„Positive Laizität“: Die USA sind in den Augen Benedikts XVI. ein Vorbild für Europa

Begrüßung auf dem Rollfeld des Luftwaffenstützpunktes Andrews bei Washington

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ROM, 16. April 2008 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. wurde im Washington ein außerordentlicher Empfang durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten, George W. Bush, zuteil. Zuvor hatte er während des Flugs vor 70 Journalisten erklärt, dass die USA ein Modell für positive Laizität seien.



US-Präsident Bush empfing am Dienstagnachmittag den Papst um 16.00 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr MEZ) persönlich auf dem Rollfeld des Luftwaffenstützpunktes Andrews (Washington DC). Es war dies das erste Mal, dass der Präsident ein anderes Staatsoberhaupt sofort nach der Ankunft persönlich begrüßte. Bush tat dies, wie er zwei Tage vorher angekündigt hatte, aus Achtung vor Benedikt XVI. Der Papst landete mit einer Maschine der italienischen Fluggesellschaft Al Italia. Am Cockpit flatterten, wie es bei solchen Anlässen üblich ist, die Fahnen des Vatikanstaates und der Vereinigten Staaten.

Sofort nach dem Start in Rom hatte Benedikt XVI. mit den an Bord befindlichen Journalisten gesprochen. Der Heilige Vater beantwortete fünf Fragen und nutzte die Gelegenheit, um die wichtigen Etappen seiner achten Auslandsreise wie auch die Themen anzusprechen, mit denen er sich auf amerikanischem Boden auseinandersetzen wird.

Der italienische Vatikanist Andrea Tornielli stellte dabei die Frage nach der öffentlichen Rolle der Religion in den USA, die Benedikt XVI. während der Audienz mit der neuen US-amerikanischen Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Mary Ann Glendon, als positiv herausgestellt hatte. Der Journalist fragte den Heiligen Vater, ob diesbezüglich die USA ein Vorbild für Europa sein könnten. Gleichzeitig legte er die Gefahr dar, dass Religion oder der Name Gottes zur Rechtfertigung einer Politik oder eines Krieges missbraucht werden könnte.

In seiner Antwort bezeichnete Benedikt XVI. das Verhältnis zwischen staatlicher Laizität und Glauben in den USA als ein Modell, das auch in Europa nachgeahmt werden könne. Der Papst betonte den „positiven Begriff von Laizität“, wie er in den USA gegeben sei; denn er sei entstanden, um dem Glauben Authentizität und Freiheit zu verleihen.

Wörtlich sagte Benedikt XVI.: „Gewiss können wir in Europa nicht einfach die USA kopieren. Wir haben unsere Geschichte. Wir müssen aber voneinander lernen. Was ich an den USA faszinierend finde, ist, dass sie einen positiven Begriff von Laizität gefunden haben, da dieses neue Volk sich aus einer Gemeinschaft von Menschen zusammensetzt, die vor den Staatsreligionen geflüchtet waren und diesen einen laikalen, säkularen Staat haben wollten, der für alle Konfessionen, alle Formen der religiösen Praxis, Möglichkeiten eröffnet.“

So sei es zu einem Staatsmodell gekommen, das ganz bewusst und aufrichtig säkular sei, dies aber gerade aus einem religiösen Willen heraus – um der Religion Authentizität zu verleihen. So sei es zu erklären, dass die laikalen Institutionen aus einem faktischen moralischen Konsens heraus lebten, der unter den Bürgern bestehe. Nach Worten Benedikts XVI. handelt es sich dabei um ein „grundlegendes und positives Modell“, das auch für Europa in Betracht zu ziehen sei.

Der Papst diagnostizierte dann auch für die USA einen „Angriff einer neuen Säkularität, eines neuen Säkularismus, der völlig anderes ist und somit neue Probleme mit sich bringt“. Das grundlegende Modell jedoch scheint Benedikt XVI. auch heute einer genaueren Beobachtung würdig.

Zum zweiten Mal seit Beginn seines Pontifikats überquerte Benedikt XVI. auf seinem Flug in die USA den Atlantik. Nach Paul VI. (1965) und Johannes Paul II. (1979, 1981, 1984, 1987, 1993, 1995 und 1999 Zwischenlandungen eingeschlossen) ist er der dritte Papst, der seinen Fuß auf nordamerikanischen Boden setzt. Als erster Kardinalpräfekt der Kongregation für die Glaubenslehre hatte Jospeh Ratzinger die USA mehrmals besucht: 1984 Dallas und Minneapolis-St.Paul, 1988 New York, 1990 Philadelphia und Washington, 1991 erneut Dallas und 1999 San Francisco.

Ziel seiner Reise als Papst ist es, den Menschen die große Wahrheit Jesu Christi zu bringen, „der Hoffnung für die Männer und Frauen jeder Sprache, Rasse, Kultur und sozialer Schicht“ ist.

Seinen heutigen 81. Geburtstag wird der Heilige Vater in Washington feiern, am Tag der ersten offiziellen Begegnung mit Präsident George W. Bush im Weißen Haus. Bush wird den Papst mit allen militärischen Ehren im Zentrum der Macht der Vereinigten Staaten empfangen. Zu der offiziellen Begrüßungszeremonie im Garten des Weißen Hauses sind etwa 10.000 Menschen geladen; zu Ehren des Heiligen Vaters sollen 21 Salutschüsse abgefeuert werden. Im Anschluss an die Ansprachen werden sich der Papst und der Präsident zu einem Vier-Augen-Gespräch zurückziehen.

Der dritte Jahrestag des Pontifikats Benedikts XVI. (19. April) fällt mit seinem Besuch in New York zusammen. Diese Apostolische Reise und ihre Themen spiegeln die Grundthemen und Grundanliegen dieses Pontifikats wider. Die zweite Enzyklika „Spe salvi“ lieferte das Leitwort zu dieser Begegnung mit der amerikanischen Kirche: „Christus ist unsere Hoffnung“. Vor allem bei seinem Besuch bei den Vereinten Nationen will der Papst all jene seine Stimme geben, die ansonsten wenig gehört werden, und für den Dialog neue Ziele der Freiheit, des Zusammenlebens und der Solidarität formulieren. Benedikt XVI. will als Zeuge des Vertrauens in den Menschen und die Vernunft auftreten.