Priesterweihe und Paulusjahr, Auftakt zu wahrer Gebets- und Umkehrbewegung

Predigt von Bischof Klaus Küng bei der Priesterweihe im Dom zu Sankt Pölten

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SANKT PÖLTEN, 1. Juli 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Predigt, die der Sankt Pöltner Diözesanbischof DDr. Klaus Küng am Hochfest Peter und Paul im Sankt Pöltner Dom gehalten hat.

Der österreichische Familienbischof verwies bei der Weihe von fünf Neupriestern auf die Aktualität des Völkerapostels Paulus. Außerdem betonte er, dass Priester weder Genies noch fehlerfrei sein müssten. Notwendig sei es vielmehr, „sich durch die Pflege des Gebetes fest in Gott zu verankern und immer wieder zu ihm zurückzukehren“.

Abschließend bekräftigte der Bischof: „Im Übrigen ist es klar, dass der Priester allein die Kirche nicht ausmacht. Es muss unser aller großes Verlangen sein, dass die Kirche in den Herzen der Gläubigen erwacht.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

Bei der Ankündigng des Paulusjahres vor einem Jahr hat der Heilige Vater gesagt: "Wie in den Anfangszeiten braucht Christus auch heute Apostel, die bereit sind, sich selbst zu opfern. Er braucht Zeugen und Märtyrer wie den heiligen Paulus...Er lebte und arbeitete für Christus, für ihn litt und starb er. Wie zeitgemäß ist heute sein Vorbild!"

Er ist ein Vorbild für alle: Priester und Laien, Jung und Alt. Wir sind froh darüber, dass heute fünf Diakone unserer Diözese zu Priestern geweiht werden. Sie haben ihre Geschichte, es ist eine Geschichte, die mit der Geschichte unserer Diözese verknüof ist und daher irgendwie auch mit unserer eigenen Geschichte. Diese Stunde hat m. E. etwas Zeichenhaftes an sich: Es ist als ob der Herr uns sagen möchte: Schaut nicht mehr zurürck, schaut nach vorne, der Segen Gottes fehlt euch nicht. Die Befreiung des hl. Petrus aus dem Kerker führt uns vor Augen, wie das Gebet der Kirche hilft und dass der Herr die Seinen nicht im Stich lässt, und vom hl. Paulus empfangen wir das Zeugnis: "Der Herr stand mir zur Seite".

Diese heutige Priesterweihe, die in eine bestimmte Entwicklungsphase unserer Diözese fällt, und der Beginn des Paulusjahres sind eine Einladung zu missionarischem Aufbruch.

Vor etwas mehr als einem Jahr haben wir in unserer Diözese mit einem Erneuerungsprozess begonnen und stehen vor einem Neuanfang im Pastoralamt, in der Leitung der Diözese, in den Pfarren. Es wäre mein großer Wunsch, dass es zu einem Aufbruch möglichst aller wird.

Zunächst möchte ich anregen, dass wir alle gut hinhören, was die Weihekandidaten vor dem Empfang der Weihe versprechen: Gleich in der ersten Frage heißt es, dass sie unter der Führung des Hl. Geistes die Gemeinde des Herrn umsichtig leiten sollen; danach folgt die Frage, ob sie bereit sind, in der Verkündigng des Evangeliums und in der Darlegung des katholischen Glaubens den Dienst am Wort Gottes treu und gewissenhaft zu erfüllen.

Vor allem sollen sie die Mysterien Christi, besonders die Sakramente der Eucharistie und der Versöhnung, gemäß der kirchlichen Überlieferung zum Lobe Gottes und zum Heil seines Volkes in gläubiger Ehrfurcht feiern und zusammen mit dem Bischof im Gebet Gottes Erbarmen für die ihnen anvertrauten Gemeinden erflehen. Schließich ist es auch ihre Aufgabe, den Armen und Kranken beizustehen sowie den Heimatlosen und Notleidenden zu helfen. Im letzten, dem Gehorsamversprechen vorausgehenden Punkt wird dann noch zusammenfassend gefragt, ob sie bereit sind, sich durch alle diese Aufgaben von Tag zu Tag enger mit Christus zu verbinden und so zum Heil der Menschen für Gott zu leben.

Das ist ein schönes und zugleich sehr anspruchsvolles Programm. Da drängt sich die Frage auf: Ist es realistisch? Wir haben doch zu wenig Priester? Es sind zwar diesmal fünf, aber werden unsere Weihekandidaten die Aufgaben erfüllen können, die sie heute versprechen? Oder werden sie im Laufe der kommenden Jahre immer rascher zwischen den Gemeinden hin- und herfahren ohne Zeit für Gott, für sich selbst und die anderen? Werden sie nach und nach aufgerieben werden, weil durch die kleiner werdende Zahl der Priester die Belastung des Einzelnen immer größer wird?

Ohne Zweifel sind die Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, groß, sie treffen aber nicht nur die Priester, und wenn die Grundlage stimmt und wir dieser Grundlage entsprechend bemüht sind, dann gibt es allen Grund zu Hoffnung: es werden christliche Familien entstehen und auch genügend geistliche Berufe kommen.

