mit größter Andacht die hl. Kommunion in der Nacht [wenn zur Matutin geläutet wurde]. Es schien, dass er ohne dieses Sakrament nicht leben konnte.“ (P.P., II, p. 103).
„Ohne Eucharistie konnte er nicht leben“ entspricht zutiefst der Erfahrung und den Aussagen der christlichen Märtyrer der ersten Jahrhunderte, die bei ihren Verhaftungen standhaft im Glauben bekannten: „Sine dominico non possumus!“ Ohne die Gabe des Herrn, ohne den Tag des Herrn können wir nicht leben: So antworteten im Jahr 304 Christen aus Abitene im heutigen Tunesien, die bei der verbotenen sonntäglichen Eucharistiefeier ertappt und vor den Richter geführt wurden. Sie wurden gefragt, wieso sie den christlichen Gottesdienst am Sonntag hielten, obgleich sie wussten, dass darauf die Todesstrafe stand. „Wir können ohne Sonntag nicht leben.“ Es ist nicht möglich, als Christ ohne die Teilhabe am Sakrament unserer Erlösung zu existieren und Fortschritte im christlichen Leben zu machen.
Der tägliche Empfang der heiligen Kommunion
Von dem römischen Heiligen wird berichtet, dass er schon als Laie täglich den Sohn Gottes in der heiligen Kommunion empfing. Zu dieser für die damalige Zeit eher unüblichen Praxis wurde Philipp von den Priestern von San Girolamo della Carità, dort wirkte z. B. auch Buonsignore Cacciaguerra (1495-1566), ermutigt. Es war für Philipp essentiell, täglich diese Verbindung mit Jesus Christus in der heiligen Kommunion zu leben, entsprechend den Worten Christi im Johannesevangelium: „Wer mich isst, wird durch mich leben [...] Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.“ (Joh 6,57.53).
Die Anbetung
Im Licht des bisher Gesagten erstaunt es nicht, dass der heilige Philipp eine besondere Leidenschaft für die Anbetung hegte. Besonders lieb waren ihm die „Quarant’ore“, das „Vierzigstündige Gebet“. Die Anfänge der kontinuierlichen, feierlichen vierzigstündigen Anbetung unseres Erlösers im allerheiligsten Altarsakrament liegen im Dunkeln. Die vierzig Stunden sollen an jene Zeit erinnern, in der der Leib Christi im Grab ruhte. In einem Breve bestätigte Papst Paul III. im Jahre 1537 diese Andachtsform. Als erste propagierten die Dominikaner, die Barnabiten und die Kapuziner die „Quarant’ore“ in Italien. Es ist belegt, dass der heilige Philipp in der Ewigen Stadt diese religiöse Übung förderte, wie viele Zeugnisse bestätigen. In der Kirche SS.ma Trinità dei Pellegrini, die sich nächst der Ponte Sisto befindet und eine der ersten öffentlichen Wirkungsstätten unseres eucharistischen Heiligen war, wurde einmal pro Monat ein vierzigstündiges Gebet abgehalten (P.P., I, pp. 71-72). Dort führte der Heilige gemeinsam mit seinem Beichtvater, P. Persiano Rosa (1503-1558), einem Priester der Arciconfraternità della Carità, diese Form der Anbetung ein. Philipp selbst war immer einer der eifrigsten Anbeter. Er konnte Stunden um Stunden vor dem Herrn verbringen. Pater Pompeo Pateri sagte beim Prozess aus, dass Philipp mehr durch sein Beispiel als durch Worte die Menschen zur Anbetung zog (P.P., III, p. 156).
Für den jungen Philipp war die Verehrung der hl. Eucharistie zutiefst mit seinem christlichen Leben verbunden. Die Anbetung war nicht eine von vielen Andachtsformen für ihn, sondern sie war das Zentrum seines geistlichen Lebens. Aus der Eucharistie und dem Gebet schöpfte er seine ganze Kraft, um den Armen und Kranken zu dienen und sie zu lieben. Über Phillip Neri wird auch berichtet, dass er jungen Männern während der Anbetung eine Krankenschürze umwarf, um sie dadurch zum Dienst an den Kranken in den Spitälern zu ermutigten.
Pater Philipp feiert die heilige Messe.
Wie schon erwähnt, brachte der Priester Phillip Neri täglich das heilige Messopfer dar. Es war für ihn das Kennzeichen seines priesterlichen Dienstes, wenngleich zur damaligen Zeit die tägliche Zelebration noch nicht die Regel war. Auch hier erweist sich Philipp ganz als Schüler der Priester von San Girolamo.
