Prior von Taizé dankbar für ökumenisches Engagement des Papstes

Gemeinschaft von Taizé von Katholischer Akademie mit Ökumenepreis ausgezeichnet

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Michaela Koller

MÜNCHEN, 23. Oktober 2009 (ZENIT.org).-Frère Alois Löser, Prior der Gemeinschaft von Taizé, hat am Donnerstag in München die Bemühungen Papst Benedikts XVI. um Aussöhnung mit den Traditionalisten gewürdigt. Auf Anfrage von Zenit sagte der Prior: „Das ist eine wichtige Initiative, auch wenn Einiges unglücklich gelaufen ist." Frère Alois hielt sich in der bayerischen Hauptstadt auf, um den Ökumenischen Preis 2009 der Katholischen Akademie in Bayern stellvertretend für seine Gemeinschaft entgegen zu nehmen.

Seine Gemeinschaft begrüße besonders, dass der katholisch-orthodoxe Dialog mit der Sitzung der „Gemischten Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen" in Paphos auf Zypern „einen Schritt weiter" gekommen sei. Zwischen der Gemeinschaft von Taizé und verschiedenen orthodoxen Kirchen gibt es dem Prior zufolge einen intensiven Austausch. Abgesehen von Besuchen in den jeweiligen Patriarchaten, habe der vormalige russisch-orthodoxe Patriarch Alexei II. sowie sein Nachfolger Kyrill I. bereits Taizé besucht. „Wir haben gute Beziehungen. Patriarch Kyrill war schon zweimal bei uns", verriet Frère Alois.

Viele Jugendliche aus orthodoxen Kirchen, etwa aus Serbien, Rumänien, der Ukraine und Russland, reisen nach Taizé. Frère Alois und seine Mitbrüder forderten sie auf, nach ihrer Heimkehr in ihre Kirchen zu gehen, wo sie getauft seien. „Taizé kann nicht der Bezugspunkt ihres Glaubens sein. Das müssen die Ortskirchen sein", erklärte der Prior. Der vormalige Patriarch von Moskau, Alexei, habe dies bereits zu schätzen gewusst. Zugleich sei er dankbar für das Vertauen, dass Papst Benedikt XVI. der Gemeinschaft entgegenbringe, indem er sie während einer Audienz in ihrem Tun bestärkt habe. Dies sei ein ökumenisches Engagement des Papstes, das die Gemeinschaft selbst betreffe.

In seinem Dankeswort betonte Frère Alois zudem mit Blick auf die anhaltende Trennung der Kirchen: „Was uns eint, ist viel wichtiger als das, was uns trennt." Die Christen sollten nicht länger derart viel Kraft in Kleinkriegen verlieren, die sich manchmal schon innerhalb der Kirchen zutragen. „Wenn die Christen getrennt sind, wird die Botschaft des Evangeliums unhörbar", warnte er. Die Versöhnung sei „die Herzmitte" des Evangeliums. Er forderte dazu auf, regelmäßig interkonfessionelle Abendgebete für Jugendliche zu veranstalten, „an bezeichnenden Orten" wie Grenzen, Gefängnissen oder städtischen Problemvierteln.

Mit der Ehrung ist ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro aus der Stiftung Wilhelm und Antonie Gierlichs verbunden. Der vorige Preisträger war der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper. Die Katholische Akademie in Bayern begründete die aktuelle Verleihung mit der vorbildlichen Art, in der in Taizé „ökumenische Offenheit mit dem dankbaren Stehen zur je eigenen Glaubenstradition" verbunden werde, „gerade im zeitlichen Vorfeld des Zweiten Ökumenischen Kirchentags 2010 in München". Das Preisgeld wird nach Angaben des Priors der Gemeinschaft von Taizé in den Druck von einer Million Bibeln in der Volksrepublik China verwendet, wo diese verteilt werden.

Die Communauté de Taizé in Burgund wurde am 17. April 1949 von dem reformierten Theologen Roger Schutz gegründet. Die Anfänge der Gemeinschaft reichen aber bis in die Tage des Zweiten Weltkriegs zurück. Aktuell umfasst sie etwa 100 Brüder verschiedener Konfessionen aus mehr als 20 Nationen. Sie arbeiten und beten nicht nur in Taizé. In Solidarität mit den Menschen, die im Elend leben, wirken kleine Gemeinschaften der Brüder auch in Afrika, Asien und Lateinamerika. Seit 1978 finden zum Jahreswechsel mehrtägige Europäische Jugendtreffen statt. In diesem Jahr laden die Brüder nach Posen in Polen ein, vom 29. Dezember 2009 bis zum 2. Januar 2010. In unregelmäßigen Abständen werden auch Treffen außerhalb Europas veranstaltet. Nicht nur durch ihre ökumenischen Ziele, sondern auch durch ihre Gebete und Gesänge, die in vielen Sprachen übersetzt sind, ist die Communauté de Taizé weltweit bekannt.