Pius XII., der Mann, der Christ und der Papst - Kongress und Fotoausstellung im Vatikan

Das Lehramt des „Pastor Angelicus“ und das II. Vatikanische Konzil

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ROM, 17. Juni 2008 (ZENIT.org).- Im Ausblick auf den 50. Sterbetag Papst Pius XII. (9. Oktober 1958) organisiert das Päpstliche Komitee für Geschichtswissenschaften mehrere Veranstaltungen, die das Leben, Wirken und die Lehre eines der größten Päpste des 20. Jahrhunderts in vertiefender und neuer Form darstellen.



Während einer Pressekonferenz im vatikanischen Presseamt wurden heute zwei dieser Initiativen vorgestellt, deren Absicht es ist, auf internationaler Ebene einen Beitrag zur Kenntnis des Menschen Pius XII. und seiner Lehre zu leisten.

Die Päpstlichen Universitäten Gregoriana und Lateranense, die heute von den Rektoren P. Gianfranco Ghirlanda SJ und Bischof Rino Fisichella vertreten waren, hatten das Anliegen des Vatikans aufgenommen und sich bereit erklärt, einen Kongress über das Lehramt Pius XII. unter dem Aspekt seiner vorbereitenden Beziehung zum II. Vatikanische Konzil zu veranstalten. Der Kongress wird vom 6. bis 8. November in Rom stattfinden.

Gleichzeitig bemühte sich das Päpstliche Komitee für Geschichtswissenschaften um die Organisation und Ausrichtung einer Fotoausstellung, die in Rom vom 21. Oktober 2008 bis 6. Januar 2009 besucht werden kann („Braccio di Carlo Magno“ der Kolonnaden des Peterplatzes). Die Ausstellung steht unter dem Thema: „Pius XII., Mensch und Pontifikat“. Die Ausstellung präsentiert in chronologischer Weise die entscheidenden Schritte des Lebens Eugenio Pacellis, angefangen bei seiner Geburt über seine schulische und universitäre Ausbildung, seine Priesterweihe und sein Einsatz im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls bis hin zu den entscheidenden Momenten seines Pontifikats. Der Zweck der Ausstellung besteht in einer Dokumentation des Lebens Pius XII. auch durch bisher nicht öffentliche Fotografien und Gegenstände aus dem Leben des Papstes.

Nach Rom wird die Ausstellung zuerst nach München gehen, dem ersten Ort des Wirkens Eugenio Pacellis auf deutschem Boden als Apostolischer Nuntius, und anschließend nach Berlin, der ehemaligen Hauptstadt des Deutschen Reiches, deren Schicksal in besonderer Weise mit Pacelli verbunden ist. Der Katalog zur Fotoausstellung mit weiterführenden wissenschaftlichen Aufsätzen wird zu diesem Anlass auch in deutscher Sprache zur Verfügung stehen.

In seinen einführenden Worten erklärte der Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften Prälat Prof. Dr. Walter Brandmüller, dass die Absicht der Aktivität seines Komitees darin bestehe, die wahre Dimension des Petrusamtes Pius XII. in den Mittelpunkt zu stellen. Diese bestehe darin, „Oberster Hirte“ zu sein – in der Verkündigung der Wahrheit des Evangeliums und der geistlichen Führung der Kirche. Darin habe das Selbstverständnis Pius XII. bestanden.

Der Pontifikat des Pacelli-Papstes sei durch die Ausübung des kirchlichen Lehramtes charakterisiert gewesen. Dieses habe sich sowohl durch seine Bandbreite und thematische Aktualität ausgezeichnet als auch durch die Tiefe seines theologischen Denkens.

