Preis „Ein Leben für das Leben“ an Carlo Casini

Preis der Bioethik „Ein Leben für das Leben“

| 1080 klicks

Von Emmanuele Di Leo

ROM, Donnerstag, 26. Mai 2011 (ZENIT.org). - Am 19. Mai verlieh die Fakultät für Bioethik des Athenäums „Regina Apostolorum“, Rom, an Carlo Casini den Preis „Ein Leben für das Leben“.

Der Preis, in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen, wird jährlich einer Person oder Institution überreicht, die in verschiedenen Bereichen den Wert, die Liebe und den Respekt zum menschlichen Lebens herausstellt und verteidigt.

Veranstaltet wurde die Ehrung von Verantwortlichen der Fakultät für Bioethik und begann mit der Lesung des Grußwortes des Rektors des Athenäums, Pater Pedro Barrajon LC, durch seinen Studienassistenten, Prof. Salvatore La Rosa. Dieser dankte dem Geehrten für seinen unermüdlichen Einsatz für die Verteidigung und Förderung der Würde des menschlichen Lebens. Der Rektor ehrte ihn für „ein jahrelanges, bewundernswürdiges und ehrenvolles Engagement in verschiedenen bürgerlichen und akademischen Bereichen, unter ihnen an unserem Pontificio Ateneo als eine Perle unter unseren Dozenten, besonders aber für den gezeigten Einsatz und den lobenswerten Mut im politischen Bereich. An der Spitze der italienischen Bewegung für das Leben haben Sie leidenschaftlich zahlreiche und denkwürdige Kämpfe ausgefochten zum Schutz dieses so kostbaren Geschenkes, das das menschliche Leben ist, für seine Würde und seine Heiligkeit, wobei Sie immer dem Lehramt der Heiligen Mutter Kirche treu waren.“

Danach folgte die Begrüßung und die Ehrung durch den Dekan der Fakultät für Bioethik, Pater Victor Pajares LC.

Ergriffen lauschten die Zuhörer der Laudatio von Pater Gonzalo Miranda LC, Ordinarius der Fakultät für Bioethik. „ Die Fakultät für Bioethik schätzt sich glücklich, unter ihren Dozenten den geehrten Herrn Casini zu haben. Die Bioethik ist jedoch eine ‚praktische‘ Disziplin, und daher beschränkt sich unser Interesse nicht nur auf die Hörsäle der Universitäten. Im Gegenteil, für uns hat die Teilnahme am sozialen Leben die höchste Bedeutung.“

Den Namen des Preises „Ein Leben für das Leben“ beschreibend,  hob Pater Gonzalo hervor, dass „die Verpflichtung, die wir heute erkennen, ein Engagement ‚für das menschliche Leben‘ in allen seinen Ausdrucksformen ist. Nicht ein abstraktes Leben, sondern konkrete, lebende Personen, vor allem die Schwächeren und die Opfer von Missbrauch und Gewalt, die leider sehr zahlreich in unserer Gesellschaft sind. Eine Gesellschaft, die eine große Sensibilität für einige Kategorien des menschlichen Seins zeigt, wie für die Kinder; aber es scheint, dass sie noch unfähig ist, die Würde allen menschlichen Seins zu erkennen, wie die der Ungeborenen oder derjenigen, die unfähig sind, mit anderen zu kommunizieren. Carlo Casini hat gekämpft und kämpft weiter für die Verteidigung des Lebens und seiner Würde, vor allem für diejenigen, die sich nicht selber verteidigen können.“

Weiterführend unterstrich der Dozent: „Ein langes Leben, sehr arbeitsreich und ein Geschenk für alle. Carlo, dem Leben haben Sie es gewidmet und tun es weiter, indem Sie sich selbst geben: mit Leib und Seele und in  vielfältigen persönlichen Beziehungen. Wir können wirklich sagen, dass das ganze Leben von Carlo Casini der Verteidigung und Förderung des Lebens gewidmet ist.“

Im Rahmen eines Grußwortes nahm auch der Erzbischof von Florenz Mons. Guiseppe Betori, Sekretär der italienischen Bischofskonferenz, an der Preisverleihung teil. Unter anderem schrieb er: „Es ist dies eine besondere Gelegenheit von ganzem Herzen meinen Dank auszudrücken für das viele, das Sie mit viel Verstand und ganzer Hingabe getan haben. Ihre Stellungnahmen waren immer aufschlussreich und Ihre Handlungen entscheidend.“

„Wie könnte das Tun von Carlo Casini besser beschrieben werden als mit seinen eigenen Worten in einem Interview von 1999?“ führte der Moderator aus und zitierte ihn: „Ich muss sagen, dass ich dieses wenige, das ich getan habe, vielleicht nicht einmal das für die ‚Bewegung für das Leben‘, ohne eine Ehegattin wie die meine hätte tun können. Das Thema des Lebens hat sie erspürt und  sich zu eigen gemacht. In der Bewegung sind verbindende Elemente, die der Annahme und der Anwerbung neuer Mitarbeiter.“

Die Ehegattin des Geehrten, Frau Maria Nitti, berichtete von ihrer Familie als eine, die sich dem Schutz und dem Wert des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, angenommen hat:

„Sein Engagement für das Leben ist nicht die Frucht eines einmaligen, vorübergehenden  Tatendrangs. Sein Einsatz  war und ist keine Episode, sondern war und ist – wirklich – das Geschenk des eigenen Lebens. Die Großzügigkeit, die Zähigkeit, die Konsequenz, der hohe Gerechtigkeitssinn sprechen für sich. Ein Geschenk – das des Lebens für das Leben – hat schon vor langem begonnen: Ich erinnere mich, dass ich diese Berufung Carlos bereits bei unserem Kennenlernen erahnt habe, als ich in einer Pfarrgemeinde an einer Konferenz über die Soziallehre der Kirche teilnahm, die er geleitet hat. Das ist lange her – es war 1961.“

Die Gattin des Geehrten hob hervor, dass ihr Gemahl niemals aufgrund seines Engagements seine Familie vernachlässigt habe, nicht als Ehemann und nicht als Vater. Er sei immer fürsorglich und zärtlich gewesen, „nie war er durch die Last der Verantwortung bei seinen vielfältigen Aufgaben niedergedrückt.“

So zeigte sich nach dem Zeugnis seiner Ehefrau bereits beim ersten Zusammentreffen, als er als Redner am Pult stand, das Bild eines Gatten, eines Vaters und einer Säule der Familie, der sehr ein großes Herz hat.

Unter großer Anteilnahme  des Publikums wurde dem Geehrten seitens des Dekans der Fakultät für Bioethik, Pater Pajares, die Preisplakette mit folgenden Worten überreicht: „Für Ihre fortwährende persönliche Hingabe und den unermüdlichen, professionellen Einsatz im ethischen und juristischen Bereich um den Respekt, die Verteidigung, die Liebe und des Dienstes am Leben, jedes menschlichen Lebens.“

[Übersetzung aus dem Italienischen: Maria Raphaela Hölscher]