Philipp Neri: erste Gesamtausgabe seiner Schriften

Pünktlich zum Fest des heiligen Philipp Neri sind die gesammelten Schriften und Wegweisungen des römischen Heiligen erschienen

| 1321 klicks

ROM/WIEN, Mittwoch, 25.Mai 2011 (ZENIT.org). - Der hl. Philipp Neri (1515–1595; Gründer des Oratoriums) hat sich folgenden Generationen durch seine Fröhlichkeit und seine wirkungsvollen, originellen Seelsorgemethoden eingeprägt, aber auch durch die Gründung der Kongregation des Oratoriums. Er selbst veröffentlichte zu Lebzeiten nichts, hinterließ aber Briefe, geistliche Maximen, Testamente, Gebete und Gedichte, die nun erstmals umfassend in deutscher Sprache vorliegen.

Die zweisprachige Gesamtausgabe ermöglicht einen vollumfänglichen Einblick in diese erhaltenen Schriften und geistlichen Wegweisungen Philipp Neris. Die Dokumente sind jeweils eingeleitet und um den aktuellen Forschungsstand ergänzt, das Literaturverzeichnis vermittelt einen Überblick über die relevante Literatur. Man bekommt einen faszinierenden Eindruck, mit welcher Klarheit der Lieblingsheilige von Johann Wolfgang von Goethe seine Korrespondenz (z.B. mit dem hl. Carlo Borromeo) erledigt, dem Papst und hohen kirchlichen Würdenträgern mit Witz und Charme begegnet und zugleich immer ganz demütig und bescheiden bleibt. Von den Briefen des Heiligen sollte man sich überraschen lassen.

Bestimmt enthalten diese bewährten geistlichen Wegweisungen, die nicht nur für jeden Verehrer des heiligen Philipp bedeutsame geistliche Grundoptionen aufweisen, interessante Impulse.

In seinem Vorwort erläutert S.E. Erzbischof Kardinal Dr. Christoph Schönborn O.P. die tiefere Bedeutung des hl. Philipp für die heutige Zeit:

                                                        Zum Geleit

Kardinal Christoph Schönborn O.P., Erzbischof von Wien

Vielleicht gibt es nicht viele Heilige, deren Heiterkeit sich in das Gedächtnis der Zeitgenossen und der nachfolgenden Generationen so eingeprägt hat, wie es für die Person des hl. Philipp Neri gilt. Sicher ist dies nur eines von anderen Kennzeichen und sicher nicht das Entscheidende, welches seine Bedeutung ausmacht, und doch zählt er gerade durch diese Eigenschaft, die er als Mittel zur geistlichen Formung und Bildung einsetzte, zu den Gestalten, die durch ihre Liebenswürdigkeit Menschen an sich zogen und für Gott gewannen.

Als Heiliger der katholischen Reform gelang es ihm, mit den Mitteln einer personalen Seelsorge, die er mit der Sakramentenpastoral zu verschränken wusste, die persönlichen Wege und Berufungen seiner Zeitgenossen aufzuspüren und sie auf den Weg der Vollkommenheit zu führen. Nicht wenige führte er den Orden zu. Anderen half er, mitten in der Welt und innerhalb ihrer Familien ein vom Gebet durchdrungenes, christliches Leben zu führen. Seine Bescheidenheit erlaubte es ihm nicht, eigenes Schriftgut zu veröffentlichen, hier verwies er lieber auf andere bewährte Autoren, sei es aus dem Bereich der Spiritualität des alten Mönchtums, sowohl der westlichen als auch der östlichen Tradition, sei es aus dem Bereich der Kirchenväterliteratur.

Als Schüler des Dominikanerkonventes an San Marco in Florenz war Philipp Neri den Söhnen des hl. Dominikus zeitlebens verbunden. Seine besondere Verehrung für Girolamo Savonarola und Caterina von Siena ist bekannt. Zum römischen Konvent an Santa Maria Sopra Minerva unterhielt er so gute Verbindungen, dass es heißt, er habe einen Schlüssel zur Klausur besessen. Die Novizen des dortigen Konventes, die oft an dem Besuch der sieben Kirchen teilnahmen, verabschiedeten sich aufs Herzlichste an seinem Sarg.

Mit der Gründung des Oratoriums und der Kongregation des Oratoriums verfolgte er das Ziel einer geistlichen Erneuerung, um das christliche Leben der verschiedenen Stände zu intensivieren. Sein besonderer Ansatz besteht, wenn man die Methode des ‚Ur-Oratoriums‘ betrachtet, in der ‚familiaris tractatio verbi divini‘, dem Gespräch über das Wort Gottes in einfacher, familiärer Weise. Gleiches kennzeichnete die Predigten im Oratorium. Das Wort Gottes sollte auf einfache Weise zugänglich gemacht werden und den Menschen durchdringen. So wie es später Kardinal Newman in seinem Wappenspruch ausdrückt – ‚cor ad cor loquitur‘ – das Herz spricht zum Herzen. Dass es letztlich hier um ein anderes Herz geht, als das des Sprechers, das in Wahrheit das Herz des Zuhörers anregt, es lehrt und führt, ist die verborgene Mitte des Geheimnisses des Wirkens Gottes im Menschen.

Anders als sein eben genannter späterer Schüler und Gründer des Oratoriums in England, der sel. Kardinal John Henry Newman, publizierte Philipp Neri nicht. So ist es auch zu erklären, weshalb die Quellen sehr rar sind. Das Geheimnis seines eigenen geistlichen Lebens wollte er lieber hüten – ‚secretum meum mihi‘, wiederholte er gerne in diesem Zusammenhang. Umso kostbarer sind daher die Briefe und geistlichen Maximen, seine Testamente und seine Poesie die hier nun das erste Mal in umfassender Weise in einer zweisprachigen Ausgabe dem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht werden.

Das II. Vatikanische Konzil rät in seinem Dekret ‚Perfectae caritatis‘ (PC, 2b) allen geistlichen Gemeinschaften, nach Intention und Anliegen des Gründers zu fragen, um so in einen inneren Erkenntnisprozess zu treten, die Herausforderungen der Zeit neu zu begreifen und in der Kraft des Hl. Geistes ihren spezifischen Beitrag für die Kirche zu leisten.

Als Erneuerer des geistlichen Lebens in Rom hat Philipp Neri, davon gehe ich aus, auch unseren Tagen wesentliche und wichtige Anregungen zu geben. Möge der vorliegende Quellenband in dieser Hinsicht fruchtbar sein, für die bestehenden Oratorien und alle ihnen verbundenen Menschen, aber auch für alle Christen, die Impulse geistlicher Orientierung suchen.

So wünsche ich den interessierten Lesern einen tieferen Einblick in das Wirken dieses Heiligen und für ihren eigenen Lebens- und Glaubensweg erhellende Einsichten.

Wien, am 26. Mai 2010, am Fest des hl. Philipp

+Christoph Kardinal Schönborn O.P.

Erzbischof von Wien

                                        ***

Philipp Neri - Schriften und Maximen

Mit einem Vorwort von Christoph Kardinal Schönborn O.P.

Herausgegeben von Ulrike Wick-Alda / Paul Bernhard Wodrazka C.O.

EOS Verlag, ISBN :  978-3-8306-7424-5, Preis: € 24,95 [in Deutschland] bzw. € 25,70 [in Österreich].

Das Buch ist direkt beim Verlag oder in jeder Buchhandlung erhältlich.

Online-Bestellung und weitere Informationen: