Projekt „Hoffnungskinder": P. Sporschill SJ ermutigt zum Einsatz für Notleidende

1. „Ich liebe dich!", 2. „Ich brauche dich!" und 3. „Du kannst es!"

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WIEN, 23. Januar 2009 (ZENIT.org).- „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts!" Unter diesen Titel mit Betonung des Rufzeichens stellte der Jesuitenpater Georg Sporschill am Mittwochabend in Wien seine Vision von der Zukunft der Kirche vor.

Begeistert von der Jugend, die ihn seit vielen Jahren bei seinen Projekten mit Straßenkindern in Rumänien und mittlerweile auch in Moldawien als Volontäre aus den Eu-Staaten unterstützen, und besorgt und interessiert an den Fragen, die sie ihm zum Thema Kirche stellen (vgl. das Buch „Jerusalemer Nachtgespräche", mittlerweile in sieben Sprachen erhältlich, ZENIT berichtete), will der Priester für die Kirche in Wien einen neuen Aufbruch wagen. Diesbezüglich fragte er sich und alle Anwesenden: Wie können wir die Kräfte der Jugend gewinnen? Wie können wir den Menschen helfen? Wie können wir die Jugend stärken?

Der 14. März, Fest des Schutzpatrons von Wien, Clemens Maria Hofbauer, soll der Anstoß für eine neue engagierte Bewegung sein. Konkret möchte der Jesuitenpater 1.000 Jugendliche für 1.000 Jobs gewinnen. Und dafür sucht er noch Mitarbeiter. Unter dem Motto „Wir greifen an - mit mutigem Herzen" will er mit allen, die sich dafür begeistern lassen, die „Jugend im Wohlstand anzünden". Das ist sein Ziel.

Seit mehr als 15 Jahren arbeitet Pater Sporschill mit Jugendlichen aus den EU-Mitgliedsstaaten an seinem Projekt Concordia, was übersetzt „Herzen zusammenführen" bedeutet. Aus diesem Namen, der sich zufällig ergeben habe, sei eine Philosophie geworden: „Wir wollen nichts anderes, als Herzen zusammenbringen."

Bei Concordia geschehe ein „doppeltes Wunder":

1. Kinder von der Straße finden Heilung und werden selbst Lehrer für die anderen.
2. Wohlstandskinder finden eine Aufgabe und entwickeln neue Kräfte. So werden Straßenkinder und Wohlstandskinder zu „Hoffnungskindern".

Gegenwärtig melden sich mehr Volontäre für die Concordia-Projekte, als Pater Sporschill aufnehmen kann. Mit Hilfe seiner Freunde gelingt es, immer mehr Häuser zu bauen, und so kann im Februar wieder ein neues Heim in Bukarest eröffnet werden. Neben der Aufnahme benötigten die Straßenkinder aber vor allem einer guten Begleitung, hob Sporschill hervor.

Die Frage, die den Priester bewegt, lautet nach seinen eigenen Ausführungen nicht: „Wozu habe ich Lust?", sondern: „Wo werde ich gebraucht, was muss sein?"

Die größte Not in den Wohlstandsländern bestehe darin, das niemand sage: „Du musst!" Aus diesem Grund sei die Überzeugung: „Wir werden nicht gebraucht" die „Grundmelodie der Wohlstandskinder": Das so genannte „Komatrinken" und auch die Selbstmorde seien nur die Spitze des Eisbergs einer Generation, die das Gefühl habe: „Da brauchts mich nicht!" Die Hauptaufgabe der Christen sei angesichts dieser Situation die einer Hebamme: „Wir müssen das Leben nicht erzeugen, sondern es behutsam auf die Welt bringen."

Die „Wunder", die Pater Sporschill tagtäglich in seiner Arbeit erlebt, möchte er allen Menschen zeigen: „Ich würde gerne dieses Glück und diese Hoffnung weitergeben. Wie können wir diese Energie, die dort ist, zu den Jugendlichen übertragen, die nicht die Hoffnung und den Biss haben?"

Zwischen 20 und 30 jugendliche Volontäre werden vom 11. bis zum 14. Februar in dem neuen Haus in Bukarest auf den 14. März hinarbeiten. Mit dem Ziel, 1.000 Jobs für 1.000 Jugendliche zu finden. Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn hat für dieses Anliegen sogar sein Palais zur Verfügung gestellt.

Überall dort, wo große Not herrscht, sind nach Worten des Jesuitenpaters drei Gruppen besonders in den Blick zu nehmen:
1. die Jugend, die das Gefühl hat, „nicht gebraucht zu werden";
2. die Generationen, die allein gelassen sind, und
3. Asylwerber und Ausländer.

„Das sind die Bereiche, die wir abtasten müssen", so Sporschill. All diese Menschen sollten spüren, dass sie gebraucht würden, um ein Leben zu retten. „Ich möchte aus allen jungen Menschen Sozialunternehmer machen!"

Pater Sporschill verriet in seinem Vortrag auch, was für ihn die „härteste Droge" sei: „Wer einmal begonnen hat, sich für einen anderen einzusetzen, der kann nicht mehr aufhören." Um diese Vision zu verwirklichen, seien drei Stichworte gute Ratgeber:
1. „Ich liebe dich!" Dann entstehe Beziehung.
2. „Ich brauche dich!" - nur für den Fall, dass es auch wirklich stimme. Man müsse sich von der Not des anderen tatsächlich berühren lassen.
3. „Du kannst es!" Dazu sei Begleitung erforderlich.

Von Katharina Wilczek und Dominik Hartig