Plagiat oder Original?

Filmrezension: Dieb der Worte

Berlin, (ZENIT.orgtextezumfilm) Dr. José García | 481 klicks

„Der Dieb der Worte“ (The Words) beginnt mit einer Autorenlesung vor einem überfüllten großen Theatersaal. Erfolgsautor Clay Hammond (Dennis Quaid) liest aus einem Beststeller, der von Möchtegern-Schriftsteller Rory Jansen (Bradley Cooper) handelt. Rory hatte zwar bereits einen Roman geschrieben, den jedoch kein Verlag veröffentlichen wollte. Bei der Hochzeitsreise in Paris drängt ihn seine Frau Dora (Zoe Saldana) dazu, in einem Antiquariat eine alte Aktentasche zu kaufen. Darin befindet sich das Manuskript des Romans, den Rory am liebsten geschrieben hätte. Der Schriftsteller entschließt sich dazu, den Text aus den vergilbten Seiten einfach in seinen Computer abzutippen. Dora, die den Text zufällig entdeckt, ermutigt ihren Mann, ihn an den Verlag zu verschicken. Rory gibt den Roman als sein eigenes Manuskript an und landet damit einen großen Erfolg. Die literarische Welt liegt ihm zu Füßen. Nach einer Preisverleihung taucht ein alter Mann (Jeremy Irons) auf, der sich als den Autor des Manuskripts ausgibt. Als Beweis erzählt der alte Mann dem vermeintlichen Autor von seinen Jugendjahren in Paris und von einer Geschichte, die sich in dem Manuskript wiederfindet.

Die Handlung von „Der Dieb der Worte“ erinnert verdächtig an „Lila, Lila“ (siehe Filmarchiv), Alain Gsponers Verfilmung des gleichnamigen Romans von Martin Suter. Das Drehbuchautoren- und Regieduo Brian Klugman und Lee Sternthal haben lediglich in der Rahmenhandlung mit der Autorenlesung von Clay Hammond eine dritte Ebene hinzugefügt. Außerdem gerät die Rückblende mit der vierziger-Jahre-Geschichte in ausgeblichenen Farben einfach zu lang. Gelingt die Verknüpfung der Autorenlesung mit Rorys Geschichte ziemlich gut, so droht die dritte Ebene, die darüber hinaus haarscharf am Kitsch vorbeischrammende Pariser Liebesgeschichte die eigentliche zentrale Handlung um Rory Jansen und seine Frau Dora in den Hintergrund zu drücken. Dennoch: Dank insbesondere der eindrucksvollen schauspielerischen Leistung von Zoe Saldana steht im Mittelpunkt von „Der Dieb der Worte“ die Frage nach dem mit dem Plagiat zusammenhängenden Betrug. Denn Dora erfasst das Verhalten ihres Mannes als Vertrauensbruch auf, was die ohnehin nicht konfliktarme Ehe zusätzlich belastet. Das Spiel mit den verschachtelten fiktionalen Ebenen, das auch die Frage aufwirft, in welchem Verhältnis der eingangs erwähnte Erfolgsautor Clay Hammond zum Sujet seines Romans steht, wirkt jedoch konstruiert und überfrachtet. Angesichts der angesprochenen Ähnlichkeit mit Martin Suters Roman „Lila, Lila“ und dessen Verfilmung kann bei „Der Dieb der Worte“ von Originalität kaum die Rede sein.