Position der Kirche zu Kondomen unter Beschuss

Anzeigen sagen das eine, aber die Tatsachen sprechen eine ganz andere Sprache

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Washington, D.C., den 9. März 2002 (ZENIT.org).- Die Organisation ‚Katholiken für eine freie Wahl‘ (Catholics for a Free Choice) führt seit November eine internationale Anzeigenkampagne, in der sie die Kirche wegen ihrer Position zu Kondomen kritisiert. Trotz ihres “katholischen" Namens hat die kleine Lobbyistengruppe nichts mit der Kirche zu tun, betonten die Bischöfe der USA in einer im Mai 2000 abgegebenen Erklärung. Aber die Gruppe habe ganz viel mit den Pro-Abtreibungsorganisationen zu tun, von denen sie finanziert werde.



Die Anzeigenkampagne kam am 1. Dezember in Washington mit einer Anzahl von Anzeigen an Bus- und U-Bahn-Stationen heraus, ebenso in der “Washington Post". Seitdem sind Anzeigen in Kanada, Südafrika, Simbabwe und Kenia erschienen.

In ihren Pressemitteilungen behauptet die Organisation ‚Katholiken für eine freie Wahl,‘ der Widerstand der Kirche gegen die Verwendung von Kondomen habe den Tod Tausender von Menschen verursacht, indem er die Bemühungen, die Übertragung des HIV-Virus zum Stillstand zu bringen, unterminiere. Sie fordert öffentlichen Druck auf die Kirche, damit diese ihre Position ändere.

Die Anzeigen versuchen, den Eindruck zu erwecken, die kirchliche Hierarchie kümmere sich nicht um das Aidsproblem “Die Katholiken kümmern sich. Tun es unsere Bischöfe"? heißt es in der Anzeige in der “Washington Post”.

Die offizielle Reaktion der Kirche erfolgte schnell mit dem Hinweis auf die fehlerhaften Angaben der Anzeigen. Die Sprecherin der Erzdiözese Washington Susan Gibbs wies in der “Washington Post” vom 3. Januar besonders darauf hin, dass die Anzeigen “die Bischöfe beschuldigen, Menschen zu töten, während sie im Gegenteil den einzigen Lebensstil empfehlen, der gegen HIV/AIDS schützt: einen Lebensstil der Enthaltsamkeit außerhalb einer monogamen Ehe."

Die katholische Bischofskonferenz Südafrikas reagierte ebenfalls scharf auf die Anzeigen. In einer Presseerklärung betonte sie, dass das Aids-Büro der Bischöfe, nach den staatlichen Behörden der Region der zweitgrößte Anbieter von Programmen zur Verhinderung von Aids und zur Betreuung Aidskranker ist.

Zwischen Juni 2000 und November 2001 finanzierte das Aids-Büro der Bischöfe nicht weniger als 116 Projekte. Die Erklärung der Bischöfe weist darauf hin, dass sogar das Nationale Gesundheitsamt in Südafrika anerkennt, dass die katholischen Dienste, die über die Pfarreien arbeiten, näher an die Basis herankommen als das regierungseigene AIDS-Präventions- und Betreuungsnetz.

Ein Sprecher der Bischofskonferenz, Bischof Reginald Cawcutt von Kapstadt, sagte: “Die Kirche missbilligt den Versuch, die Ausbreitung von AIDS durch die kostenlose Verteilung von Kondomen an Teenager zu bekämpfen. Dies kann höchstens dazu dienen, die Promiskuität zu fördern. Es zeigt ein hochgradig verwirrtes Denken. Die Kirche unterstützt und fördert -- wie sie es 2.000 Jahre lang getan hat -- entschieden eine auf Werte gegründete Erziehung und Vorbeugungsprogramme. Das sind die einzigen Dinge, die letztlich zum Ziel führen."

Unterdessen meldete das ‚Katholische Institut für Familie und Menschenrechte‘ in seinem “Friday Fax” vom 28. Dezember, dass irgendwelche Hoffnungen, die sich die ‚Katholiken für eine Freie Wahl‘ gemacht hatten, mit dem Thema Furore machen zu können, möglicherweise zerronnen seien. Außer ein paar Zeitungsartikeln hätten die Medien die Anzeigenkampagne weithin ignoriert.

Sind Kondome wirklich die Antwort?

Zahlreiche Kampagnen von Regierungen und privaten Gruppen haben die Notwendigkeit von sogenanntem “safer sex” (“sichererem Geschlechtsverkehr”) hervorgehoben und behaupten, dass die Verwendung von Kondomen unentbehrlich sei, um AIDS und andere sexuell übertragene Krankheiten unter Kontrolle zu bringen. Aber jüngstes Beweismaterial zeigt, dass Kondome nur zum Teil erfolgreich bei der Verhinderung der Ausbreitung von Krankheiten sind.

Am 20. Juli des vergangenen Jahres veröffentlichten die Nationalen Gesundheitsinstitute in den Vereinigten Staaten einen Bericht über die Effizienz von Kondomen. Das Expertengremium, das zusammen kam, um das Beweismaterial zu prüfen, kam zu dem Ergebnis, dass die meisten Untersuchungen über das Thema “unzureichend” sind.

