Philosophie als Mittel gegen den islamischen Fundamentalismus

„Geheimwaffe der Christen ist die Liebe“

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JAKARTA/KÖNIGSTEIN, 17. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Der deutsche Jesuit Professor Franz Magnis-Suseno, der seit mehr als 40 Jahren in Indonesien lebt und gegenwärtig an der katholischen Universität von Jakarta Philosophie lehrt, ist davon überzeugt, dass die Philosophie „ein Mittel gegen den islamischen Fundamentalismus“ ist.



Im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk Kirche in Not betonte Magnis-Suseno, dass es wichtig sei, die Moslems in den philosophischen Diskurs einzubeziehen, da sie dann „den Islam in einem anderen Licht sehen“. Es würden Menschen benötigt, die kritisch und umfassend denken können. „Wir brauchen Philosophen“, unterstrich der Ordenspriester. Es gehe „um den Mut, denken zu lernen“.

Da Muslime die „totale Überlegenheit der westlichen Welt“ erlebten, entwickelten sie Minderwertigkeitskomplexe. Das gelte besonders für Moslems, die im Ausland studierten. Professor Magnis-Suseno erklärte, unter vielen indonesischen Moslems herrsche die Angst vor, dass die Christen stärker wären. Sie befürchteten, „über den Tisch gezogen zu werden“, weil beispielsweise christliche Schulen in der Regel besser seien.

Traditionell seien die Christen in Indonesien gebildeter gewesen. Inzwischen hätten die Moslems jedoch „intellektuell aufgeholt“, was er sehr begrüße, da dies den Dialog mit ihnen erleichtere. Generell habe sich das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in Indonesien wesentlich verbessert. „Wenn wir zusammenarbeiten, packen wir alle Probleme des Landes.“ Die Zusammenarbeit solle sich nicht auf rein religiöse Themen beschränken, sondern auch für die Gesellschaft wirksam werden, beispielsweise bei der Bekämpfung der Korruption, bei der Realisierung des Rechtsstaates und dem Aufbau einer gerechten Wirtschaftsordnung.

Die Armut sei noch immer hoch: 130 Millionen der fast 226 Millionen Einwohner zählenden Bevölkerung lebten von weniger als zwei Dollar am Tag. Wichtig sei auch der gemeinsame Einsatz für die Menschenrechte. Das Militär könne noch immer tun, was es wolle. Christen und Muslime müssten gemeinsam daran arbeiten, dass in der Gesellschaft „keine Gewalt mehr geduldet wird“ und sich Werte wie Toleranz und Pluralismus etablierten.

Im Hinblick auf den Dialog hob P. Magnis Suseno die Bedeutung von Kontakten auf persönlicher Ebene hervor. Priester sollten beispielsweise Kontakte mit führenden Moslems aufnehmen oder „einfach bei den muslimischen Nachbarn vorbeigehen, sich vorstellen und Segen wünschen“. Dies sei „nie falsch“ und führe in 75 Prozent der Fälle zu besseren Beziehungen. Manche Moslems seien noch nie einem Priester begegnet, und die gegenseitige Annäherung sei für beide Seiten „ein Lernprozess“. „Wenn beide Seiten sich als Opfer fühlen, kommen wir nie zum Frieden.“ Man müsse im Umgang miteinander „Gutes erwarten“. Ein Moslem habe ihm einmal gesagt, die „Geheimwaffe der Christen ist die Liebe“. Dies sei es, was die Kirche den Menschen zeigen müsse.

Indonesien ist nach Angaben von „Kirche in Not“ das Land mit der viertgrößten Bevölkerung der Erde und mit seinen fast 200 Millionen Muslimen, die 87 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, die größte muslimische Demokratie der Welt. Christen bilden eine Minderheit von neun Prozent, von denen Katholiken zwei Fünftel ausmachen. Die restlichen vier Prozent sind Hindus, Buddhisten und Angehörige von Stammesreligionen.