Positive Bilanz nach der ersten Hälfte der Synode

Eine erste Bilanz der Synodenväter

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Von Antonio Gaspari

VATIKANSTADT, 19. Oktober 2012 (ZENIT.org). ‑ Im Rahmen der Synode wurde Licht auf zahlreiche Schwierigkeiten geworfen, doch es wurden auch Zeichen der Begeisterung erkennbar. So vollzieht sich in vielen Teilen der Erde derzeit ein Wachstum der Konfessionen und der Zahl der Getauften. Ebenso lässt sich ein tiefes Nachdenken über Umkehr und Interesse an den Bewegungen, an der Volksfrömmigkeit und an Pilgerfahrten zu Wallfahrtsstätten beobachten.

Diese Themen standen im Mittelpunkt der am 18. Oktober im Pressesaal des Vatikan veranstalteten Pressekonferenz zur Vorstellung der „Relatio post disceptationem“ der 13. Generalversammlung der Bischofssynode.

Kardinal John Tong Hon, Bischof von Hong Kong, China, berichtete von einem Anstieg der Zahl der Gläubigen in China trotz der schwierigen Bedingungen, mit denen die Kirche dort konfrontiert sei.

Allein Hongkong habe im vergangenen Jahr 3.000 Taufen verzeichnet, und die Tendenz sei steigend.

Laut dem Vizepräsidenten der Informationskommission der Bischofssynode, Msgr. Ján Babjak SJ, Erzbischof und Metropolit für die Katholiken nach byzantinischem Ritus in Prešov, Slowakei, hätten sich viele der Redebeiträge dem an den marianischen Wallfahrtsorten praktizierten und verbreiteten Glauben gewidmet.

In diesem Zusammenhang hob Pater Ciro Benedettini hervor, dass in manchen Pfarren zwar ein Rückgang der Gläubigen bei den Wallfahrten stattfinde, die Zahl der Pilger jedoch Jahr für Jahr steige. Kardinal John Tong Hon wies auf die steigende Marienverehrung in China hin, die auch auf andere religiöse Bekenntnisse übergehe.

Dem delegierten Präsidenten der Synode, Kard. Laurent Monsengwo Pasinya, Erzbischof von Kinshasa, Demokratische Republik Kongo, zufolge sei Gott in allen Kulturen der Welt thematisiert worden; jetzt bestehe bei den Menschen jedoch allem Anschein nach kein Bedarf mehr nach ihm.

Der Kardinal beschrieb diesen Sachverhalt mit folgenden Worten: „Wir leben in einer Welt ohne Glaube“. Die Synode stelle sich daher die Frage, wie Jesus zu verkündigen sei.

Msgr. José Horacio Gómez, Erzbischof von Los Angeles, USA, und Mitglied der Informationskommission, bezeichnete die Synode als herausragende Erfahrung und bekräftigte die Bedeutung der Frömmigkeit der Menschen als Glaubenspraxis.

Seine Seligkeit Sviatoslav Schevchuk, Großerzbischof von Kyiv-Halyč, Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, sprach von einem Klima großer Begeisterung bei der Synode. Der junge Erzbischof zeichnete ein Bild von der Kirche, die „inmitten der Flammen des Heiligen Geistes liegt und von ihm hinausgedrängt wird, damit sie evangelisiere.“

Auf die Fragen nach den Daten, den Begegnungen und dem Programm der in der kommenden Woche stattfindenden Syrienreise der Delegation der Synode gab Kardinal Monsengwo Pasinya an, dass ein Zusammentreffen mit den Autoritäten Syriens derzeit noch unbestätigt sei. Es werde jedoch eine Spende des Heiligen Vaters und den Synodenvätern als christliches Zeichen überbracht werden. Die Vorsehung des Herrn werde wirken, und das Volk werde sie dankend annehmen.

Das Thema Umkehr stand im Zentrum mehrerer Redebeiträge im Rahmen der Synode. Seine Seligkeit Sviatoslav Schevchuk wies in diesem Zusammenhang auf die stets positive Bedeutung der Umkehr in der Spiritualität des Ostens hin. Diese gute Nachricht solle man daher an sich selbst erfahren.

Der Großerzbischof erläuterte ebenso, dass Themen wie die Pastoral für Geschiedene, die Rolle der Frau in der Kirche und die Fragen der Biomedizin mit Blick auf den Beginn und das Ende des Lebens von den Synodenvätern eingehend diskutiert worden seien, belebt von dem Wunsch nach einer möglichen Lösung gemäß dem Lehramt des Nachfolgers Petri.

Zur Situation in China betonte Kardinal Tong Hong, dass die katholische Kirche die Schaffung einer harmonischeren Gesellschaft ins Auge fasse und vor allem die Herzenswunden innerhalb der Familien heilen wolle. Dieses Ziel stehe im Einklang mit den traditionellen chinesischen Lehren der Vorfahren.

Die Journalisten von ZENIT stellten den Synodenvätern mehrere Fragen, unter anderem nach der Rolle und der Praxis der Beichte in den verschiedenen Ländern.

Laut Kardinal Monsengwo Pasinya existiere dieses Problem in der demokratischen Republik Kongo praktisch nicht. Demnach seine Beichten dort sehr häufig und weit verbreitet. Dem fügte Msgr. Babjac hinzu, dass auch in der Slowakei im Gegensatz zur Ukraine keine Krise der Beichtpraxis zu beobachten sei.

In den Vereinigten Staaten arbeite man laut Msgr. Gomez in vielen Diözesen daran, der Beichte mehr Raum und Zeit zu geben. In der Kathedrale von Los Angeles stehen jeden Morgen Priester für die Beichte zur Verfügung.

Kardinal Tong Hon zufolge versuche man in Hongkong angesichts des großen Bedarfs die Verfügbarkeit von Priestern für die Beichte zu verbessern.

Zur Rolle der kirchlichen Bewegungen, die viele Synodenvätern als wichtige Werkzeuge der Evangelisierung bezeichnet hatten, wies Kardinal Monsengwo Pasinya darauf hin, dass ihre Arbeit im Allgemeinen als gut zu bewerten sei, in manchen Fällen jedoch Verwirrung gestiftet werde. Der Kardinal führte aus: „Es gilt, ein wenig Ordnung zu schaffen, denn manche Bewegungen neigen dazu, Oberhand über den Bischof gewinnen zu wollen, und dies ist nicht richtig.“

Auf die Frage von ZENIT, ob die Neuevangelisierung in manchen Ländern nicht als Werk des Proselytismus abgelehnt werden könne, verwies ukrainische Erzbischof auf die Worte der orthodoxen Kirche, wonach die Neuevangelisierung ein gemeinsames Werk aller Christen sei. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine gute Nachricht. 

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]