Präsidentenwahl in Ägypten

Stichwahl zwischen dem Kandidaten der Muslime und dem Kandidaten der Armee

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ROM, 30 Mai 201 (ZENIT.org). - „Es haben die beiden Kandidaten der am besten organisierten Parteien gewonnen: Die Muslimbrüder haben dank ihrer weit verbreiteten sozialen Vernetzung in Ägypten eine breite Anhängerschaft, und die Militärs und die Bürokratie sind ebenfalls gut organisiert“, so einheimische Beobachter aus Kairo in Ägypten gegenüber dem Fidesdienst, nachdem am gestrigen 28. Mai die Wahlkommission bestätigt hat, dass sich bei der Stichwahl am 16. und 17. Juni die Kandidaten der Muslimbrüder, Mohammed Morsi, und der ehemalige Premierminister unter Mubarak, Ahmed Shafiq, gegenüberstehen werden. Beim ersten Wahlgang am 23. und 24. Mai erhielt Morsi 5.764.952 Stimmen und Shafiq vereinigte 5.505.327 auf sich. Die Wahlbeteiligung lag bei 46,42 Prozent der stimmberechtigten Wähler. Kandidaten, die eine Niederlage hinnehmen mussten, klagen unterdessen bereits über Wahlbetrug.

„Die geringe Wahlbeteiligung zeigt, dass die Wähler nach den Parlamentswahlen der vergangenen Monate des Wählens müde sind. Ein Teil der Bevölkerung scheint kein Interesse mehr daran zu haben, die eigene Stimme abzugeben“, so der Beobachter.

Unterdessen war es auf dem Tahrir-Platz zu Protesten gegen Shafiq gekommen, bei denen die Demonstranten die Annullierung der Wahlergebnisse forderten, da das geltenden Wahlrecht Exponenten des alten Regimes eine Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen verbiete.

„Shafiq hat die Stimmen des alten Regimes erhalten: Militärs und Polizeibeamte mit ihren Familien, Unternehmer, die für den Staat arbeiten, Bürokraten des Staatsapparats und andere, die ihren eigenen sozialen Status nicht verlieren wollen. Diejenigen, die ihn gewählt haben, halten Shafiq für einen Staatsmann, der in der Lage ist, die wirtschaftlichen Interessen und die Macht der Militärs zu bewahren“, so der Beobachter zum Fidesdienst. „Es sollte daran erinnert werden, dass die Armee einen großen Teil der ägyptischen Wirtschaft kontrolliert.“

„Die Muslimbrüder, die anfangs erklärten, man werde keinen eigenen Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen aufstellen, haben ihre Position geändert, als ihnen bewusst wurde, wie viele Wähler sie haben, nachdem sie auch bei den Parlamentswahlen gewannen“, so der Beobachter weiter. „Sie mussten jedoch feststellen, dass sie nicht von allen ihren Wählern wieder gewählt wurden, denn das Ergebnis war nicht so überwältigend wie bei den Parlamentswahlen. Dies rührt daher, dass die Abgeordneten eine gewisse Klientel hatten, die bei diesen Wahlen nicht mehr vorhanden war“, so der Beobachter abschließend.