Das Gremium bemerkte, dass die Verwendung von Kondomen das Risiko, an Aids zu erkranken für Männer und Frauen und das Risiko Gonorrhöe zu bekommen für Männer merklich reduzieren könne. Aber es gebe nicht genug Beweise dafür, dass diese Verwendung die Gonorrhöe bei Frauen verhindert, stellte das Gremium fest. Noch sei bewiesen, dass Kondome die Ausbreitung zahlreicher anderer Geschlechtskrankheiten wirksam verhindere.

Auch als Empfängnisverhütungsmittel bestehen Kondome den Test nicht. In einer der Untersuchungen wird geschätzt, dass bei ungefähr 3 Prozent der Ehepaare, die von sich sagten, dass sie ständig und fehlerfrei Kondome benutzten, eine unbeabsichtigte Schwangerschaft während des ersten Jahres des Gebrauchs eintrete. In einer anderen "neuen, gut überwachten nach dem Zufallsprinzip durchgeführten klinischen Untersuchung monogamer Ehepaare, die sechs Monate hindurch Latex-Kondome für Männer zur Empfängnisverhütung benutzten, wurde die Schwangerschaftsrate während ‚korrekter Verwendung´ mit 6,3 Prozent angegeben.”

Der Bericht des Gremiums führte eine weitere Beurteilung als Beispiel an: Die “National Surveys of Family Growth” (Nationale statistische Übersichten des Familienwachstums), die zeigten, dass bei vierzehn Prozent der Paare eine unbeabsichtigte Schwangerschaft während des ersten Jahres “korrekter Verwendung” eintritt.

Als Reaktion auf den NIH-Bericht sagte der Präsident des Medizinischen Institutes für Sexuelle Gesundheit, der Mediziner Joe S. McIlhaney Jr.: “Amerikas Jugend wurde über vorehelichen Geschlechtsverkehr in Sicherheit gewiegt. Sie glaubten, dass sie, solange sie ein Kondom benutzen, vor Geschlechtskrankheiten geschützt sind. Wie der NIH-Bericht klar macht, gibt es so etwas wie sicheren Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe nicht. Das Institut von Austin (Minnesota) mit Sitz in Texas ist eine nicht profitorientierte medizinische Organisation.

“In der Tat lässt ein unvoreingenommener Blick auf die wissenschaftlichen Untersuchungen nur einen einzigen Schluss zu: Die einzige realistische Methode für einen jungen Menschen, das Risiko einer Geschlechtskrankheit und eine uneheliche Schwangerschaft auszuschließen, besteht darin, bis zur Ehe sexuell enthaltsam zu leben", bemerkte McIlhaney.

Fünfundsechzig Millionen Infizierte in den USA

In der Tat sind nach Jahren der Kampagnen für “sicheren Geschlechtsverkehr" die Geschlechtskrankheiten weiter verbreitet als je. Mehr als 65 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten sind heute mit einer Art von Geschlechtskrankheit infiziert, von denen die meisten unheilbare Virusinfektionen sind, sagt der NIH-Bericht. Und jährlich treten ungefähr fünfzehn Millionen neue Infektionen auf.

Im Vereinigtem Königreich ist die Situation nicht weniger dramatisch. In London haben sich seit 1995 die Fälle von Gonorrhöe um 74 Prozent bei Männern und um 75 Prozent bei Frauen vermehrt, berichtete die “Times” am 29. Januar. Die Zahl der Syphilisfälle bei Männern ist in den vergangenen drei Jahren um 211 Prozent hochgeschnellt. Und ebenfalls seit 1995 sind bei Frauen um 87 Prozent und bei Männern um 120 Prozent mehr Chlamydieninfektionen diagnostiziert worden.

Wie Lynette Burrows am 26. Februar im “Telegraph" bemerkte, ist freier Sex nicht sicher -- egal, was die Slogans sagen. Sie wies darauf hin, dass die meisten jungen Leute sich der Versagensrate bei der Verwendung von Kondomen nicht bewusst sind, weil man ihnen in zahllosen Werbekampagnen versichert hat, dass man, wenn man sie benutzt, “sicher ist”.

Burrows zitierte aus einer Broschüre, die jetzt von Gesundheitsbehörden an alle Dreizehnjährigen verteilt worden ist. In einem hervorgehobenen Kästchen steht: “Tatsache: Nur Kondome sorgen für einen Rundum-Schutz gegen Schwangerschaft und sexuell übertragene Infektionen, einschließlich HIV." Weiterhin erwähnt die Broschüre Chlamydien und empfiehlt, “Benutze immer ein Kondom”. Aber, wie der NIH- Bericht vom Juli festgestellt hat, gibt es keinen klaren Beweis, dass Kondome das Risiko von Geschlechtskrankheiten wie Chlamydieninfektionen verringern.

Warum sind solche von Regierungen finanzierte Broschüren medizinisch so falsch? fragte Burrows. “Vielleicht ist die Antwort die, dass es einfach zu viele Leute gibt, die entweder ein finanzielles Interesse an der Propagierung der Empfängnisverhütung oder eine ideologische Anhänglichkeit an sexuelle Freizügigkeit haben. Diese beiden Motive haben, einander unterstützend, die öffentliche Diskussion über die Gefahr des freien Sex zum Schweigen gebracht", war ihre Schlussfolgerung. Für Menschen, die nach einer echten Orientierung Ausschau halten, wenn es darum geht, gesund zu bleiben, dürfte das, was die katholische Kirche die ganze Zeit sagt, besser sein.