Pussy Riot sind keine Heldinnen. Zuviel Christenhass seitens ihrer Verteidiger

Soziologe Massimo Introvigne über die Verurteilung der drei Mitglieder der russischen Punkband

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TURIN, 20. August 2012 (ZENIT.org). - Eine Meinung, die gegen den Strom geht. