Pompeo Batoni und das Heilige Herz

Das berühmte Gemälde des toskanischen Künstlers in der Kirche Il Gesù in Rom

Rom, (ZENIT.org) Schw. Agnese Scavetta, MDR | 344 klicks

Pompeo Batoni (1708-1787) ist der Autor der berühmtesten Darstellung des Heiligen Herzens Jesu. Im Jahre 1708 erblickte er in Lucca als Kind eines tüchtigen Goldschmieds das Licht der Welt. Der Vater wird später das traditionelle Familienhandwerk auf seinen Sohn übertragen. Der junge Batoni zeichnete sich bald durch sein Talent in der Gestaltung und Ziselierung kostbarer Metalle aus. Mit 19 Jahren verließ Pompeo jedoch die Werkstatt seines Vaters, um zum Studium der Malerei nach Rom zu gehen. In der ewigen Stadt war der junge Künstler fasziniert von den Skulpturen der Antike im Vatikan und den Fresken Raffaels und Annibale Caraccis. Bald wurde er berühmt für sein Geschick in der Anfertigung von Kopien klassischer Skulpturen.

Die von Batoni in seinem Atelier in der Via Bocca di Leone 25 (Piazza di Spagna) angefertigten Porträts erfreuten sich großer Beliebtheit. Die Lieferungen des Künstlers erfolgten jedoch immer sehr spät, da er das Kolosseum oder antike Ruinen, die den Hintergrund der Porträts seiner Auftraggeber bildeten, äußerst präzise gestaltete. Die Merkmale seiner Porträts waren ein ausgefallener Haarschmuck, die beherrschte Zusammensetzung und vor allem der Blick auf die psychische Verfasstheit des Protagonisten sowie der zarte Teint. Zu den Subjekten von Batonis Darstellungen zählten der österreichische Kaiser Joseph II. und Papst Pius VI.

Im Jahre 1760 führte Batoni einen Kupferstich des Heiligen Herzens Jesu aus. Das Werk gelangte in eine Kapelle der beeindruckenden Kirche Il Gesù in Rom und entwickelte sich zum offiziellen Bild für die Volksanbetung des Heiligen Herzens Jesu.

Als Inspirationsquelle für die Anfertigung des Kupferstichs dienten dem Künstler die Visionen der heiligen französischen Ordensfrau Margherita Maria Alacoque (1647-1690). Die erste Erscheinung ereignete sich im Jahre 1673 im Kloster von Paray-Le-Monial am Festtag des Evangelisten Johannes. Die Heilige befand sich zu diesem Zeitpunkt vor dem Allerheiligsten und schilderte die Begebenheit folgendermaßen: „Das göttliche Herz offenbarte sich mir gleichsam in einem Thron von Flammen, strahlender als die Sonne, klarer als ein Kristall und mit einer anbetungswürdigen Wunde. Es war umschlossen von einer Dornenkrone und überragt von einem Kreuz."

Batoni stellte Christus als einen schönen, mit einer roten Tunika (die Farbe des Blutes, des Martyriums und der Menschheit) und einem blauen Mantel bekleideten Jüngling dar, dessen Haar in Locken auf die Schultern herabfällt. Sein Gesicht wird umrahmt von einem schmalen Bart, und seine rechte Hand zeigt auf das von den Flammen erstrahlte, von Dornen gekrönte und von einem Kreuz überragte Herz.

Die hl. Margherita Maria setzt ihre Erzählung mit von Jesus an sie gerichteten Worten fort: „Mein göttliches Herz ist erfüllt von leidenschaftlicher Liebe zu den Menschen und besonders zu dir. Es konnte die Flammen seiner brennenden Liebe nicht mehr in sich behalten und spürt das Verlangen, sie durch dich zu verbreiten und sich den Menschen zu offenbaren, um sie mit kostbaren Schätzen zu bereichern […] Für die Vollendung meines Plans habe ich dich auserwählt, Abgrund der Unwürdigkeit und der Unwissenheit, damit klar hervorgeht, dass sich alles durch mich erfüllt.“ Jesus bittet Margherita Maria, ihr Haupt an seine Brust zu legen und ihm ihr kleines Herz zu schenken. Er nimmt es an sich, versenkt es in den Brennofen seines göttlichen Herzens und gibt es der Heiligen von Liebe entzündet zurück.

Das Geschick des Künstlers zeigt sich dem durchdringenden Blick Christi, dessen rechte Hand den Betrachter dazu einlädt, sein Haupt an die Brust Jesu zu legen, wie es der Apostel Johannes und die hl. Margherita Maria getan haben. Die Ordensfrau schenkt sogleich ihr Herz, damit es von der Leidenschaft Gottes für die Menschheit angesteckt werde.

Beim Anblick des Bildes und einer Betrachtung der Tatsache, dass Jesus das Herz von Margherita Maria nimmt, in seinem versenkt und es ihr entzündet zurückgibt, drängt sich folgende Frage auf: Wessen Herz hält Jesus dem Betrachter hin? Ist es das Herz Jesu oder das seinem Herzen ähnlich gewordene Herz der Heiligen?

Die Antwort darauf liegt in dem von der kirchlichen Tradition empfohlenen Gebet für den Monat Juni enthalten, der dem Heiligen Herz Jesu geweiht ist. Es handelt sich dabei um ein kurzes Stoßgebet, das gewiss Früchte tragen wird, wenn es beharrlich und im Glauben rezitiert wird: „Jesus, mildes und demütiges Herz, mache mein Herz deinem ähnlich!“.

Schwester Agnese Scavetta ist Mitglied der Kongregation der Missionarinnen von der Göttlichen Offenbarung (MDR oder Missionarie della Divina Rivelazione)