Priestertum ist kein Beruf wie jeder andere

Verdunkeltes Priesterbild hemmt Berufungen: Richtlinien für eine erneuerte Berufungspastoral

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Von Jan Bentz

Vatikanstadt, 27. Juni 2012 (ZENIT.org). – Bei der Vorstellung des Dokuments „Pastorale Richtlinien zur Förderung der Berufungen zum Priestertum“ [ZENIT berichtete] ging der Sekretär der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Msgr. Jean-Louis Bruguès, auf den zweiten Teil mit dem Titel „Berufung und Identität des Amtspriestertum“ ein, wobei er zunächst einen hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft gab: Wenn das Weihepriestertum wahrhaft so gelebt werde, wie es dem Willen des Herrn entspricht, könne die Kirche sicher sein, dass es ein erneutes Aufblühen von Berufungen geben werde. Diese Wahrheit des Priesteramtes bilde keine Konkurrenz für die anderen Berufungen in der Kirche.

Vorgestellt werden in dem Dokument grundlegende Charakteristiken des Amtspriestertums mit Rückbeziehung auf das Zweite Vatikanische Konzil und der Weiterentwicklung des postkonziliaren Lehramts, vor allem in „Pastores dabo vobis“. Neben den grundlegenden Aspekten werden besondere Eigenschaften des Priestertums hervorgehoben, die in der heutigen Zeit verdunkelt und bedroht sind oder an zweite Stelle gesetzt werden.

Es gebe eine zunehmende Tendenz, das Priestertum als Beruf unter anderen anzusehen, zu dem vor allem professionelle Fähigkeiten erwartet würden. Die Gefahren bestünden in einem übertriebenen Aktivismus, in zunehmendem Individualismus, der den Priester vereinzelt, Verwechslung der Rollen der Verantwortungsträger in der Kirche, weswegen sich nicht alle auf die einzigartige Mission des Gottesvolkes ausrichten, den Auferstandenen in der Welt sichtbar zu machen.

Die Berufung zum Amtspriestertum drücke sich in einem „Liebesdialog zwischen Gott und dem Menschen“ aus, der der Beziehung zwischen Gott und Christus eine besondere Qualität verleiht.

Diese Beziehung erfordere eine besondere Pflege durch eine angemessene Zeit, die ihr vom Priester täglich zugemessen werde. Jesus habe seine zwölf Apostel nicht berufen, um ihnen eine Funktion anzuvertrauen, sondern um sie in einer ganz besonderen Art zu den Seinen zu machen.

Diese Beziehung präge auch die Beziehung zur christlichen Gemeinschaft, in deren Innerem der Priester die Identität Christi als Haupt annehme, äußerlich ist der Priester bedingungsloser Diener wie Christus selber. Dafür müsse er ein glaubwürdiger Verkünder sein, die Sakramente spenden, die „Einheit der Herde“ sichern und Brüderlichkeit untereinander fördern.

Ein besonderer Akzent bestehe in der dreifaltigen Dimension des Priestertums. Die priesterliche Berufung fügt sich in das christliche Leben ein, aus dieser Einheit entstehe eine unausschöpfliche Quelle der Liebe, die die „anvertraute Herde nährt“. In dieser apostolischen Brüderlichkeit zeige sich das Geschenk der Einheit der Kinder Gottes mit dem Vater und dadurch auch der brüderlichen Liebe untereinander.

Aus diesen Überlegungen ergäben sich Konsequenzen für das Erkennen, für Förderung  und Wachstum von Berufungen. Folgende grundlegenden Charakteristiken müssten die Ausbildung und die Tätigkeit der Verantwortlichen leiten:

Tiefe Erfahrung gemeinschaftlichen Lebens zur Vermeidung neuer Formen des Klerikalismus; gewissenhafte Formung der Beziehung zum Dreifaltigen Gott; affektive Reife und eine integrale Persönlichkeit; weite und gefügige Teilhabe am kirchlichen Kontext mit einer konkreten Liebe zur eigenen Ortskirche; gut gebildete geistliche Leiter, die eine gute Beziehung mit dem Berufenen aufbauen können, und gute priesterliche Vorbilder wie der hl. Pfarrer von Ars.