Prophet Gottes sein: P. Cantalamessa predigt vor Benedikt XVI.

Zweite Adventpredigt für die Römische Kurie im Vatikan

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ROM, 14. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Die Kirche verkündet nicht ein fernes, zukünftiges Heil, sondern die verborgene Gegenwart Christi in der Welt. Das hob P. Raniero Cantalamessa OFM Cap. am Freitagvormittag während seiner zweiten Adventpredigt in der Kapelle Redemptoris Mater des Apostolischen Palastes vor.



Vor Papst Benedikt XVI. und den Mitarbeitern der Römischen Kurie ging der Prediger des Päpstlichen Hauses zunächst auf Johannes den Täufer ein, der eine neue Ära der prophetischen Rede eingeleitet habe: jene der Kirche, die in Christus das nahe Heil erkennt, das alle erreichen können. Sie verfüge auch über die entsprechenden Mitteln zu diesem Heil, die Sakramente oder „Heilsmittel“.

„Mit Jesus ist die entscheidende Stunde der Geschichte angebrochen: Vor ihm stellt sich zwingend die Entscheidung, von der das Heils abhängt“, fuhr der Kapuzinerpater fort, der in der Folge den wesentlichen Unterschied zwischen Johannes dem Täufer und Jesus aufzeigte: Jesus taufte mit dem Heiligen Geist.

„Der Heilige Geist ist ein Spezialist vor allem für die Krankheiten der Ehe und der Familie, die die großen Kranken von heute sind“, betonte der Prediger. „Die Ehe besteht in der gegenseitigen Schenkung. Sie ist das Sakrament des Sich-Schenkens. Nun ist der Heilige Geist das Person gewordene Geschenk; er ist das Sich-Schenken des Vaters an den Sohn und des Sohnes an den Vater. Wohin er gelangt, wird die Fähigkeit, sich zu schenken, neu geboren – und mit ihr die Freude und die Schönheit des Zusammenlebens für die Eheleute. Die Liebe Gottes, die er ‚in unsere Herzen ausgießt‘, lässt jeden anderen Ausdruck der Liebe neu lebendig werden, allen voran die eheliche Liebe. Der Heilige Geist kann wirklich aus der Familie die wichtigste „‚Agentur‘ des Friedens“ machen, wie sie der Heilige Vater in seiner Botschaft zum kommenden Weltfriedenstag bezeichnet.“

Dieser Geist schenke auch allen Gottgeweihten neues Leben. Durch ihn würden sie fähig, aus dem eigenen Leben „ein Geschenk und ein süß duftendes Opfer vor Gott für die Brüder zu machen (vgl. Eph 5,2)“.

Um von Jesus Zeugnis abzulegen, bedarf es nach Worten von P. Raniero Cantalamessa des Geistes prophetischer Rede. „Gibt es diesen Geist prophetischer Rede in der Kirche?“, fragte er deshalb. „Pflegt man ihn? Wird er ermutigt? Oder glaubt man stillschweigend, seiner entbehren zu können, indem man mehr auf die menschlichen Mittel und Wege setzt?“

Am Ende seiner Betrachtung ermutigte er die Anwesenden, in sich den Wunsch zu nähren, Prophet Gottes zu sein – vielleicht ein unbedeutender, unbekannter Prophet, aber sicher einer mit feurigem Herzen und mutiger Zunge.

[Die ganze Predigt findet sich bei ZENIT.org unter „Dokumente“]