Pressekonferenz auf der Rückreise vom Heiligen Land

Papst Franziskus steht Rede und Antwort

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 359 klicks

Wie auch schon auf dem Rückflug im Anschluss an den Weltjugendtag in Rio de Janeiro gab Papst Franziskus auch auf der Rückreise seiner soeben beendeten Reise in das Heilige Land eine Pressekonferenz im Flieger vor einer Delegation von Journalisten. Das Gespräch dauerte etwa 40 Minuten und umfasste verschiedene Themenbereiche.

Zunächst äußerte sich Papst Franziskus zu seiner Einladung des israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres und des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas, die nicht als Ansatz zu Verhandlungen zu verstehen sei. Einzig und allein das gemeinsame Beten für den Frieden und keine Verhandlungen stünden hinter der Begegnung, so der Papst zu den anwesenden Journalisten. Die Präsidenten hätten den Mut, einen Schritt nach vorne zu gehen. Ein Termin stehe noch nicht fest; die im „Osservatore Romano“ veröffentlichte Mutmaßung, es handle sich um den 6. Juni, wurde dementiert. Papst Franziskus sagte, das Gebet sei ursprünglich bereits für die Reise geplant gewesen, sei jedoch aufgrund von organisatorischen Problemen nicht durchführbar gewesen.

Zu seiner Beziehung zum Patriarchen Bartholomaios I. sagte Papst Franziskus, sie würden miteinander wie Brüder reden und sich über die Schwierigkeiten in den jeweiligen Ämtern austauschen. Ein weiteres Gesprächsthema sei die Wirtschaft gewesen, die beiden Sorgen bereite und zu der man eine gemeinsame Initiative planen wolle. Überdies wolle man ein gemeinsames Datum für Ostern finden.

Im Anschluss äußerte sich der Papst zu einigen in der nächsten Zeit geplanten Initiativen, wie einem Gottesdienst in der ersten Juniwoche mit acht Opfern sexuellen Missbrauchs im Gästehaus Santa Marta im Vatikan, von denen zwei aus Deutschland kommen. Im Anschluss werde er sich in privaten Gesprächen mit den Opfern über ihre Erlebnisse und Erfahrungen unterhalten. An der Messe werde auch der Vorsitzende der vatikanischen Kinderschutzkommission, Kardinal Sean Patrick O’Malley teilnehmen, so Papst Franziskus. Er betonte vor den Journalisten, die Kirche dulde gegenüber pädophilen Übergriffen keine Toleranz und für die Beschuldigten gebe es keine Privilegien, auch nicht für die drei Bischöfe, gegen die zur Zeit ermittelt werde. Der Papst wählte deutliche Worte und sagte diesbezüglich wörtlich:

„Sexueller Missbrauch ist eine schreckliche Straftat, weil ein Geistlicher, der so etwas tut, Verrat begeht am Leib des Herrn. Das ist wie eine satanische Messe.”

Zu dem immer wieder gerne von Journalisten angesprochenen Thema des Zölibats sagte der Papst, das Zölibat sei kein Glaubensdogma, ein unverheirateter Priester sei ein Geschenk an die Kirche, das er schätze. Die Türen für eine Diskussion seien offen, zurzeit beschäftige man sich jedoch mit für die Kirche wichtigeren Themen.

Eines dieser Themen sei die Kurienreform, mit deren bisherigem Gang sich der Papst zufrieden zeigte. Er sagte, in der ersten Juliwoche werde es ein weiteres Treffen des achtköpfigen Kardinalsrates geben; ein erneutes Treffen in diesem Jahr sei für September geplant. Bezüglich der Vatikanbank IOR sagte Papst Franziskus, es seien hunderte von Konten von Personen geschlossen worden, die zu diesen kein Recht hatten; die IOR existiere, um der Kirche zu helfen.

Papst Franziskus ging auch auf die anstehende Synode zur Familie ein und sagte, es enttäusche ihn etwas, dass einige Personen, auch aus den Reihen der Kirche, alles auf die Frage reduzierten, ob geschiedene Wiederverheiratete zur Kommunion gehen können oder nicht. Wie schon Benedikt XVI. sei auch er der Ansicht, man müsse die Prozeduren genauer betrachten und klären, dass die Geschiedenen nicht exkommuniziert seien, denn so würden sie oft behandelt werden.

Über die stagnierende und umstrittene Seligsprechung von Pius XII. sagte Papst Franziskus, es fehle der Nachweis eines Wunders. So sei der Prozess nicht blockiert, sondern offen. Das Verfahren hatte im Dezember 2009 eine entscheidende Hürde genommen, als man den heroischen Tugendgrad zuerkannte. Kritiker werfen Pius XII. vor, er habe zum Holocaust geschwiegen, besonders von jüdischer Seite wird das Verfahren kritisiert.

Bezüglich seines Vorgängers Benedikt XVI. sagte Papst Franziskus, er habe mit seinem Rücktritt ein Zeichen für kommende Papstgenerationen gesetzt, eine Möglichkeit geschaffen, die es vorher nicht gegeben habe. Auch für sich selbst schloss Papst Franziskus einen Rücktritt nicht aus, wenn er fühle, dass seine Kräfte schwinden. Er sagte:

„Ich werde das tun, was mit der Herr aufträgt: beten, versuchen, den Willen Gottes zu tun. Benedikt XVI. hatte keine Kraft mehr, und er hat ganz ehrlich, als ein Glaubensmann, demütig wie er ist, diese Entscheidung getroffen. Vor 70 Jahren gab es keine emeritierten Bischöfe. Was wird mit den emeritierten Päpsten geschehen? Wir müssen Benedikt XVI. wie eine Institution betrachten; er hat eine Tür geöffnet, die der emeritierten Päpste. Die Tür ist offen, es wird andere geben oder auch nicht. Das weiß nur Gott. Ich denke, ein Bischof von Rom muss sich die gleichen Fragen stellen, die sich Benedikt XVI. gestellt hat, wenn er spürt, dass seine Kräfte schwinden.”

Zu seinen künftigen Reisen sagte Papst Franziskus, er werde im Januar 2015 die 2004 vom Tsunami heimgesuchten Regionen der Philippinen besuchen. Er werde sich zwei Tage auf Sri Lanka aufhalten und von da aus vier Tage auf dem Inselstaat weiterreisen. Auf seiner Reise nach Südkorea im August werde er am asiatischen Jugendtag teilnehmen und in der Hauptstadt Seoul eine Seligsprechung von Märtyrern vornehmen.