Präsident von Guatemala: Der Papst ist im Inneren seiner Seele in Frieden

Interview nach dem Treffen mit Benedikt XVI.

Vatikanstadt, (ZENIT.org) H. Sergio Mora | 1010 klicks

Am Samstag empfing Benedikt XVI. in seinem privaten Büro im Apostolischen Palast den Präsidenten von Guatemala, Otto Fernando Pérez Molina. Das Treffen dauerte etwa 25 Minuten; das Gespräch wurde auf Italienisch geführt. 

In einem Interview für ZENIT erklärte Pérez Molina, er sei tief beeindruckt von der inneren Ruhe, die der Papst ausstrahle. Er sehe darin einen Beweis, dass seine Rücktrittsankündigung ein wohl durchdachter, verantwortungsbewusster Schritt sei. 

ZENIT: Welchen Eindruck hat der Papst auf Sie gemacht? 

Otto Fernando Pérez Molina: Ich hatte das Gefühl, vor einem Menschen zu stehen, der einen festen, gut durchdachten Entschluss gefällt hat. Er war heiter und gelassen. Zu den Themen, über die wir gesprochen haben, hat der Papst auf sehr ruhige und bestimmte Weise seine Meinungen dargelegt. Ich hatte das Gefühl, er sei im Innersten seiner Seele in Frieden. 

ZENIT: Hat er irgendetwas zu seinem Rücktritt gesagt? 

Otto Fernando Pérez Molina: Er hat sehr weise gesprochen. Der Heilige Vater hat eine schwere Entscheidung getroffen. Zu mir hat er gesagt, es handle sich um eine Verantwortung, die er zwingend auf sich nehmen musste. Ich habe geantwortet, dass die Nachricht mich im ersten Moment erschüttert hat, dass wir alle seine Entscheidung jetzt aber unterstützen. Ich habe ihn gebeten, er möge auch in Zukunft fortfahren, für den Frieden in der Welt und auch für Guatemala zu beten. 

ZENIT: Kannten Sie Papst Benedikt XVI. schon? 

Otto Fernando Pérez Molina: Ich hatte noch nie Gelegenheit, ihm persönlich zu begegnen, aber es ist mir vorgekommen, als kannte ich ihn schon lange. Er war sehr freundlich, hat viel gelächelt, ist gleich auf mich zugegangen. Ich habe mich bei ihm sehr wohl gefühlt. 

ZENIT: Worüber haben Sie mit ihm gesprochen? 

Otto Fernando Pérez Molina: Wir haben über das Problem der Auswanderung, über das Recht auf Leben, den Kampf gegen Hunger und Unterernährung, vor allem aber über die mit dem Drogenhandel verbundene Gewalt gesprochen. Der Papst ist sich der Lage in Guatemala bewusst; er weiß, was bei uns geschieht und kennt die Probleme, mit denen unser Land kämpft. 

ZENIT: Kommen diese Probleme von außen oder von innen? 

Otto Fernando Pérez Molina: Von innen. An unseren Landesgrenzen gibt es keinerlei Probleme. Ganz Mittelamerika wächst immer mehr zusammen. 

ZENIT: Stimmt es, dass Sie den nächsten Papst schon nach Guatemala eingeladen haben? 

Otto Fernando Pérez Molina: Ja, einer der Gründe für meine Reise war es, den Papst zu einem Besuch nach Guatemala einzuladen. Benedikt XVI. hat mir lächelnd geantwortet, darum müsse sich dann sein Nachfolger kümmern. 

ZENIT: Was hat der Papst zum Thema Auswanderung gesagt? 

Otto Fernando Pérez Molina: Er hat mir gesagt, die Kirche habe sich schon immer mit den Problemen der Migranten befasst. Die Hälfte aller Bischöfe in den Vereinigten Staaten seien lateinamerikanischen Ursprungs, und die Kirche schütze die Rechte aller Auswanderer, nicht nur auf der juristischen Ebene, sondern auch durch praktische Hilfe, wie zum Beispiel durch die Veranstaltung von Englischkursen. Es stimmt in der Tat, dass die Migranten aus Lateinamerika und insbesondere auch aus Guatemala in den USA von der katholischen Kirche begleitet und unterstützt werden. Das ist der Wunsch des Papstes und es ist auch die Realität der Kirche. 

ZENIT: Warum ist Auswanderung für Ihr Land ein Problem? 

Otto Fernando Pérez Molina: Ich hoffe, dass die zur Zeit starke Auswanderung der Bürger meines Landes nachlässt, weil dieses Phänomen die Familien zerstört. Der Heilige Vater hat sehr recht, wenn er sagt, dass wir um jeden Preis verhindern müssen, dass die Familien auseinanderfallen. Die Familien zu unterstützen ist unsere einzige Chance, um die Wirtschaft wachsen zu sehen und Arbeitsplätze zu schaffen.