Physik-Nobelpreisträger Klitzing, Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften

Der Papst beruft auch Chemie-Nobelpreisträger Yuan Tseh Lee in das Expertengremium

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ROM, 9. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat zwei neue ordentliche Mitglieder der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften ernannt. Es handelt sich um den deutschen Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing, Professor für Physik am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung Stuttgart, und um den amerikanischen Nobelpreisträger chinesischer Herkunft für Chemie und Präsidenten der „Academia Sinica“, Yuan Tseh Lee, aus Taipei (Volksrepublik China).



Professor Dr. Klaus Klitzing wurde am 28. Juni 1943 in Schroda, Posen, geboren. Seine Familie gelangte nach der Flucht aus Posen 1945 nach Niedersachsen. In Quakenbrück legte von Klitzing 1962 sein Abitur ab und begann dann, an der TU Braunschweig Physik zu studieren. Er schloss sein Studium 1969 mit dem Diplom ab.

Später wechselte er nach Würzburg, wo er bis 1980 bei Professor Landwehr arbeitete. In Würzburg promovierte er 1972. Sechs Jahre später habilitierte er sich. Von 1975 bis 1978 war er in Oxford und von 1979 bis 1980 am Hochfeld-Magnetlabor in Grenoble tätig. 1980 wurde von Klitzing an die TU München berufen, bis er 1985 an das Max-Planck-Institut für Festkörperforschung nach Stuttgart wechselte. Im selben Jahr ernannte ihn die Universität Stuttgart zum Honorarprofessor.

Klitzing ist Jury-Mitglied des Deutschen Zukunftspreises und des Innovationspreises der deutschen Wirtschaft. Außerdem ist er Namensgeber und Jury-Mitglied des Klaus-von-Klitzing-Preises, einem Förderpreis für engagierte Lehrerinnen und Lehrer naturwissenschaftlicher Fächer, der von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg und der EWE-Stiftung gemeinsam vergeben wird.

Klitzing ist ein leidenschaftlicher Werber für die Grundlagenforschung und bemühte sich immer wieder neu darum, Neugier und Begeisterung für die Physik zu wecken. Er ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien in mehreren Ländern und Inhaber von Ehrendoktortiteln an Universitäten in sechs Nationen.

1985 erhielt Professor Dr. Klaus Klitzing den Nobelpreis für Physik. „Es war in der Nacht vom 4. zum 5. Februar 1980 gegen 2.00 Uhr morgens am Hochfeldmagnetlabor in Grenoble, als plötzlich die Idee aufkam, dass man die experimentellen Ergebnisse auf eine neue Art und Weise interpretieren müsse“, hatte er zuvor geschrieben. Diese neue Art der Interpretation führte zur Entdeckung des „Quanten-Hall-Effekts“, wodurch die Einheit des elektrischen Widerstands (Ohm) durch die zwei Naturkonstanten des Planckschen Wirkungsquantums h und der Ladung des Elekrons e genau bestimmt und damit selbst als eine universelle Naturkonstante hergenommen werden können.

Mit dieser Von-Klitzing-Konstanten hat man eine weltweit einheitliche und hochpräzise Bezugsgröße zur Messung von Widerständen. Seit 1990 ist durch internationale Übereinkunft die Realisierung der elektrischen Maßeinheit Ohm durch die Von-Klitzing-Konstante festgelegt.

Der Quanten-Hall-Effekt war darüber hinaus einer der Ausgangspunkte für die Nanoelektronik und die wissenschaftliche Erforschung der physikalischen Eigenschaften von Halbleitern weit unterhalb der Größenordnung heutiger Mikroelektronik.

Professor Yuan Tseh Lee wurde am 19. November 1936 in Hsinchu auf Taiwan geboren. Lee schloss sein Diplom 1959 an der National Taiwan University ab. Nach einem Master-Studium an der Tsinghua University übersiedelte er in die USA, wo er seine Forschungen an der University of California (Berkeley) fortsetzte und mit dem Doktorat perfektionierte. 1965 begann Lee seine Forschungen im Bereich der Dynamik chemischer Elementarprozesse.

1968 erhielt der Wissenschaftler die Ernennung zum Assistenten an der University of Chicago. Als ordentlicher Professor in Berkeley dehnte Lee ab 1974 seine Forschungen auf den Bereich der Dynamik der chemischen Reaktionen sowie die Untersuchung verschiedener primärer fotochemischer Prozesse und ionischer und molekularer Cluster-Spektrographien aus.

1994 zog sich Lee aus der aktiven Lehre und Forschung zurück und übernahm die Aufgabe des Präsidenten der „Academia Sinica“ in Taiwan. 2006 wurde er Präsident Emeritus und „Distinguished Research Fellow” dieser Institution.

1986 erhielt Yuan Tseh Lee gemeinsam mit John Charles Polanyi und Dudley R. Herschbach den Nobelpreis für Chemie. Gewürdigt wurden seine Beiträge auf dem Gebiet der Dynamik von chemischen Reaktionen.