Predigt von Papst Benedikt XVI. am Ostersonntag

Heilige Messe auf dem Vorplatz des Petersdoms

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ROM, 12. April 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung der Predigt, die Papst Benedikt XVI. heute, am Ostersonntag, während der Eucharistiefeier auf dem Petersplatz in Rom gehalten hat.

„Da Christus sich als das wahre Lamm für uns geopfert hat, können und müssen auch wir, seine Jünger – dank ihm und durch ihn – ‚neuer Teig‘ sein, ‚ungesäuertes Brot‘, das von allen Überbleibseln des alten Ferments der Sünde befreit ist: keine Bosheit und Schlechtigkeit mehr in unserem Herzen!“

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Liebe Brüder und Schwestern!

„Als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden!" (1 Kor 5, 7). So erschallt an diesem Tag der Ruf des heiligen Paulus, den wir in der zweiten Lesung gehört haben, die aus dem Ersten Korintherbrief entnommen ist. Es ist ein Text, der kaum zwanzig Jahre nach dem Tod und der Auferstehung Jesu entstanden ist und der doch – in der für gewisse paulinische Aussagen typischen Weise – in einer eindrucksvollen Synthese bereits das volle Bewußtsein des christlich Neuen enthält. Das zentrale Symbol der Heilsgeschichte – das Paschalamm – ist hier mit Jesus identifiziert, der eben als „unser Paschalamm" bezeichnet wird. Das jüdische Pascha, das Gedächtnis der Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens, sah in jedem Jahr den Ritus der Opferung der Lämmer vor, ein Lamm pro Familie, nach dem mosaischen Gesetz. In seinem Leiden und Sterben offenbart sich Jesus als das Lamm Gottes, das am Kreuz „geopfert" wird, um die Sünden der Welt hinwegzunehmen. Er wurde genau in der Stunde getötet, in der gewöhnlich die Lämmer im Tempel von Jerusalem geopfert wurden. Den Sinn dieses seines Opfers hatte er selbst während des Letzten Abendmahls vorweggenommen, indem er an Stelle der rituellen Speise und des rituellen Tranks des jüdischen Pascha-Mahles sich selber – unter den Zeichen von Brot und Wein – darbot. So können wir wirklich sagen, daß Jesus die Tradition des alten Pascha zur Vollendung geführt und es in sein eigenes Pascha verwandelt hat.

Von dieser neuen Bedeutung des Paschafestes her versteht man dann auch die Interpretation des „ungesäuerten Brotes", die der heilige Paulus gibt. Der Apostel bezieht sich auf einen alten jüdischen Brauch, nach dem zum Paschafest jeder auch noch so kleine Rest gesäuerten Brotes aus dem Haus zu entfernen war. Das war einerseits eine Erinnerung an das, was den Vorfahren bei ihrer Flucht aus Ägypten passiert war: Als sie eilig das Land verließen, hatten sie nur ungesäuerte Brotfladen mitgenommen. Zugleich war aber das „ungesäuerte Brot" ein Symbol der Reinigung: das Alte wegschaffen, um dem Neuen Platz zu machen. Nun bekommt auch diese alte Tradition einen neuen Sinn, erklärt der heilige Paulus, nämlich vom neuen „Exodus" her, vom Übergang Jesu aus dem Tod in das ewige Leben. Und da Christus sich als das wahre Lamm für uns geopfert hat, können und müssen auch wir, seine Jünger – dank ihm und durch ihn – „neuer Teig" sein, „ungesäuertes Brot", das von allen Überbleibseln des alten Ferments der Sünde befreit ist: keine Bosheit und Schlechtigkeit mehr in unserem Herzen!

„Laßt uns also das Fest … mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit feiern." Dieser Aufruf des heiligen Paulus, der die kurze, eben vorgetragene Lesung beschließt, klingt im Rahmen des Paulusjahres noch stärker. Liebe Brüder und Schwestern, nehmen wir die Aufforderung des Apostels an, öffnen wir dem gestorbenen und auferstandenen Christus unser Inneres, damit er uns erneuert, damit er das Gift der Sünde und des Todes aus unserem Herzen wegschafft und ihm den Lebenssaft des Heiligen Geistes eingießt: das göttliche und ewige Leben. In der Ostersequenz haben wir gleichsam als Antwort auf die Worte des Apostels gesungen: „Scimus Christum surrexisse a mortuis vere – wir wissen, daß Christus wirklich von den Toten auferstanden ist." Ja! Genau das ist das grundlegende Herzstück unseres Glaubensbekenntnisses; das ist der Siegesruf, der uns alle heute vereint. Und wenn Jesus auferstanden ist, wenn er also lebt, wer kann uns dann von ihm scheiden? Wer kann uns seine Liebe entziehen, die den Haß überwunden und den Tod besiegt hat?

Die Osterbotschaft breitet sich mit dem freudigen Gesang des Halleluja über die Welt aus. Singen wir es mit den Lippen, singen wir es vor allem mit dem Herzen und mit dem Leben, mit einer „ungesäuerten", das heißt einfachen, demütigen Lebensweise, die fruchtbar ist an guten Werken. „Surrexit Christus spes mea: / precedet suos in Galileam – Christus, meine Hoffnung, ist auferstanden und geht den Seinen voraus nach Galiläa." Der Auferstandene geht uns voraus und begleitet uns auf den Straßen der Welt. Er ist unsere Hoffnung, er ist der wahre Friede der Welt. Amen!

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