Politische Weltautorität für ein effizienztes Krisenmanagement

Wirtschaftswissenschaftler Stefano Zamagni bei der Vorstellung von „Caritas in veritate"

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ROM, 7. Juli 2009 (ZENIT.org).- Wirtschaftswissenschaftler Stefano Zamagni (Bologna) wies heute, Dienstag, während der Vorstellung der Enzyklika Caritas in veritate im Vatikan darauf hin, wie wichtig es sei, die Organisation der Vereinten Nationen zu „ergänzen".

Als Ausgangspunkt seiner Erörterungen diente Zamagni die folgende Überlegung Benedikts XVI.: „Gegenüber der unaufhaltsamen Zunahme weltweiter gegenseitiger Abhängigkeit wird gerade auch bei einer ebenso weltweit anzutreffenden Rezession stark die Dringlichkeit einer Reform sowohl der Organisation der Vereinten Nationen als auch der internationalen Wirtschafts- und Finanzgestaltung empfunden, damit dem Konzept einer Familie der Nationen reale und konkrete Form gegeben werden kann. Desgleichen wird es als dringlich gesehen, innovative Formen zu finden, um das Prinzip der Schutzverantwortung anzuwenden und um auch den ärmeren Nationen eine wirksame Stimme in den gemeinschaftlichen Entscheidungen zuzuerkennen.



Dies scheint gerade im Hinblick auf eine politische, rechtliche und wirtschaftliche Ordnung notwendig, die die internationale Zusammenarbeit auf die solidarische Entwicklung aller Völker hin fördert und ausrichtet. Um die Weltwirtschaft zu steuern, die von der Krise betroffenen Wirtschaften zu sanieren, einer Verschlimmerung der Krise und sich daraus ergebenden Ungleichgewichten vorzubeugen, um eine geeignete vollständige Abrüstung zu verwirklichen, die Sicherheit und den Frieden zu nähren, den Umweltschutz zu gewährleisten und die Migrationsströme zu regulieren, ist das Vorhandensein einer echten politischen Weltautorität, wie sie schon von meinem Vorgänger, dem seligen Papst Johannes XXIII., angesprochen wurde, dringend nötig" (Caritas in veritate, 67).

Zamagni, der als Berater an der Verfassung der Enzyklika maßgebend beteiligt war, äußerte den Wunsch nach einer zweiten Versammlung aus, in der die Vertreter der verschiedenen Bereiche der transnationalen Zivilgesellschaft ihren Sitz haben sollten. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung eines „sozioökonomischen Sicherheitsrates" der UNO.

Darüber hinaus sollten nach dem Vorbild der Welthandelsorganisation eine Weltorganisation für die Migration und eine Weltorganisation für die Umwelt eingerichtet werden. Der Wissenschaftler merkte zudem an, dass auf den Weltwährungsfond eingewirkt werden müsse, um die Frage nach einer globalen Währung anzugehen und die Reform der globalen Geldreserven zu verwirklichen. Dies seien erste Maßnahmen, um zu einer politischen „Global Governance" zu kommen, einer globalen Ordnungs- und Strukturpolitik, die auf den beiden Prinzipien Subsidiarität und Solidarität basiere.

Zamagni machte die Anwesenden auf die Bedeutung der in der Enzyklika formulierten Einladung aufmerksam, die obsolet gewordene Dichotomie zwischen der wirtschaftlichen und der sozialen Sphäre zu überwinden. Das „Originelle" der Enzyklika sieht der Wissenschaftler darin, dass Unternehmensformen groß geschrieben werden, die unter dem Gesichtspunkt der sozialen Nützlichkeit operierten.

Benedikt XVI. erinnere in der Enzyklika daran, dass eine gute Gesellschaft eine Frucht des Marktes und der Freiheit sei, dass es aber bestimmte Erfordernisse gebe, die auf das Prinzip der Brüderlichkeit zurückzuführen seien. Diesen Erfordernissen dürfe nicht ausgewichen werden.

Für den Wirtschaftswissenschaftler ist eine Gesellschaft ohne diese Prinzipien nicht zukunftsfähig. Und würden sie beherzigt, ergäbe sich einen neue Sichtweise des Zusammenhangs von Wirtschaftswachstum und Wohlfahrtsprogrammen. Die Ausgaben für den Wohlfahrtsstaat seien dann eine „soziale Investition", da dadurch wirtschaftliche Entwicklung zustande komme.

Unter Bezugnahme auf die strukturellen Faktoren der aktuellen Weltwirtschaftskrise betonte Zamagni die grundlegende Bedeutung von „Global Governance", fügte aber auch hinzu, dass es sich dabei nicht um eine Art „Superstaat" handeln dürfe.