Post-Abortion-Syndrom bei Männern (Teil 2)

Interview mit Kevin Burke von „Rachel’s Vineyard“ („Rachels Weinberg“)

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KING of PRUSSIA, 5. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Beziehungen, die aufgrund einer früheren Abtreibung in die Brüche zu gehen scheinen, können wieder aufblühen. Das verdeutlicht dieser zweite Teil des ZENIT-Interviews mit Kevin Burke, Spezialist in Sachen Post-Abortion-Problematik und zweiter Direktor von „Rachel’s Vineyard Ministries“.



Teil 1 erschien am Donnerstag.

ZENIT: Das Kapitel „Ich heiratete eine Frau, die abgetrieben hat“, handelt von einem Mann, der eine Frau heiratet, die schon einmal abgetrieben hat. Die Frau, die weiß, dass ihr Ehemann nichts mit dieser Abtreibung zu tun hat, nicht der Vater des abgetriebenen Kindes ist, sträubt sich innerlich dagegen, ihm etwas von ihrem Leid zu erzählen. Wie können Männer in einer solchen Situation den Frauen, die sie lieben, helfen?

Burke: In dieser Geschichte handelt es sich um den packenden Bericht eines Ehemanns, der in sein Eheversprechen, seine Frau so zu lieben, wie Christus die Kirche liebt, hineingewachsen ist.

Aber Sie können sehen, wie zart und verletzbar die Beziehung in den frühen Phasen ihrer Ehe ist, da sie mit der Depression zu kämpfen hat und das Gefühl hat, für die Mutterschaft unwürdig zu sein. Und sie trägt Zwangsvorstellungen mit sich herum und spürt den Drang, sich selbst Verletzungen zuzufügen – ein häufig diagnostiziertes Symptom für den Grenzfall einer Persönlichkeitsstörung, die bei Frauen, die aufgrund einer Abtreibung ein Trauma erlebt haben, nicht selten ist.

Bei der Ehefrau aus dem angesprochenen Kapitel findet sich ein weiteres Symptom für ein Post-Abortion-Trauma: eheliche Untreue. Dieses Symptom wurzelt in der vielfach erlebten Erfahrung nach einer Abtreibung, dass die Betroffene inneren Widerstand verspürt hat, dem Ehepartner volles Vertrauen zu schenken und mit ihm eine Beziehung einzugehen.

Sie fühlt sich der Liebe ihres Ehemannes nicht würdig und hat Angst davor, Mutter zu werden. Bedauerlicherweise reagiert sie auf diese Gefühle damit, dass sie ein außereheliches Verhältnis eingeht. Viele andere Beziehungen hätten an diesem Punkt ihr jähes Ende gefunden.

Glücklicherweise nahm dieses Ehepaar an einem Wochenend-Eheseminar teil und später an einem Kurs von „Rachels Weinberg“. Dadurch sahen sie sich beide veranlasst, gemeinsam den Weg der Heilung zu gehen.

Was für ein Segen für ihre Ehe! Man sieht an diesem Ehepaar, wie der Weg der Ehe wieder heil werden kann: wenn Mann und Frau fähig werden, nach der Morallehre der Kirche zu leben, die sie nicht als eine legalistische Last erfahren, sondern als ein Geschenk, das ihnen Heilung, Befreiung und Freiheit bringt.

Der Ehemann aus dieser Geschichte hat gelernt, für seine Frau in seiner Rolle als Christ zu wachsen und ist ein wunderbares Beispiel für alle Männer.

Es muss noch darauf hingewiesen werden, dass dieses Ehepaar wahrscheinlich früher Heilung erfahren hätte, wenn es in ein Heilungsprojekt wie „Rachels Weinberg“ eingeführt und schon in einem frühen Stadium darüber informiert worden wären, welche Auswirkungen die Abtreibung auf ihre Beziehung haben würde. So viele Ehepaare und Familien tragen aufgrund des Missbrauchs der Gabe der Sexualität und aufgrund eines Verlusterlebnisses durch Abtreibung Wunden mit sich herum. Sie brauchen dringend Heilung, und sie können sie in der Kirche finden. Sie bedürfen des Geschenks der kirchlichen Lehre über Ehe und Familie sowie der guten Botschaft, dass auch nach einer Abtreibung Heilung möglich ist.

ZENIT: In Ihrem Buch enden die meisten Ehen, in denen eine Abtreibung vorkommt, in einer Scheidung beziehungsweise im Zerbrechen dieser Beziehung. Ist das eine allgemeine Regel? Und wenn das so sein sollte: Wie können Ehepaare, bei denen eine Abtreibung vorgekommen ist, ihre Beziehung retten?

Burke: Es stimmt, so geht es meistens aus.

Es liegt schon eine gewisse Tragik darin, dass ein Mensch in der Hoffnung abtreiben will, die Beziehung zu retten, dass jedoch die vergiftenden Nachwirkungen der Abtreibung sich wie eine radioaktive Seuche im Herz der Beziehung ausbreitet und diese Beziehung früher oder später tötet.

Bedenken Sie, dass die Schmerzen und der Verlust an Vertrauen und Geborgenheit, der die Beziehung belastet, auch in späteren Beziehungen gegenwärtig sind und auch dann zu Störungen und zur Scheidung führen. Dies ist der Grund, warum ein Heilungsprozess, wie ihn „Rachels Weinberg“ bietet, so wichtig ist: weil der komplexe Schmerz, die Scham und das Schuldgefühl nach einer Abtreibung so behandelt werden, dass der Betroffene tatsächlich geheilt ist und frei wird dazu, die Liebe eines anderen Menschen anzunehmen.

ZENIT: Welche Mittel gibt es, die Männern, die aufgrund einer Abtreibung leiden, helfen können?

Burke: Ich bin zusammen mit meiner Frau Theresa der Mitbegründer von „Rachel’s Vineyard“, einem internationalen Post-Abortion-Heilungsdienst der „Priester für das Leben“.

Wir sind glücklich darüber, Pater Frank Pavone zum Partner zu haben, der als pastoraler Leiter von „Rachels Weinberg“ tätig ist. Wir arbeiten zusammen für die Verbreitung einer Kultur des Lebens. Über 500 Heilungsseminare wurden allein im letzten Jahr in der ganzen Welt angeboten.

Männer und Ehepaare machen in den Seminaren wunderbare Fortschritte. Es ist ein besonderes Geschenk für viele Frauen, wenn sie sehen, wie ein Mann über seine Rolle bei einer Abtreibung und den Verlust seines Kindes trauert. Und es ist auch eine große Freude, einen Mann zu sehen, der sein Kind, das abgetrieben wurde, im Lauf des Wochenendes innerlich mit Liebe annimmt.

Das Projekt Rachel oder andere diözesane Dienste, etwa die Sozialdienste für Familien („family-life-offices“), finanzieren ein Drittel unserer Wochenendseminare in den USA.

Wir bieten Übungs- und Behandlungsmodelle an und kooperieren mit den Project-Rachel-Diensten, die in den Pfarrgemeinden tätig sind, mit Exerzitienhäusern und all den anderen Organisationen, die mit dem Mitgefühl und der Barmherzigkeit, die Jesus Christus zeigte, danach trachten, allen zuzuhören und zu helfen, die nach einer Abtreibung leiden.

Eine weitere Hilfsquelle für Männer nach einer Abtreibung ist die Stiftung „The Fatherhood Forever“ („Vaterschaft für immer“), die von Jason Baier gegründet wurde. Auch er hat zum Buch „Redeeming a Father’s Heart“ beigetragen.