Positives Treffen im Zeichen der Ökumene

Interview mit dem russischen Metropoliten nach Papstbegegnung

Rom, (ZENIT.org) H. Sergio Mora | 414 klicks

Der russische Metropolit S.E. Hilarion erklärte in einem Interview gegenüber ZENIT nach der Begegnung mit Papst Franziskus:

Wie verlief die Begegnung mit dem Heiligen Vater?

Metropolit S.E. Hilarion: Das Treffen war sehr positiv. Wir sprachen eine Stunde und konnten viele Fragen diskutieren. Wir sprachen über den Dialog zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und der römisch-katholischen Kirche, aber auch über den Dialog der orthodoxen Kirche, an dem sich alle orthodoxen Kirchen beteiligen.

Welche christlichen Wurzeln haben Orient und Okzident?

Metropolit S.E. Hilarion: Wir sprachen über die Christen in den Ländern, wo die Christen Verfolgungen und Bedrohungen ausgesetzt sind, und dass man zusammenarbeiten müsse, um den verfolgten Christen zu helfen. Wir sprachen auch über die christlichen Werte, die wir verteidigen müssen, auch über den Wert der Familie, über den wir den „Convegno“ organisiert haben.

Welche ökumenischen Perspektiven gibt es zwischen den beiden Kirchen?

Metropolit S.E. Hilarion: Ich denke, dass die Beziehungen zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und der römisch-katholischen Kirche sich in die richtige Richtung entwickeln, zu gemeinsamen Positionen, die moralische Fragen betreffen. Wir werden unsere Beziehungen auf den Gebieten, wo wir unser gemeinsames christliches Erbe bezeugen können, ausbauen.

Welche Bedeutung hat das Gebet unter Christen, um die Einheit der Christen zu verdeutlichen?

Metropolit S.E. Hilarion: Die Kirche ist vor allem eine Gemeinschaft von Menschen, die betet. Ohne zu beten, kann kein Mensch als Christ bezeichnet werden. Alles, was uns beschäftigt, schließen wir in unser Gebet ein.

In der Zwischenzeit waren einige andere Medien hinzugestoßen, und der Korrespondent von Radio Vatikan (Cappelli) stellte eine Frage zu den Herausforderungen der Familien in der orthodoxen Welt. Der Metropolit antwortete: „Es sind die derselben Herausforderungen wie in der katholischen Welt. Sie sind auf den Werteverfall zurückzuführen, der durch den Einfluss der liberal-modernen Ideologie verursacht wurde. Man versucht, die jungen Menschen davon zu überzeugen, dass die Familie aus Mann, Frau und Kindern ein überholtes Modell ist.“

Der Metropolit verwies darauf, dass man dank der Familienpastoral heute einige Orte in Russland mit einer Geburtenrate wie in Bangladesch vorfinde.

Auf die Frage eines anderen Medienvertreters, wann es zu einer Begegnung zwischen dem Papst und dem orthodoxen Patriarchen kommen werde, antwortete der Metropolit, dass noch keine Aussage dazu gemacht werden könne, wann und wo ein solches Treffen stattfinden könne. Man arbeite aber daran, dass eine Vorbereitung nicht nur in protokollarischer Sicht erfolge, weshalb sie den Inhalt der Begegnung ausarbeiten müssten.

(Übersetzung aus dem Italienischen von Britta Dörre)