Philippinen: Missionare leben gefährlich

Pater Tentorio engagierte sich für Rechte, Bildung und das Entstehen von Selbstbewusstsein unter den Ureinwohnern

| 1183 klicks

COTABATO, 18. Oktober 2011 (ZENIT.org/Fidesdienst). – Der italienische Missionar Pater Fausto Tentorio vom Päpstlichen Institut für die Außenmissionen (PIME), Pfarrer der Gemeinde Arakan Valley auf der großen Insel Mindanao (Südphilippinen), ist gestern  zwischen 8.30 Uhr und 9.00 Uhr (Ortszeit) vor seiner Kirche ermordet worden. Dies bestätigt ein Mitbruder, P. Giovanni Vettorello. P. Vettorello war seit acht Jahren gemeinsam mit P. Tentorio in der Pfarrei tätig. Der Missionar war auf dem Weg zu einem Treffen der Priester der Diözese Kidapawan, als er von zwei bewaffneten Männern überfallen wurde, die ihn kaltblütig in den Kopf und in den Rücken schossen. Der Priester starb noch auf dem Weg in das 20 Kilometer vom Tatort entfernte Krankenhaus, wo die Ärzte nur noch seinen Tod feststellen konnten.

„Er war unbequem, weil er mit seinen Alphabetisierungs- und Bildungsprogrammen die Einheimischen über ihre Rechte aufklärte und ihr Selbstbewusstsein als Bürger im Hinblick auf die eigenen Verantwortlichkeiten und Möglichkeiten förderte. Dieses gestärkte Bewusstsein machte sich vor allem auch bei Streitigkeiten mit den großen Bergwerksunternehmen und Großgrundbesitzern bemerkbar, wenn diese die Ureinwohner einfach enteignen wollten“, so der Claretiner Missionar P. Angel Calvo, der seit 30 Jahren auf Mindanao tätig ist, zum Fidesdienst.

P. Calvo betonte im Zusammenhang mit dem Tod von P. Fausto Tentorio, der unter noch nicht ganz aufgeklärten Umständen gestern auf Mindanao ermordet worden war, dass dessen Entwicklungsarbeit unter den tribalen Volksstämmen „die Interessen mächtiger Lobbys beeinträchtigte“. P. Tentorio, den P. Calvo persönlich kannte und dessen Arbeit er schätzte, „war eine Symbolfigur auf Mindanao: stellvertretend für alle Missionare, die sich wie er für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen und dabei gefährlich leben, weil sie die Pläne der Mächtigen durchkreuzen.“

Der Kontext, in dem der Missionar lebte, war das Umfeld der Insel Mindanao mit ihren großen Vorkommen an Edelmetallen und Bodenschätzen, aber auch groß genug für den Erwerb von Großgrundbesitz und die Bewirtschaftung von Großplantagen. Durch den Bergbau wird der Lebensstil der indigenen Völker auf Mindanao beeinträchtigt: Darauf weisen auch Menschenrechtsorganisationen immer wieder hin. Wenn es um den Kauf von Grundstücken geht, schrecken ausländische Unternehmen nicht davor zurück, die Stammeshäuptlinge zu bestechen oder physische und psychische Gewalt gegen die einheimischen Stämme auszuüben. Die Unternehmen rekrutieren sogar Söldner aus den Reihen der Stämme, die dann in paramilitärischen Gruppen, wie zum Beispiel die „Alamara Mindanao“, gegen die eigenen Gemeinschaften vorgehen.

Darüber beschwerten sich Vertreter der indigenen Völker auch bei der Regierung Aquiono: Im April dieses Jahres prangerte eine Konferenz, der rund 100 Vertreter aus indigenen Stämmen auf Mindanao angehören, das Vorgehen der großen Bergwerke und anderer Industrieunternehmen an, „mit denen ausländische Unternehmen Gewinn machen und dabei die Umwelt, die Kultur und das Leben der Lumad zerstören“. Bei der Konferenz waren auch Delegierte aus dem Volk der Ata-Manobo und Manobo vertreten, unter denen P. Tentorio mit seinen Programmen aktiv war.


Die katholische Kirche und die Missionare auf Mindanao hatten durch die Kommission des Apostolats unter den indigenen Völkern oder die Kommission „Gerechtigkeit und Frieden“ die Forderungen der Lumads stets unterstützt und an entsprechende rechtliche Mittel erinnert, darunter das Gesetz zum Erhalt der „Schutzgebiete“ (National Integrated Prodected Areas, NIPAS) und das Gesetz über die Rechte der indigenen Völker (Indigenoius People’s Rights Act, IPRA).

Die Bezeichnung „Lumad“ umfasst achtzehn ethnisch-linguistische Gruppen mit insgesamt rund drei Millionen Menschen, davon 95 Prozent Anhänger von Stammesreligionen. Zu den auf der Insel tätigen kritisierten Industrieunternehmen gehören „Xstrata“ in Cotabato Sud und Davao Süd, „Ventures Toronto“ in Zamoboanga Nord und vier weitere Bergwerksunternehmen in Caraga sowie verschiedene Kohle- und Wasserstromwerke in der Provinz Davao Süd.


Nach dem Erlass des Bergwerksgesetz (Philippine Mining Act) im Jahr 1995 hat die philippinische Regierung weiterhin Konzessionen an zumeist ausländische Unternehmen vergeben. Außerdem haben sich Siedler aus anderen Teilen der Philippinen in großer Anzahl auf den Philippinen niedergelassen, wo sie sich der Landwirtschaft widmen.