Pille danach, frei zugänglich und sogar rezeptfrei?

Unverantwortliche Forderung aus politischen Kreisen, Medienmanipulation im Kölner Fall

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1289 klicks

Die Bremer SPD und die Frauenbeauftragte des Landes, Ulrike Hauffe, machen sich für eine rezeptfreie Abgabe der „Pille danach“, des Wirkstoffs Levonorgestrel (LNG), stark. Dahingegen befürchtet der Gynäkologenverband, mit der Verschreibung auch eine wichtige Beratungssituation zu verlieren. So berichtet die Ärztezeitung vom 17.1.13. Die Bremer SPD hatte im vergangenen Frühjahr eine entsprechende Initiative im Bundesrat eingebracht und war gescheitert. Im Herbst legte die SPD-Bundestagsfraktion mit einem Antrag nach.

Nach Hauffe solle die Regierung noch in dieser Legislaturperiode die Rezeptpflicht für LNG abschaffen, die freie Verfügbarkeit des Medikaments sei eine Frage der sexuellen Selbstbestimmung.

Die „Pille danach“ ist in 78 Ländern, davon 28 in Europa, rezeptfrei verfügbar. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat bereits 2003 eine Freigabe empfohlen. In Deutschland gebe es aber Widerstände, die Verschreibungspflicht aufzuheben. Nach Hauffe sei dies aus Frauensicht ein unhaltbarer Zustand, die die Vorbehalte der Frauenärzte auf „Sorge um finanzielle Einbußen“ zurückführe.

Der Gynokologen-Verband weist das Geld-Argument zurück und führt dagegen medizinische Gründe an: Wenn es in den Familien der Frauen Thrombosen gegeben habe, sei die Gefahr einer Thrombose im Vergleich zur Antibaby-Pille um das zehn- bis 15-fache erhöht, wenn die Patientinnen LNG einnähmen. Das müsse im Gespräch geklärt werden.

Auch zeige sich bei den Verschreibungen der Pille danach oft, dass die Verhütung bei den betreffenden Frauen nicht gut organisiert sei. Dieser Umstand rufe nach einer Beratung, so heißt es. Bei einer rezeptfreien Abgabe des Medikamentes fiele diese Beratung weg.

Im Zusammenhang mit der „Pille danach“ hatte die Geschichte einer 25-Jährigen aus Köln in den Medien in den letzten Tagen hohe Wogen geschlagen und zu scharfer, wie sich jetzt herausstellte, ungerechtfertigter Kritik an katholischen Krankenhäusern geführt:

Eine junge Frau war im Dezember mit K.O.-Tropfen betäubt und dann möglicherweise vergewaltigt worden. In einer Klinik wollte sie sich angeblich untersuchen lassen, um die Spuren der Tat für das Gericht sicherzustellen.

Doch in zwei katholischen Kliniken habe man sie mit der Begründung abgewiesen, bei einer solchen gynäkologischen Untersuchung müsse man auch ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft führen und die sogenannte „Pille danach" verschreiben. Das sei nach Lehre der katholischen Kirche verboten.

Selbst der Kölner Kardinal Meisner hatte sich eingeschaltet und sich für die Nicht-Aufnahme des eventuellen Vergewaltigungsopfers entschuldigt. Nach der neuesten Klarstellung des Kölner Klinikverbandes zeichnet sich allerdings ein anderes Bild:

Der Leiter der Unternehmenskommunikation der katholischen Krankenhäuser im Verbund der Hospitalvereinigung St. Marien GmbH Christoph Leiden hat gegenüber domradio.de klargestellt, dass sich entgegen des in den Medien vermittelten Eindrucks „die mutmaßlich vergewaltigte Frau nie bei einem Arzt aus dem St. Vinzenz-Hospital und Heilig Geist-Krankenhaus“ vorgestellt habe. Es sei „ausschließlich um eine telefonische Beratung zwischen der Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung, in deren verantwortlicher Behandlung sich die junge Frau bereits befand, und den diensthabenden Ärztinnen der beiden Krankenhäuser“ gegangen.

