Predigt von Kardinal Ouellet bei der Abschlussmesse des Eucharistischen Kongresses in Dublin am Sonntag, dem 17. Juni 2012

Wir wollen von dieser Gnade Zeugnis ablegen, indem wir andere dazu einladen, an diese Gemeinschaft zu glauben

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DUBLIN, 19. Juni 2012 (ZENIT.org). - Kardinal Marc Ouellet, Päpstlicher Legat beim 50. Internationalen Eucharistischen Kongress in Dublin, hat am 17. Juni 2012 der Abschlussmesse vorgestanden. In seiner Predigt betonte er, dass dieser Kongress besonders die Katholizität der Kirche widerspiegle. Den Schlüssel zu einer persönlichen und lirchlichen Erneuerung der Kirche habe der hl. Paulus geliefert, indem er sagt: „Wir suchen, ihm zu gefallen.“ Nach dieser Woche, während über die Eucharistie nachgedacht, sie gefeiert und angebetet wurde, seien sich alle sicher tiefer des Rufes Gottes bewusst, in inniger Gemeinschaft mit ihm zu leben. Ihm zu gefallen bedeute, Zeugnis für ihn abzulegen, das Evangelium zu verkünden, brüderlich untereinander zu leben und Gott für die Gabe der Erlösung zu preisen.

[Wir dokumentieren den Wortlaut der Predigt in einer eigenen Übersetzung:]

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Liebe Brüder und Schwestern, 

Der fünfzigste Internationale Eucharistische Kongress neigt sich nun seinem Ende zu. Wir sind Gott tief dankbar für das Licht seines Wortes und für das Geschenk der heiligen Eucharistie, die beide unsere Gemeinschaft mit Christus und untereinander stärken.

Am Ende dieser Messfeier werden wir eine Botschaft von Papst Benedikt XVI. verlesen. Die Tatsache, dass er sein Wort an uns richtet, erinnert uns daran, dass dieser Internationale Eucharistische Kongress die Katholizität der Kirche widerspiegelt, insofern als sie die universale Gemeinschaft vieler Teilkirchen ist. Die Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien, die hier anwesend sind, verkörpern die katholische Kirche, die in Tausenden von Gemeinschaften überall in der ganzen Welt zugegen, im Glauben und in der Liebe zu Christus aber eins ist. Ich grüße die Vertreter der Ökumene und danke Ihnen allen für Ihre Teilnahme an diesem Ereignis, von dem viele Gnaden ausgehen.

Ich grüße den irischen Präsidenten sowie alle Stellvertreter der zivilen Behörden und bin mir dabei der edlen Tradition dieser tapferen Nation bewusst. Von Herzen danke ich Erzbischof Martin Kardinal Brady und allen, die bei der Veranstaltung dieses Ereignisses mitgeholfen haben, für die zuvorkommende Gastfreundschaft und für das beispielhafte Engagement, mit dem Sie sich für die christliche Erneuerung dieses Landes einsetzen.

Lassen Sie uns nun gemeinsam über die heutigen Lesungen nachdenken und uns auf die Botschaft des Heiligen Vaters vorbereiten – eine Botschaft, die uns große Hoffnung und Zuversicht bringen soll.

Durch den Propheten Ezechiel spricht der Herr: „Ich selbst nehme ein Stück vom hohen Wipfel der Zeder und pflanze es ein. Einen zarten Zweig aus den obersten Ästen breche ich ab, ich pflanze ihn auf einen hoch aufragenden Berg. Auf die Höhe von Israels Bergland pflanze ich ihn. Dort treibt er dann Zweige, er trägt Früchte und wird zur prächtigen Zeder.“ (Ez 17,22-23).

Im Evangelium bedient sich Jesus eines ähnlichen Bildes, um vom Reich Gottes zu sprechen: „[Das Reich Gottes] gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.“ (Mk 4,31-32).

Die Bedeutung des von Ezechiel prophetisch Vorhersagten klärt sich im Lichte Christi auf. Jesus Christus ist der Zweig, der von den obersten Ästen abgebrochen wurde. Er ist Gott von Gott. Und Gott selbst pflanzt ihn auf einem hohen Berg, dem Kalvarienberg.

Gott Vater hat aus Liebe zu seiner Schöpfung und zu allen Sündern auf dem Kalvarienberg das Samenkorn des Kreuzes eingepflanzt. Dieses Samenkorn ist das Heiligste Herz seines eingeborenen Sohnes, das von unseren Sünden durchbohrt und getötet, kraft göttlicher Barmherzigkeit aber vom Tod auferweckt worden ist. Und daher ist Jesus Christus das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt. Er ist unser Heiland, auf den wir vertrauen und in dem wir Erlösung finden. Das Samenkorn der Liebe Christi, das im Boden des Kalvarienbergs vergraben wurde, hat unvorstellbar viel Frucht getragen: Ein Baum ging daraus hervor, der Baum des Lebens, eine prächtige Zeder, die heilige Kirche Gottes, die Morgenröte des Himmelreiches. Wir glauben an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, denn wir glauben an Christus, der will, dass die Kirche aus der Hingabe seines eucharistischen Leibes hervorgehen möge und sein Leib sei.

Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns frohgemut und voll Zuversicht sein. Wie es der hl. Paulus in seinem Brief an die Korinther zum Ausdruck bringt, „…sind [wir] immer zuversichtlich“ (2 Kor 5,6). Wir sind es, weil der auferstandene Herr unsere Zuflucht und unser Burg ist. Wir erfahren sehr wohl, dass es in der Kirche Platz für Unzulänglichkeiten und Fehler gibt, aber der Herr stützt uns, er heilt unsere Wunden und stärkt unsere Liebe. Wir wollen jubeln und uns an seiner Huld erfreuen!

Wir können uns auf den Herrn verlassen und darauf, dass wir mit ihm einen neuen Anfang setzen können. Der hl. Paulus zeigt uns den Schlüssel zu jeder persönlichen und kirchlichen Erneuerung auf: „Wir suchen ihm zu gefallen“ (2 Kor 5,9). Diesen Zugang zur Erneuerung in unserem Leben finden wir, indem wir uns entscheiden, aufs Neue die Verpflichtung einzugehen, den Herrn zu lieben, für ihn zu leben und zu sterben, in der Gewissheit, dass seine Gnade uns niemals fehlen wird. Möge uns das kommende Jahr des Glaubens in diesem Entschluss bestärken!

Jesus ist das Samenkorn, das Gott selbst in die Tiefen der Erde eingesenkt hat, ein Samenkorn, das auf die Erde fiel, starb und zu ewigem Leben auferweckt wurde. Der Baum des Lebens, die Kirche, geht aus dem kleinsten Samenkorn des Heils hervor. In ihr soll entsprechend ihrem Ruf die ganze Menschheit ein Zuhause, Gemeinschaft mit dem auferstandenen Herrn und Sicherheit finden.

Das ist gerade der Grund, weswegen die Kirche und wir alle dazu berufen sind, Zeugnis vom Herrn abzulegen, indem wir ihm gefallen, sein Evangelium verkünden, brüderlich leben und Gott für die Gabe der Erlösung preisen.  

Nach Ablauf dieser Woche, während der wir über die Eucharistie nachgedacht, sie gefeiert und angebetet haben, sind wir uns sicher tiefer des Rufes Gottes bewusst, dass wir in Gemeinschaft mit ihm und untereinander leben sollen.

Wir wollen von dieser Gnade Zeugnis ablegen, indem wir andere dazu einladen, an diese Gemeinschaft zu glauben. Die irische Glocke, die von Lough Derg, Knock und Dublin aus erklingt, muss in der ganzen Welt widerhallen. Wir wollen die Glocke auch weiterhin läuten lassen, indem wir persönlich von unserem erneuerten Glauben an die heilige Eucharistie Zeugnis ablegen.

Der Glaube ist das kostbarste Geschenk, das wir bei unserer Taufe erhalten haben. Wir wollen ihn nicht für uns selbst behalten und zaghaft sein! Lassen Sie ihn zu einem prächtigen Baum heranwachsen, und teilen Sie ihn mit allen!

Selbst wenn unser Glaube manchmal auf die Probe gestellt wird, wollen wir uns nicht fürchten und daran denken, wer wir sind: der Leib Christi, der sich darum bemüht, Gott über alles zu lieben und im Geist des neuen und ewigen Bundes zu leben.

Wir sind nicht allein; der Geist von Pfingsten wohnt in uns. Wenn wir in völligem Vertrauen die Glocke des Gebets läuten, eilt uns die Gemeinschaft der Heiligen, in deren Mittelpunkt Maria steht, sofort zu Hilfe. Bewahrt die Hoffnung und seid fröhlich, denn das Reich Gottes ist nahe!    

Liebe Brüder und Schwestern, zum Ausklang dieser Feier wird die Botschaft verlesen, die der Heilige Vater für den Abschluss des Kongresses verfasst hat. Wir wollen mit großer Achtung und Dankbarkeit zuhören, denn der Papst ist unser geistiger Vater, ein Vater, der heilig und vertrauenswürdig ist und unseren ehrlichen Gehorsam verdient.

Möge unsere Gemeinschaft mit dem Leib Christi ein neues Band der Liebe entstehen lassen; vielleicht ist es ein kleines Samenkorn, aber kraft Gottes Gnade und Barmherzigkeit ein fruchtbares Saatgut.

Gemeinsam beten wir mit den Worten des hl. Ephräm, eines Diakons und Lehrers der Kirche: Herr, „[d]urch die Taufe bergen wir in unserem Leib deinen Schatz. Mehre ihn am Tisch deiner heiligen Geheimnisse. An deinem Tisch gib uns Freude über deine Gnade. Herr, wir tragen dein Gedächtnis in uns, das wir von deinem geistlichen Tisch empfangen haben. Gib es uns zum vollen Besitz in der kommenden Welt.“ (Sermo 3, De fine et admonitione 2. 4-5).  Amen!

[Übersetzung des englischen Originals von P. Thomas Fox LC]