Priorin des Karmels von Coimbra erinnert sich an Schwester Lucia

Die Seherin von Fatima führte ein demütiges, bescheidenes Leben

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COIMBRA/ROM, 22. Februar 2005 (ZENIT.org). Die am 13. Februar verstorbene Fatima-Seherin Schwester Lucia sei zwar die "Perle" im Kloster von Coimbra (Portugal), ihr Leben hinter den Klostermauern aber genauso unscheinbar wie das jeder anderen Ordensfrau gewesen, sagte Schwester Maria Celina, die ehemalige Priorin der 97-jährig verstorbenen Portugiesin.



"In diesen letzten Tagen, besonders seit dem 15. Juni 2004, war von uns immer jemand bei ihr –24 Stunden am Tag. So wurde sie uns immer vertrauter", berichtete die Priorin des Theresianischen Karmels von Coimbra im Gespräch mit der Nachrichtenagentur "Ecclesia". Aber eine solche Begleitung erfahre natürlich jede Ordensfrau, die im Sterben liege, ergänzte sie, und verwies dabei auf die Tatsache, dass solche Notsituationen immer tiefere Verbundenheit schaffe. "Seit dem 21. November 2004, als sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte, wurde sie abhängiger von uns", fuhr Schwester Maria Celina fort. Sie habe auch die Einfachheit von Schwester Lucia bemerkt. Selbst die "Last" des Geheimnisses von Fatima, das die Seherin jahrzehntelang bewahren musste, habe ihre demütige Gesinnung nicht beeinträchtigt.

Die Priorin, die 28 Jahre mit Schwester Lucia im Kloster von Coimbra verbrachte, erinnert sich noch an die ganz normalen Gespräche, die sie miteinander führten. Und erst acht Tage nach ihrer Ankunft im Kloster hätte sie herausgefunden, dass sie Schwester Lucia, die Seherin von Fatima, vor sich hatte. Im Laufe der Jahre sei dann zwischen ihnen eine so tiefe Verbundenheit entstanden, dass die Priorin Schwester Lucia "als ihre Nichte" ansah. Der Tod der Zeugin der Erscheinungen der heiligen Jungfrau Maria sei für die Schwestern ihrer Gemeinschaft sehr traurig gewesen, erklärte die Priorin: "Sie war ein Teil unseres Leben und, wie Sie gut verstehen können, in einem Karmelitinnenkloster, in dem man zurückgezogen lebt, ist man rund um die Uhr miteinander in Kontakt."

Bezüglich der Mission, die der damaligen Hirtin von Fatima anvertraut wurde, sagte Schwester Maria Celina: "Nicht Schwester Lucia war es, die diese Nachricht mitteilen wollte. Sie wurde damit betraut, sie anderen zu überbringen."

Nun weile Schwester Lucia zwar nicht mehr physisch unter den Ordensfrauen von Coimbra, aber Schwester Maria Celina ist sich sicher, dass "sie auf eine andere Weise mit uns ist. Geht man an ihrer Zelle vorbei, bekommt man Lust, hineinzugehen – aber sie ist nicht mehr dort", sagte sie im Interview. "Nicht auf sinnlich wahrnehmbare Weise" sei sie zugegen, "aber im Glauben wissen wir, dass sie bei uns ist".

Dank dem Zeugnis ihres Lebens werde Schwester Lucia viele Berufungen zum kontemplativen Leben erwecken. "Gott zieht aus allen Dingen Nutzen: Es ist derjenige, der ruft. Es war kein Zufall, dass meine Berufung entstand, als ich ein Gespräch über dieses Kloster hörte, in dem die kleine Hirtin Schäferin nur dafür lebte, um zu beten. Und ich sagte: So will ich auch sein."

Schwester Maria Lucia von Jesus und dem Unbefleckten Herzen, die letzte Zeugin der Erscheinungen unsere Lieben Frau von Fatima aus dem Jahre 1917, starb am 13. Februar 2005 im Theresianischen Karmel von Coimbra, in dem sie seit 1948 lebte. Sie war 97 Jahre.