Political correctness oder mehr?

Impuls zum 7. Sonntag im Jahreskreis

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 17. Feburar 2012 (ZENIT.org). – „Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh umher?“

Die Begebenheit von dem Gelähmten, den Jesus heilt, wird uns vom Evangelisten Markus berichtet. Wieder ist Jesus von einem Schwarm von Pharisäern und Schriftgelehrten umgeben, die höllisch aufpassen, ob er etwas gegen das Gesetz tut oder sagt. Schon glauben sie ihn gepackt zu haben, als er zu dem Gelähmten sagt: Deine Sünden sind dir vergeben. Denn sie sagen mit Recht, Sünden vergeben kann doch nur Gott, was bildet er sich ein? Aber als Jesus dann den unheilbar Gelähmten von seinem physischen Leiden befreit, wird ihnen bewusst, welche Macht dieser Mann haben muss.

Die Vollmacht, Sünden zu vergeben, hat Jesus, der Sohn Gottes, den Priestern übertragen, so dass die Sündenvergebung nicht mehr an ein außerordentlich machtvolles Auftreten gebunden ist. Dennoch ist sie im Grunde nicht weniger spektakulär, denn der unsichtbare Vorgang der Sündenvergebung ist mindestens genauso bedeutend der der Krankenheilung.

Das will Jesus andeuten mit der Frage: was ist leichter? Scheinbar ist es leichter, die Sünden des Gelähmten (die wir nicht kennen) zu vergeben – eigentlich nur ein Wort, niemand sieht einen Unterschied zu vorher – während die plötzliche körperliche Heilung enormes Aufsehen erregt.

Fazit: in jeder Beichte geschieht unsichtbar etwas, das einer großen Krankenheilung gleichkommt.

Noch ein weiteres scheint diese Begebenheit  aussagen zu wollen.

Der Gelähmte und seine Freunde ergreifen ungewöhnliche Maßnahmen, um den Kranken zu Jesus zu bringen. Wegen der Menschenmenge kommen sie nicht durch, daher lassen sie ihn von oben durch die aufgeschlagene Decke zu Jesus herab.

Ordentlich veranlagte Menschen würden einwenden, dass es nicht korrekt ist, in einer fremden Wohnung einen Schaden anzurichten, auch wenn es in guter Absicht geschieht. Aber hier sehen wir die Einstellung Jesu, der sich immer wieder beeindrucken lässt, wenn die Menschen einen starken Glauben haben. Nicht dass wir fremdes Eigentum beschädigen dürfen, solange wir nur eine gute Absicht haben – das wäre nicht die richtige Konsequenz. Wohl aber sollen wir dem Glauben an Christus einen so wichtigen Platz einräumen, dass alles andere dagegen zurücktritt.

Genau das will der Herr uns immer wieder klar machen. Die Notwendigkeiten des äußeren Lebens haben ihren Stellenwert, aber das, was mit Gott zu tun hat, geht unbedingt vor.

Ist das nicht auch die Schwachstelle in unserer heutigen Gesellschaft? Dinge, die mit Gott zu tun haben, spielen in der Öffentlichkeit keine Rolle – auch nicht indirekt, wie es der Trennung von Kirche und Staat entsprechen würde. Daher kommt es wohl, dass die moralischen Maßstäbe oft so verschoben sind.

Der Heilige Vater hat in seiner Rede im Bundestag darauf hingewiesen, dass das positive Recht, also die von Menschen ohne Rückbindung an „ewige Werte“ gemachten Gesetze, oft nicht passen. So erklärt es sich, dass z.B. ein Gesetz des Niedersächsischen Landtags bezüglich Vorteilsnahme eine führende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in einer relativ belanglosen Straftat zu Fall bringt, während wirklich schwerwiegende Verbrechen wie die Tötung Ungeborener und ähnlicher Delikte gegen das Leben nicht nur vom Staat nicht geahndet werden, sondern durch öffentliche Finanzierung sogar noch unterstützt werden.

Oft hat man den Eindruck, dass die Medien, die sog. veröffentlichte Meinung, sich berufen fühlt, den Menschen klarmachen will, was gut ist und was böse.

In einer solchen geistigen Verwirrung ist es oft schwer, den klaren Blick zu bewahren. Den Ausweg zeigt uns – heute genauso wie damals – unser Herr Jesus Christus. In den Augen der Menschen – heute genauso wie damals – ist er der scheinbar machtlose Menschenfreund. In Wirklichkeit hat er nicht nur die Autorität, die sittlichen Maßstäbe zu setzen, sondern darüber hinaus auch noch durch Vergebung die Verstöße dagegen zu überwinden.

Diese Wirklichkeit aber zu sehen, erfordert Glauben. Einen Glauben, der uns erkennen lässt, dass es mit „political correctness“ nicht getan ist.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.