Prof. Giovanni Maria Vian, Direktor der vatikanischen Zeitung „L’Osservatore Romano“ und Mitglied des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, machte deutlich, dass die historischen Kenntnisse hinsichtlich der diplomatischen Tätigkeit Eugenio Pacellis sowie über das Wirken Pius XII. in der Zeit von 1939 bis 1947 sehr ausgedehnt seien. Die Dokumente des Geheimarchivs seien bis 1939 vollständig zugänglich, und die Dokumentation der Zeit von 1939 bis 1945 sei dank der Initiative Papst Pauls VI. in umfangreichem Maße analysierbar.

Paul VI. hatte bereits in den 60er-Jahren veranlasst, einen Großteil der Dokumente, die sich auf die Zeit des Pontifikats von Pius XII. beziehen, zu veröffentlichen. Der Papst reagierte damit auf die Verleumdungskampagne gegen Pius XII., die durch das Theaterstück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth hervorgerufen worden war.

Für Vian besteht das Problem darin, dass zum einen eine Archivarbeit notwendig ist, die zeitaufreibend ist. Zum anderen stellte der Historiker fest, dass allzu oft das Interesse an bereits veröffentlichtem Material niedrig sei und es vorgezogen werde, über unveröffentlichtes Material zu spekulieren.

Ziel des Kongresses im November jedoch sei es, wie P. Gianfranco Ghirlanda SJ erklärte, das Denken und Wirken des Papstes Pius XII. in seiner Lehre als Vorläufer des II. Vatikanischen Konzils zu analysieren. Es gehe um den Einfluss des Lehramtes des Papstes auf das Konzil und somit um die Aktualität der Lehre Pius XII.

Der Kongress werde sich auf die Hauptdokumente des Konzils konzentrieren und die Bedeutung des Einflusses des Lehramtes Pius XII. hervortreten lassen. Es gehe darum, die reichen Lehren Pius XII. mit den Thematiken des II. Vatikanischen Konzils zu vergleichen, um die Kontinuität der Lehre des Konzils mit der Lehre Pius XII. sichtbar werden zu lassen.

Bischof Fisichella, dessen Ernennung zum neuen Präsidenten der Päpstlichen Akademie für das Leben und Erhebung zum Erzbischof während der Pressekonferenz bekannt gegeben wurden, betonte die außerordentliche geistliche, intellektuelle und diplomatische Statur Eugenio Pacellis und Pius XII. Für Fisichella macht es die Größe dieses Papstes erforderlich, alle Aspekte seines Wirkens zu erhellen: die historischen, kirchlichen, lehrmäßigen und geistlichen.

Bischof Fisichella fasste die Elemente, die das Lehramt Pius XII. charakterisieren, in drei Punkten zusammen. Zunächst sei die Förderung der Lehre festzustellen. Fisichella erwähnte diesbezüglich das Dogma von 1950 über die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel („Munificentissimus Deus“, 1. November 1950), die Enzyklika Mystici Corporis (29. Juni 1943) über die Kirche sowie die Enzyklika Divino Afflante Spiritu (30. September 1943) über die Heilige Schrift.

An zweiter Stelle betonte der Rektor der Lateranuniversität die Verteidigung der Lehre und die Erkenntnis der Irrtümer. Zu erwähnen seien in diesem Zusammenhang die Enzyklika über die Liturgie und den Opferwert der Heiligen Messe Mediator Dei (20. November 1947), sowie die Enzyklika Humani generis (22. August 1950), die sich mit dem theologischen Relativismus befasste und aus heutiger Sicht in Bezug auf eine gewisse nachkonziliare Situation höchst weitblickend gewesen sei.

Zum dritten erwähnte Bischof Fisichella die Wortmeldungen des Papstes zu verschiedenen Themen und Anlässen, wenn es die Umstände erforderten und Pius XII. eine exakte Information über die Tatsachen zur Verfügung stand und deren Folgen ersichtlich wurden.

Die Gestaltung des Kongresses lässt für Fisichella erneut hervortreten, dass der Fortschritt in der Lehre der Kirche nicht über eine Diskontinuität erfolgt, sondern immer innerhalb einer erneuerten Kontinuität.