Pontifikalrequiem für Leo Kardinal Scheffczyk, der sein Leben in den Dienst der göttlichen Wahrheit stellte

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MÜNCHEN, 13. Dezember 2005 (ZENIT.org).- Friedrich Kardinal Wetter, Erzbischof von München und Freising, wird am Mittwoch, dem 14. Dezember, um 10.30 Uhr im Münchner Liebfrauendom ein Pontifikalrequiem für den am 8. Dezember verstorbenen Theologen Leo Kardinal Scheffczyk feiern. Bereits am heutigen Dienstagvormittag wurde dessen Sarg in den Dom gebracht und dort aufgebahrt. Mitglieder der geistlichen Familie \"Das Werk\" – ihr gehörte der im Alter von 85 Jahren verstorbene Kardinal an – hielten den ganzen Tag über eine Gebetswache, die um 18.30 Uhr in den Sterberosenkranz für den Toten mündete.



Am Donnerstag wird Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, der wie der Verstorbene aus Schlesien stammt, um 11.00 Uhr ein Pontifikalrequiem in der Pfarrkirche St. Gallus in Bregenz, Vorarlberg, halten. Anschließend wird auf dem Friedhof der geistlichen Familie \"Das Werk\" im Bregenzer Kloster Thalbach die Beerdigung vorgenommen werden.

Papst Benedikt XVI., der \"mit tiefer Trauer und innerer Rührung\" vom Heimgang des geschätzten Kardinals am Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens Kenntnis erhalten hatte, würdigte in einem Beileidstelegramm das \"reiche priesterliche und wissenschaftliche Leben und Wirken\" seines verstorbenen Mitbruders. Mit unermüdlichem Eifer habe sich der am 21. Februar 1920 in Beuthen (Erzdiözese Breslau) geborene Priester \"der theologischen Durchdringung und Verkündigung der göttlichen Wahrheit\" gewidmet. \"In seiner Glaubenstreue sowie in seiner menschlichen Güte und Bescheidenheit bleibt er seinen Schülern und vielen Gläubigen ein leuchtendes Vorbild.\"

Einige Schüler dieses Theologen, der bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1985 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München als Nachfolger des berühmten Michael Schmaus Professor für Dogmatik war, verfassten einen Nachruf, der vor kurzem veröffentlicht wurde. Darin heißt es:

\"Die Organisatoren und Teilnehmer Schüler der Theologischen Sommerakademie in Dießen schätzen die Lebensleistung des Priesters und Professors und sind dankbar für die vielen Vorträge und Predigten, die er in Dießen und beim Initativkreis katholischer Laien und Priester in der Diözese Augsburg gehalten hat.

Für seine engagierte wissenschaftliche Leistung und sein klares Zeugnis für den Glauben der Kirche wurde er von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2001 mit der Kardinalswürde geehrt. Kardinal Scheffczyk prägte über ein halbes Jahrhundert die Theologie der Kirche, die Theologiestudenten und Priester. Seinem Wahlspruch gemäß, \'Den unerforschlichen Reichtum Christi verkündigen\', wird er durch seine Bücher und Veröffentlichungen auch weit ins zweite Jahrtausend hineinwirken.

In seiner Predigt zum heiligen Josef im Jahr 2004 in Dießen sprach er von der \'demütigen Verfügbarkeit des Heiligen\', vom \'Hüter und Beschützer des zentralen Glaubensgeheimnisses\' und vom \'Diener am Heilsgeheimnis\'. Diese Gedanken hat Kardinal Scheffczyk ins persönliche Leben integriert und sichtbar dafür Zeugnis abgelegt. Unermüdlich war er in seiner Arbeit und begleitete bis zuletzt mit seinem klaren analytischen Denken die Entwicklungen in Kirche und Welt nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Seine Liebe zur Muttergottes blieb unerschütterlich. Dass Gott Kardinal Leo Scheffczyk am Fest der Unbefleckten Empfängnis zu sich gerufen hat, ist ein unübersehbares Zeichen der Gnade Gottes.\"

Leo Kardinal Scheffczyk verfasste mehr als 80 Bücher und Einzelzeitschriften, über 500 Abhandlungen und Aufsätze, rund 400 wissenschaftliche Rezensionen und zahlreiche Lexikon-Artikel. Herausragende Titel sind \"Dogma der Kirche – heute noch verstehbar?\", \"Maria, Leitbild der Christen\", \"Maria, Mutter und Gefährtin Christi\", \"Katholische Glaubenswelt\" und \"Christus Gottessohn\". In dem Buch \"Entschiedener Glaube – befreiende Wahrheit\" ist ein ausführliches Gespräch mit ihm \"über das Katholische und die Kirche\" dokumentiert.