Psalm 119: Schönheit des Gesetzes Gottes

Katechesenreihe über das Gebet weitergeführt

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VATIKANSTADT, 9. November 2011 (ZENIT.org). – Papst Benedikt XVI. führte bei der Katechese während der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz unter strahlend blauem Himmel seine Katechesenreihe über das Gebet mit Psalm 119 weiter.

[Wir dokumentieren die offizielle deutsche Zusammenfassung im Wortlaut:]

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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute möchte ich einige Gedanken zu Psalm 119 (oder nach anderer Zählung 118) vorlegen. In diesem langen Gebet wird die Schönheit der Tora, des Gesetzes Gottes besungen. Als Offenbarung und Wort Gottes trägt sie eine heilende Kraft in sich; sie zeigt, wie man lebt; sie schenkt Freude und Leben. Das Gesetz Gottes drückt nicht nieder wie eine Last; es ist uns nicht wie als Knechten auferlegt, sondern es macht uns frei, zu Söhnen, wird von uns so angenommen und wird dann zur wirklichen Freude. Für den Psalmisten bedeutet das Hören des Wortes Gottes deswegen auch, ihn selbst aufzunehmen – im Wort ist er da –, ihm zu begegnen. Und so betet er: „Mein Anteil ist der Herr; ich habe versprochen, dein Wort zu beachten“ (V. 57). Das Wort „Anteil“ erinnert an die Stämme Israels, wie sie das verheißene Land in Besitz nahmen und jeder sein Landstück bekam und damit fest zum Erbe Gottes gehörte, indem er ein Erbe im Land hatte. Den Leviten und damit der Priesterschaft wurde kein Land zugeteilt. Ihr Erbanteil, ihr Land war Gott selbst. So spricht der Herr nach Numeri zum Priester Aaron: „Du sollst in ihrem Land keinen erblichen Besitz haben. Dir gehört unter ihnen kein Besitzanteil; ich bin dein Besitz und dein Erbteil mitten unter den Israeliten“ (Num 18,20). Gottes Wort zu befolgen und Gemeinschaft mit ihm zu haben gehören zusammen. Darin ist auch irgendwie das Wesen des neutestamentlichen Priestertums besonders vorausgesagt, wie es sich auch im Zölibat ausdrückt: dass Gott das Erbe, das Anteil und das Land des Menschen ist, der ganz für Gott da zu sein hat. Gottes Gesetz ist nicht Joch, wie wir gesagt haben, sondern Aufruf zum Vertrauen, zur großherzigen Liebe, die uns in die Begegnung führt und damit in die innere Willensgemeinschaft mit Gott. Und so schenkt Gott uns alles, weil er sich selbst schenkt.

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Mit Freude grüße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher. Besonders heiße ich natürlich heute die Gäste aus der Gemeinde Natz-Schabs in Südtirol willkommen. Ich freue mich. Vergelt’s Gott! Lasst uns wie die heilige Jungfrau Maria das Wort Gottes hören, aufnehmen und befolgen (vgl. Lk 11,28), mit ihm inwendig eins werden und so glückselig werden, weil sich dann an uns der Plan Gottes erfüllt. Dazu stärke uns der Heilige Geist mit seiner Liebe und seiner Freude.

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