Pius XII. und die Massenmedien

Der Pastor Angelicus – Vorreiter des Medienzeitalters

| 1011 klicks

ROM, 19. September 2008 (ZENIT.org).- Heute scheint es selbstverständlich zu sein: Wohin sich der Papst auch begibt, folgen ihm die mehr oder minder wohl gesonnene Massenmedien. Der Papst ist eine „öffentliche Person“, die in ihren Tätigkeiten und Haltungen minutiös im Licht der Scheinwerfer steht. Oftmals sind gerade die Vertreter der Medien überfordert, ihre Arbeit in einer Weise zu tun, die sowohl der Gestalt des Papstes als auch seinem Wort gerecht wird. Wie dem auch sei: Die Aufmerksamkeit war und ist ungebrochen.



Es stellt sich die Frage: Wann hat dieses öffentliche Interesse seinen Anfang genommen? Die ersten Erinnerungen halten zweifellos bei den Bildern und der Abdeckung durch das Radio, dabei vor allem „Radio Vaticana“, des wichtigsten kirchlichen Ereignisses des 20. Jahrhunderts inne. Fernsehkameras und Journalisten aus aller Welt hatten das II. Vatikanische Konzil aufmerksam verfolgt. Der „Medienpapst“ schlechthin war dann bisher zweifellos Johannes Paul II., der es verstanden hatte, sich mit diesem neuen Instrument der Evangelisierung auseinanderzusetzen und es für die Zwecke der Kirche zu nutzen.

Der erste Medienpapst jedoch war der „Pastor angelicus“. Pius XII. hatte erkannt, dass die neue Ära der Information dem Papst eine neue Möglichkeit bietet, konkret und persönlich bei den seiner Hirtensorge anvertrauten Menschen zu sein. Nicht nur das: Pius XII. ist es zu verdanken, dass die Medien zum Amt des Nachfolgers des Petrus eine positive Beziehung aufnahmen – nicht zu letzt auch deshalb, weil die Kirche, Rom und der Papst vieles von dem geben konnten, was eine zunehmend wachsenden „Gesellschaft der Bilder“ forderte.

Unter Pius XII. füllt sich zum ersten Mal der Petersplatz mit einer bisher noch nie da gewesenen Schar von Menschen – die Medien konnten davon nicht absehen. Die Begegnungen Pius XII. mit „seinem“ Volk – zunächst dem Volk Roms und dann der ganzen Welt – stehen im Verhältnis gesehen in nichts den künftigen Großereignissen nach, an die die Welt sich mittlerweile gewöhnt hat. Heute ist es möglich, sich von der Vielfalt der Präsenz des Papstes auch persönlich einen Eindruck zu verschaffen. Internetsites wie youtube.com geben die Möglichkeit, wichtiges Filmmaterial zu sichten.

Dem Phänomen „Pius XII. und die Massenmedien“ widmet sich der italienische Kommunikationswissenschaftler Umberto Tarsitano in seinem jüngsten Buch, dem ein Vorwort von Giulio Andreotti vorangestellt ist.

In einem Gespräch mit ZENIT erläuterte Tarsitano, dass die Beziehung Pius XII. zu den Medien eine Konstante seines Lebens gewesen sei. Bereits sein Vater habe zu den Gründern der vatikanischen Zeitung „L’Osservatore Romano“ gehört, so dass man in der Familie Pacelli immer schon eine Medienatmosphäre geatmet hätte.

Tarsitano erinnert daran, dass in seiner Zeit als Staatssekretär Papst Pius XI. „Radio Vaticana“ entstanden ist und Kardinal Pacelli mehrmals mit Journalisten zusammengekommen sei.

Pius XII. habe sich in seinen Schriften oft mit Radio, Kino und Fernsehen auseinandergesetzt. Der Papst habe die Erlaubnis zum Film Pastor Angelicus gegeben, durch den das Innenleben des Vatikans für die Welt sichtbar wurde, und sich mehrmals mit der Beziehung der Massen zu den Instrumenten der Kommunikation auseinandergesetzt.

Gegen Ende seines Pontifikats habe er die Enzyklika Miranda prorsus verfasst, die die Synthese der Lehre der Kirche zur Kommunikation darstelle. So hielt Pius XII. z.B. bereits im Jahr 1957 fest:

„Wir haben die wachsende Verwendung dieser Erfindung, die zweifellos für die Geschichte der Menschheit ein Ereignis von gewichtiger Bedeutung ist, mit Aufmerksamkeit, lebhafter Hoffnung und großer Sorge verfolgt; Wir haben von Anfang an ihre segenvolle Macht und ihre neuen Verwendungsmöglichkeiten hervorgehoben, aber auch die Gefahren sowie den unbeherrschten Missbrauch vorausgesehen und auf sie hingewiesen. Das Fernsehen hat vieles mit dem Film gemeinsam, da seine Darbietungen ja das tätige und bewegte Leben vorführen; nicht selten stellt ihm darum der Film den Stoff zur Verfügung. Außerdem teilt es in gewissem Maß Wesen und Wirksamkeit des Rundfunks, da es ja den Menschen, mehr als im Theater, in seinem eigenen Heim anspricht. Es scheint uns überflüssig, hier unsere Mahnungen zu wiederholen, die wir hinsichtlich der Lichtspiele und der Rundfunksendungen bereits ausgesprochen haben über die Pflichten, die dabei die Zuschauer, die Hörer, die Sendeleiter und die öffentlichen Behörden binden. Auch brauchen wir nicht noch einmal die Sorgfalt zu erwähnen, die für die ordentliche Vorbereitung und Förderung der verschiedenen religiösen Sendungen notwendig ist.“

Wie wichtig das Interesse Pius XII. für das Fernsehen war, ergibt aus den Zahlen der Geschichte dieses neuen Mediums in Deutschland. Am 25. Dezember 1952 begann das Deutsche Fernsehen für 300 Zuschauer. Schon 1955 war die Zahl auf 100.000 gestiegen. 1959 kam es zum Durchbruch des Fernsehens mit 2.000.000 Zuschauern, die im Jahr 1960 auf 4.000.000 gestiegen waren.

Tarsitano betont, dass die positive Haltung der Kirche gegenüber den Massenmedien Pius XII. zu verdanken sei. Pius XII. habe die Wege des Neuen vorgezeichnet, zu dem dann das II. Vatikanische Konzil hinsichtlich der Kommunikation führte.

Für Pius XII. ist die Kommunikation „der wertvollste der sozialen Dienste“. Damit prägt der Papst bereits im Jahr 1955 den Begriff, der dann vom Konzil zu Definition der Medien als Mittel der sozialen Kommunikation angewandt wird.

Tarsitano verweist auf die Notwendigkeit, das Verhältnis zwischen Pius XII. und Johannes Paul II. hinsichtlich ihrer Medienwirksamkeit zu vertiefen, insofern Pius XII. der Papst der Bildungsjahre des künftigen Johannes Pauls II. ist.

Papst Pius XII. habe versucht, durch seine Präsenz in den Medien eine starke Botschaft zu vermitteln, dies in einer der schwierigsten Zeiten der 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig habe er das Recht der Kirche behauptet, eine Rolle bei der Bildung der öffentlichen Meinung zu spielen.

Von Armin Schwibach