Priesterbruderschaft Pius X. soll sich zum Zweiten Vatikanum bekennen

Öffentliche Erklärung von Papst Benedikt XVI. am Ende der Generalaudienz

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ROM, 28. Januar 2009 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat, wie Radio Vatikan heute berichtete, die Bischöfe der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. dazu ermahnt, die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils anzuerkennen. Er tat dies in einem ungewöhnlichen Schritt, nämlich mit der Verlesung einer kurzen öffentlichen Erklärung gegen Ende der heutigen Generalaudienz.

„Ich habe vor einigen Tagen den Nachlass der Exkommunikation für die vier Bischöfe entschieden, die 1988 von Erzbischof Lefebvre ohne päpstlichen Auftrag geweiht worden waren", erklärte Papst Benedikt.

„Ich habe diesen Akt der väterlichen Barmherzigkeit gesetzt, weil diese Prälaten mir wiederholt ihr tiefes Leiden an der Situation bekundet haben, in der sie sich befanden. Ich wünsche, dass auf diese meine Geste das umgehende Bemühen von ihrer Seite folgt, die weiteren notwendigen Schritte zu setzen, um die volle Einheit mit der Kirche zu realisieren. Auf diese Weise sollen sie ihre echte Treue bekunden und bezeugen, dass sie das Lehramt, die Autorität des Papstes und das Zweite Vatikanische Konzils aufrichtig anerkennen."

Die Priesterbruderschaft hatte nach der Bekanntgabe der Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe gegenüber dem Papst ihre „kindliche Dankbarkeit" zum Ausdruck gebracht und betont, dass seine Entscheidung „über die Priesterbruderschaft St. Pius X. hinaus eine Wohltat für die ganze Kirche" sein werde. „Unsere Bruderschaft wünscht, dem Papst immer mehr helfen zu können."

Die antisemitischen Aussagen von Bischof Williamson zum Holocaust hat nun auch der Distriktoberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland scharf zurückgewiesen. „Ich bin ich mit meinen Mitbrüdern erschüttert", bekräftigte Pater Franz Schmidberger. „Die Verharmlosung der Judenmorde des NS-Regimes und dessen Gräueltaten sind für uns inakzeptabel. Die Verfolgung und Ermordung von zahllosen Juden im Dritten Reich berührt uns äußerst schmerzlich, verletzt sie doch zutiefst das christliche Gebot der Nächstenliebe, die keine ethnischen Unterschiede kennt. Ich möchte mich für dieses Verhalten entschuldigen und mich von jedweder Aussage dieser Art distanzieren."

Der Priester erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass der Vater von Erzbischof Lefebvre selbst in einem KZ umgekommen sei und auch viele katholische Priester in Hitlers Straflagern ihr Leben ließen.

Ein klares Bekenntnis der Priesterbruderschaft zum Lehramt, zur Autorität des Papstes und zum Zweiten Vatikanischen Konzil steht noch aus.