Portugals Premier bittet Johannes Paul II. um ein Dokument über Globalisierung

Antonio Guterres eröffnet den 4. Kongress "Katholiken und öffentliches Leben"

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MADRID, 18. November 2002 (ZENIT.org).- Der ehemalige portugiesische Premierminister Antonio Guterres ist der Meinung, der Papst solle ein offizielles Dokument über die durch die Globalisierung erfolgenden schnellen Veränderungen in der Gesellschaft verfassen und es aus der Sichtweise der kirchlichen Soziallehre darlegen.



Guterres ist praktizierender Katholik und Sozialist. Diesen Vorschlag äußerte er auf dem 4. Kongress über Katholiken und öffentliches Leben an der San Pablo-CEU Universität in Madrid am vergangenen Wochenende.

In seinem Vortrag über Bedeutung und Aktualität der kirchlichen Soziallehre bekräftigte er, dass es dieser nicht an Aussagekraft und Aktualität fehle, doch schlug er in diesem Rahmen die Abfassung eines neuen päpstlichen Dokuments über dieses Thema vor.

Hinsichtlich der Anwendung der kirchlichen Soziallehre heute im Bezug auf soziale Gerechtigkeit und Solidarität plädierte Guterres für Schuldenerlass für die armen Länder, für eine einseitige Öffnung der Märkte der entwickelten Länder gegenüber denen der unterentwickelten, für eine Reform der EU-Agrarsubventionen, welche er als "moralisch unannehmbar und finanziell nicht durchführbar" bezeichnete.

Über den schwarzen Kontinent sagte er: "Afrika stellt die größte kollektive Verantwortung der Menschheit und den besten Beweis deren kollektiver Sünde dar".

Hinsichtlich der Globalisierung sagte er, sie sei eine "irreversible Tatsache, welche enorme Möglichkeiten, aber auch enorme Probleme mit sich birgt, weil sie ein Faktor der sich ausbreitenden Ungerechtigkeit auch in den modernen Gesellschaften ist".

Ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt von weniger als einem Dollar pro Tag und die Unterschiede zwischen Armen und Reichen werden rasch immer größer. Problematisch sei daher das Fehlen von Regeln für die Globalisierung, die in einigen Fällen "wild um sich greift".

Der Kongress "Katholiken und öffentliches Leben" ging am Sonntag zuende. Man hat hier versucht, die Handlungsweise der Katholiken im sozialen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich im Lichte der aktuellen Prinzipien der kirchlichen Soziallehre zu analysieren, zu fördern und zu kanalisieren.

Teilgenommen haben daran unter anderem auch bedeutende Politiker, Unternehmer, Intellektuelle, und Gewerkschafter sowie Katholiken aus Europa und Lateinamerika.