Pressegespräch mit Papst Benedikt XVI. im Flugzeug (Teil 2)

Die Präsenz der Christen im Heiligen Land und der christlich-jüdisch-muslimische Dialog

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AMMAN, 9. Mai 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen den zweiten und letzten Teil des Gesprächs, das Papst Benedikt XVI. gestern, Freitag, auf dem Flug von Rom nach Amman (Jordanien) mit den Journalisten geführt hat, die ihn auf seiner Pilgerreise ins Heilige Land begleiten.

Teil 1 erschien in der ZENIT-Ausgabe vom 8. Mai.

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-- P. Lombardi: Heiligkeit, diese Reise hat zwei wesentliche Dimensionen des interreligiösen Dialogs: mit dem Islam und mit dem Judentum. Sind das zwei Richtungen, die nichts miteinander zu tun haben, oder wird es auch eine gemeinsame Botschaft geben, eine Botschaft, die mit allen drei Religionen zu tun hat, die sich auf Abraham beziehen?

-- Benedikt XVI.: Sicherlich gibt es auch eine gemeinsame Botschaft, und es wird Gelegenheit geben, sie darzulegen. Und auch wenn es einen Unterschied in den Ursprüngen gibt, so besitzen wir doch gemeinsame Wurzeln, weil - wie ich schon gesagt habe - das Christentum aus dem Alten Testament hervorgeht und das Neuen Testament ohne das Alte nicht existieren würde, da es sich andauernd auf die „Schrift" bezieht, das heißt auf das Alte Testament. Aber auch der Islam ist in einer Umgebung entstanden, in der sowohl der Judentum als auch die verschiedenen Zweige des Christentums (...) präsent waren, und all diese Umstände spiegeln sich in der Tradition des Korans wieder.

So haben wir also von unseren Ursprüngen her vieles gemeinsam  und auch im Glauben an den einen Gott. Deshalb ist es wichtig, auf der einen Seite den Dialog mit beiden Seiten beizubehalten, mit den Juden und mit dem Islam, und auf der anderen Seite auch einen dreiseitigen Dialog zu führen. Ich selbst habe eine Stiftung für den Dialog zwischen den drei Religionen mitgegründet, in der Persönlichkeiten wie der Metropolit Damaskinos und der Oberrabbiner von Frankreich, René Samuel Sirat, usw. vereint waren, und diese Stiftung hat auch eine Ausgabe der Bücher der drei Religionen veröffentlicht: Koran, Neues Testament und Altes Testament. Aus diesem Grund muss der dreiseitige Dialog weitergehen. Er ist sehr wichtig für den Frieden und auch - sagen wir es so -, um die eigene Religion gut zu leben.

-- Eine letzte Frage: Heiligkeit, Sie haben oft das Problem des Rückgangs der Christen im Nahen Osten und in besonderer Weise im Heiligen Land angesprochen. Es handelt sich um ein Phänomen, das verschiedene Gründe hat, die politischer, wirtschaftlicher und sozialer Natur sind. Was kann man konkret tun, um die christliche Präsenz in der Region zu unterstützen? Welchen Beitrag hoffen Sie mit Ihrer Reise zu leisten? Gibt es in der Zukunft für diese Christen Hoffnung? Werden Sie auch eine besondere Botschaft für die Christen von Gaza haben, die Sie in Bethlehem treffen werden?

-- Benedikt XVI.: Sicherlich gibt es Hoffnung, denn jetzt ist, wie Sie gesagt haben, zwar ein schwieriger Zeitpunkt, aber auch ein Augenblick der Hoffnung, des Neuanfangs, eines neuen Impulses auf dem Weg zum Frieden, und wir wollen die Christen im Heiligen Land und im ganzen Nahen Osten ermutigen, zu bleiben, ihren Beitrag in diesen Ländern ihrer Ursprünge zu leisten: Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Kultur und des Lebens dieser Regionen.

Konkret hat die Kirche neben Worten der Ermutigung, neben dem gemeinsamen Gebet, vor allem Schulen und Krankenhäuser. In diesem Sinn haben wir die Präsenz von sehr konkreten Wirklichkeiten: Unsere Schulen bilden eine Generation aus, die die Möglichkeit haben wird, im öffentlichen Leben präsent zu sein. Wir sind dabei, in Jordanien die katholische Universität zu gründen: Dies scheint mir eine großartige Perspektive zu sein, wo die jungen Menschen - sowohl Muslime als auch Christen - zusammenkommen, gemeinsam lernen, wo sich eine christliche Elite bildet, die dazu vorbereitet worden ist, gerade für den Frieden zu arbeiten. Aber im Allgemeinen sind unsere Schulen eine sehr wichtige Gelegenheit, um den Christen eine Zukunft zu eröffnen, und die Krankenhäuser zeigen unsere Präsenz.

Darüber hinaus gibt es viele christliche Vereinigungen, die den Christen auf unterschiedliche Weise helfen und ihnen mit konkreten Unterstützungen Anreize geben, damit sie bleiben. So hoffe ich, dass die Christen wirklich den Mut, die Demut, die Geduld aufbringen können, in diesen Ländern zu bleiben, ihren Beitrag zur Zukunft dieser Länder anzubieten.

-- P. Lombardi: Danke, Heiligkeit. Mit diesen Antworten haben Sie uns geholfen, unsere Reise von einem spirituellen Gesichtspunkt, einem kulturellen Gesichtspunkt aus richtig einzuordnen. Ich wiederhole die Glückwünsche, auch seitens aller Kollegen, die bei diesem Flug dabei sind, und auch seitens anderer, die gerade ins Heilige Land fliegen, um gerade auch vom Gesichtspunkt der Information her mitzuwirken und zu helfen, damit diese Ihre so anspruchsvolle Mission erfolgreich ist. Ihnen und allen Ihren Mitarbeitern einen guten Flug, und gute Arbeit auch meinen Kollegen!

[Transkription von Radio Vatikan, ZENIT-Übersetzung von Domink Hartig]