Pater Philipp ermahnte seine Mitbrüder, jeden Tag zu zelebrieren. Er sagte: „Die Priester, die – obwohl sie könnten – nicht jeden Tag zelebrieren, machen einen großen Fehler. Auch die welche um ihrer Erholung willen die Erlaubnis erbäten, nicht täglich zu zelebrieren, begingen einen großen Irrtum. Er sagte auch: Jene, die Trost außerhalb des wahren Ortes suchen, suchen ihre Verurteilung. Wer weise sein will ohne die wahre Weisheit, ohne den Heiland, ist nicht heil, sondern krank, nicht weise, sondern verrückt.“ (Wick-Alda, U. u. Wodrazka, P. B. [Hrsg.]: Philipp Neri. Schriften und Maximen, Sankt Ottilien 2011, pp. 292-293 bzw. # 162).
Ebenso empfahl Philipp den Gläubigen, regelmäßig die heilige Messe mitzufeiern. Er optierte nicht dafür, dass alle täglich zur heiligen Kommunion gehen sollten, sondern meinte, dass die Häufigkeit des Kommunionempfangs neben der persönlichen Disposition vom geistlichen Weg und der religiösen Situation des Einzelnen abhinge.
Phillip Neri zelebrierte mit einer solchen Innigkeit und Andacht die heilige Messe, dass es ihm schwer fiel, die Worte des Messbuches deutlich und laut auszusprechen, wie Giacomo Crescenzi beim Prozess darlegte. (P.P., II, p. 171).
Insbesondere während der Opfermesse (Eucharistiefeier), dem zentralen Teil der heiligen Messe, geriet der Heilige sehr häufig in Ekstase. Dies betonten unzählige Zeugen, die beim Prozess befragt worden sind. So erinnerte sich z. B. Giovanni Bernardi: „Bei der Elevation des Leibes des Herrn erzitterte alles, er schwebte ein Stück über dem Boden; und dies geschah noch einmal währenddem die anderen kommunizierten, dass er sich bewegte, als würde er schweben. Und der heilige Philipp selbst hat mir versichert, dass, als er mit dem Messe lesen begann, den Kelch nicht ohne viele Tränen aus Gründen der Andacht und des Trostes zu vergießen, erheben konnte.“ (P.P., I, p. 48).
Diese inneren Anrührungen versuchte Philipp, so weit wie möglich zu verbergen. Aufgrund seines Gesundheitszustandes erhielt er in den letzten Jahren seines Lebens von Papst Gregor XIV. die Erlaubnis, die heilige Messe in einer Kapelle in der Nähe seines Zimmers zu feiern. Beim Agnus Dei verließ der Ministrant das Zimmer, der Mesner zündete eine kleine Lampe an, löschte die Lichter am Altar aus, schloss die Fenster und sperrte beide Türen zu, damit Filippo ungestört in der Andacht Zeit mit seinem Herrn verbringen konnte. An der Außenseite der Türe hing ein Schild mit dem Hinweis „Silentium! Pater Philipp zelebriert!“. Nach zwei Stunden klopfte der Mesner wieder an die Türe, und wenn der Heilige antwortete, so öffnete er die Türe und zündete die Lichter an und Philipp setzte die heilige Messe fort. (P.P., II, p, 359; P.P., I, p. 97 und Bacci, II, I).
Eucharistische Wunder waren bei der Messfeier des heiligen Philipp keine Seltenheit. Nero del Nero, ein florentinischer Edelmann, bezeugte, dass Pater Philipp beim Kommunizieren des Blutes Christi, das sich sichtbar in Blut verwandelt hatte, von solcher Ehrfurcht erfüllt war, dass er sich nur schwer vom Kelch trennen konnte. Noch heute kann man die Abdrücke seiner Zähne an seinem Kelch in der Vallicella deutlich erkennen. (P.P., I, p. 327). Der Heilige empfing die verwandelten Gestalten unseres Herrn mit größter Andacht und war auch peinlich darauf bedacht, dass kein Teil des Leibes und kein Tropfen des Blutes Christi verloren ging. (P.P., I, p. 126 [Blut Christi] und P.P., II, p. 74 [Leib Christi]).
Nach dem Ende der heiligen Messe war der heilige Philipp so tief mit Gott verbunden und in das danksagende Gebet versunken, dass er Menschen, die an ihm vorbeigingen, nicht wahrnahm. Er war mit all seinen Gedanken so innig bei Gott, dass es einige Zeit dauerte, bis er wieder den normalen täglichen Verrichtungen nachgehen konnte. (Bacci, II, I).
Der eucharistische Heilige durfte seine letzte Messe am Fest Corpus Christi (Fronleichnam), dem 25. Mai 1595, feiern. (P.P., I, p. 66). Ein paar Tage zuvor, als sich sein Gesundheitszustand verschlechterte, empfing er aus der Hand des Kardinal Federico Borromeo die Wegzehrung. Dabei sagte Philipp: „Ich bin nicht würdig, ich bin niemals würdig gewesen; komm meine Liebe!“ (P.P., I, p. 68).


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