Im vorliegenden Fall habe sich „für beide Klinikärzte die Frage nach einer vollumfänglichen Weiterbehandlung“ gestellt. Da sich die Patientin bereits in ärztlicher Obhut befand und katholische Krankenhäuser keine Notfallkontrazeption ausstellen und ausgeben dürfen, empfahlen die beiden Krankenhausärztinnen unabhängig voneinander, alle Maßnahmen im Sinne der Patientin aus einer Hand z. B. im Krankenhaus Holweide oder in der Uniklinik durchzuführen.

„Wir bedauern es sehr, dass der falsche Eindruck entstanden ist, die beiden Kliniken würden sich einer Behandlung von Opfern sexueller Gewalt entziehen“, erklärt Stefan Dombert, Geschäftsführer der Hospitalvereinigung St. Marien GmbH.

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ habe nach domradio darüber hinaus in einem Bericht vom 19. Januar behauptet, durch das St. Franziskus-Hospital sei im April 2012 ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer abgewiesen worden. „Dieses Krankenhaus verfügt über gar keine Fachabteilung für Gynäkologie“, so Leiden, „weshalb der jungen Frau in diesem Fall eine fachgynäkologische Untersuchung durch die Universitätsklinik oder das St. Vinzenz-Hospital empfohlen wurde. Letzteres suchte sie anschließend auf und wurde dort im Rahmen der Abklärung einer Vergewaltigung stationär behandelt.“

Aus politischen, auch aus CDU-Kreisen, war als Folge dieser Falschdarstellungen in den Medien die Forderung gestellt worden, katholische Krankenhäuser „vom Netz zu nehmen.“

„Aus katholischer Sicht ist die Pille danach eine Form der Abtreibung, und die kann nicht unterstützt würden“, so Pfarrer Günter Hoebertz, Vorsitzender des Kuratoriums am Wilhelm-Anton-Hospital in Goch. Ein Arzt an einem katholischen Krankenhaus würde laut Hoebertz „ausdrücklich gegen eine Dienstanweisung verstoßen“, wenn er die Notfallverhütung verschriebe.

Aus aktuellem Anlass dokumentieren wir nochmals die Lehre der Kirche in der „Klarstellung zur vorsätzlichen Abtreibung“ aus dem Jahr 2009.

„Gewiss nimmt der Entschluss zur Abtreibung für die Mutter sehr oft einen dramatischen und schmerzlichen Charakter an, wenn die Entscheidung, sich der Frucht der Empfängnis zu entledigen, nicht aus rein egoistischen und Bequemlichkeitsgründen gefasst wurde, sondern weil manche wichtigen Güter, wie die eigene Gesundheit oder ein anständiges Lebensniveau für die anderen Mitglieder der Familie gewahrt werden sollten. Manchmal sind für das Ungeborene Existenzbedingungen zu befürchten, die den Gedanken aufkommen lassen, es wäre für dieses besser nicht geboren zu werden. Niemals jedoch können diese und ähnliche Gründe, mögen sie noch so ernst und dramatisch sein, die vorsätzliche Vernichtung eines unschuldigen Menschen rechtfertigen.“

Zur Verantwortung der Ärzte heißt es:„Ihr Beruf macht sie zu Hütern und Dienern des menschlichen Lebens. In dem heutigen kulturellen und sozialen Umfeld, in dem die Wissenschaft und die ärztliche Kunst Gefahr laufen, die ihnen eigene ethische Dimension zu verlieren, können sie bisweilen stark versucht sein, zu Urhebern der Manipulation des Lebens oder gar zu Todesvollstreckern zu werden. Angesichts dieser Versuchung ist ihre Verantwortung heute enorm gewachsen und findet ihre tiefste Inspiration und stärkste Stütze gerade in der dem Ärzteberuf innewohnenden, unumgänglichen ethischen Dimension, wie schon der alte und immer noch aktuelle hippokratische Eid erkannte, demgemäß von jedem Arzt verlangt wird, sich zur absoluten Achtung vor dem menschlichen Leben und seiner Heiligkeit zu verpflichten.“

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