Zunächst scheint es mir angebracht, nochmals zu den Bereitschaftserklärungen vor der Priesterweihe zurückzukehren: In der ersten heißt es u.a.: "Seid ihr bereit, das Priesteramt als zuverlässige Mitarbeiter des Bischofs auszuüben und so unter der Führung des Heiligen Geistes die Gemeinde des Herrn umsichtig zu leiten?"

Es geht also um "die Gemeinde des Herrn", nicht um irgendeine Gemeinde. Wie entsteht sie? Dies ergibt sich aus den danach folgenden Bereitschaftserklärungen. "Die Gemeinde des Herrn" entsteht durch die Verkündigung des Evangeliums und durch die treue und gewissenhafte Erfüllung des Dienstes am Wort Gottes. Die Mysterien Christi, besonders die Sakramente der Eucharistie und der Versöhnung sind das Fundament, Christus ist die Mitte. Dazu kommt die Liebe, mit der die Gläubigen betreut werden und die in ihren Herzen geweckt wird.

Es ist Christus, der die Gläubigen versammelt und aussendet; es ist Christus, der sie gesund macht und zu christlichem Verhalten beflügelt; es ist Christus, der ihre Liebe entzündet und sie in Salz und Licht für die Gesellschaft verwandelt.

Für euch, liebe Weihekandidaten, leitet sich daraus ab, dass ihr keine Genies zu sein braucht, auch die Apostel waren keine. Sie haben freilich ihr Leben für den Glauben hingegeben. Notwendig ist, dass ihr für den Glauben brennt und dass durch euer Bemühen auch andere mit euch für Glauben brennen.

Es ist auch nicht notwendig, dass ihr fehlerfrei seid, die Apostel waren das ebenfalls nicht. Petrus hat aber wegen seiner Verleugnungen geweint und Paulus lernte, gerade in seiner Schwachheit stark zu werden, indem er ganz auf den Herrn baute, und das muss auch euer und unser aller Weg sein. Deshalb ist es erforderlich, sich durch die Pflege des Gebetes fest in Gott zu verankern und immer wieder zu ihm zurückzukehren. Dafür müssen wir uns Zeit nehmen, sonst läuft alles verkehrt. Und alle brauchen wir auch den Beistand Christi, des Erlösers. Es gehört zu den wichtigsten und wertvollsten Diensten des Priesters, mit weitem Herzen für die Gläubigen dazu sein, insbesondere für Aussprachen und für die Spendung des Bußsakramentes, und für den Priester selbst ist der regelmäßigge Empfang des Bußsakramentes genau so notwendig wie für die anderen.

Im Übrigen ist es klar, dass der Priester allein die Kirche nicht ausmacht. Es muss unser aller großes Verlangen sein, dass die Kirche in den Herzen der Gläubigen erwacht. Es ist nicht nur der Priester, der das Evangelium verkündet. Da sind auch Diakone, Pastoralassistenten, Religionslehrer. Und wie wichtig ist es, dass die Eltern mittun, dass unter den Heranwachsenden und den Erwachsenen Talente entdeckt und gefördert werden, die in der Aufgabe der Verkündigung mitwirken können. Und nicht nur dem Priester ist es vorbehalten, ein Lehrmeister des Gebetes zu sein. Ein Kind, das nicht auf dem Schoß der Mutter beten lernt, das nie den Vater beten sieht, wird sich sehr wahrscheinlich immer schwer tun. Und auch dort, wo kein Priester im Ort wohnt, sollte das Gebet gepflegt werden.

Es ist nicht nur der Priester, dem eine missionarische Aufgabe zukommt, jeder Getaufte und Gefirmte sollte in seiner Familie, am Arbeitsplatz oder am Stammtisch ein Missionar sein. Große Potentiale sind in unserer Kirche vorhanden, sie müssen nur entdeckt und belebt werden. Festzuhalten ist schon auch, dass nicht nur der Priester derjenige ist, der beweglich sein muss, alle müssen dazu bereit sein. Welche Strecken zu Fuß haben unsere Vorfahren bewältigt, um den Gottesdienst am Sonntag zu erreichen! Wenn alle das Ihre zum Gelingen der Erneuerung beitragen, haben wir allen Grund optimistisch zu sein.

Zuallerletzt möchte ich noch etwas hinzufügen: Ich halte es für eine gute Fügung, wenn diese Priesterweihe und unsere Bemühungen um Erneuerung mit dem Beginn des Paulusjahres zeitlich zusammenfallen. Der Heilige Vater ermutigt zum Besuch von Pauluskirchen, zur Gewinnung von Ablässen durch Empfang des Bußsakramentes, durch Empfang der hl Kommunion und durch Gebet. Diese Einladung des Hl. Vaters steht ganz im Einklang mit unserem Erneuerungsvorhaben: Gebet, der Wille zu Umkehr und die Suche nach Vereinigung mit Christus sind wesentliche Voraussetzungen. Wie schön und wertvoll wäre es, wenn in diesem Paulusjahr eine wahre Gebets- und Umkehrbewegung an Kraft gewänne.

So wünsche ich euch, liebe Weihekandidaten, euren Angehörigen und Freunden Gottes Segen, viel Mut und Zuversicht. Möge euch die Fürsprache der Apostel Petrus und Paulus sowie die Fürsprache der Königin der Apostel, Maria, in allem beistehen und begleiten.

[Von der Diözese Sankt Pölten veröffentlichtes Original]