Pius XII. war ein mutiger Papst, der viele Juden rettete

Symposion der Stiftung „Pave the Way“

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ROM, 18. September 2008 (ZENIT.org).- In dieser Woche fand in Rom eine Tagung über die Rolle statt, die Papst Pius XII. bei der Verteidigung und Rettung vor dem sicheren Tod von Tausenden von Juden einnahm. Die Tagung wurde von der jüdischen Stiftung „Pave the Way“ organisiert. Die Tagungsteilnehmer wurden heute von Papst Benedikt XVI. in Audienz empfangen.



„Pave the Way“ („Den Weg ebnen“) ist eine unabhängige Stiftung, die sich dafür einsetzt, den unbotmäßigen Missbrauch der Religion zur privaten Zwecken zu eliminieren und die Hindernisse für den Dialog unter den Religionen zu identifizieren.

Der Präsident der Stiftung Garry L. Krupp hatte im Vorfeld der Tagung erklärt, dass er in der Meinung aufgewachsen sei, dass Pius XII. ein Kollaborateur der Nationalsozialisten und ein antisemitischer Papst gewesen sei. Er sei schockiert gewesen, als er durch Dokumentationen und aus dem Mund von Überlebenden erfahren hatte, dass die Wirklichkeit völlig anders war.

Die Gestalt des Pacelli-Papstes sei eines der kontroversesten und schwierigsten Themen innerhalb der Beziehungen zwischen Juden und Katholiken, so Krupp. Gerade aus diesem Grund habe die Stiftung ein Projekt finanziert, innerhalb dessen Dokumente gesammelt und die Erzählungen von Zeitzeugen gefilmt werden.

Am Kongress in Rom nahmen viele Gelehrte aus den Vereinigten Staaten teil. Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass eine jüdische Organisation ihre Stimme gegen die „schwarze Legende“ über den „Papst Hitlers“ und „Antisemiten Pius XII.“ erhob.

Während der Tagung wurde eine Dokumentensammlung vorgestellt, aus der allein klar eine andere Situation hervorgeht als die, die gemeinhin über den „Papst des Schweigens“ ins öffentliche Bewusstsein getreten ist.

In seiner Ansprache während der Audienz für die jüdische Stiftung würdigte Papst Benedikt XVI. die Anstrengungen der Stiftung um die Gestalt und das unermüdliche pastorale und humanitäre Wirken Pius XII., des „Pastor Angelicus“. Der Papst erinnerte daran, dass fast fünfzig Jahre vergangen sind, seit Pius XII. am 9. Oktober 1958 in Castel Gandolfo verschied. Dieser Jahrestag bilde eine wichtige Gelegenheit, um die Kenntnis, Lehre und Analyse seines Wirkens zu vertiefen.

Wenn man sich vorurteilslos der edlen Gestalt dieses Papstes nähere, so der Heilige Vater, so beeindrucke jenseits seines hohen menschlichen und geistlichen Profils die Beispielhaftigkeit seines Lebens sowie der außerordentliche Reichtum seiner Lehre. Es werde so die menschliche Weisheit und das pastorale Streben geschätzt, „die ihn während seines langen Dienstes und insbesondere bei der Organisation der Hilfeleistungen für das jüdische Volk geleitet haben“.

Dank des gesammelten Materials biete das Symposion der öffentlichen Meinung die Möglichkeit, das, was Pius XII. zugunsten der vom nationalsozialistischen und faschistischen Regime verfolgten Juden gefördert und erfüllt hatte, besser zu kennen

Benedikt XVI. betonte, dass es auf diese Weise möglich sei zu erfahren, dass er, wo auch immer möglich, nicht an Kräften gespart habe, „um direkt oder durch Einzelnen oder Institutionen der Kirche erteilte Weisungen zu ihren Gunsten einzugreifen“.

Die Arbeiten des Kongresses hätten auch nicht wenige Eingriffe zu Tage gebracht, die im Geheimen und Stillen veranlasst wurden, wobei den konkreten Situation innerhalb dieses komplexen historischen Moment Rechnung getragen worden sei: „Nur auf diese Weise war es möglich, das Schlimmste zu vermeiden und die größtmögliche Zahl von Juden zu retten.“

„Diese seine mutige und väterliche Hingabe ist während und nach dem schrecklichen Weltkrieg von jüdischen Gemeinschaften und Persönlichkeiten anerkannt und wertgeschätzt worden“, so Benedikt XVI. Der Heilige Vater erinnerte an die Begegnung, die Pius XII. am 29. November 1945 mit den 80 Abgesandten aus den deutschen Konzentrationslagern hatte, die in einer Sonderaudienz persönlich für die Großherzigkeit des Papstes danken wollten.

Zum Schluss seiner Ansprache würdigte der Heilige Vater die Tätigkeit der Stiftung zur Förderung der Beziehungen und des Dialogs unter den verschiedenen Religionen. Benedikt XVI. brachte den Wunsch zum Ausdruck, dass der 50. Todestag Papst Pius XII. eine Gelegenheit bieten möge, vertiefte Studien zu den verschiedenen Aspekten seiner Person und seines Handelns zu fördern, um gemeinsam zu einer Kenntnis der historischen Wahrheit zu gelangen und jedes verbliebene Vorurteil zu überwinden.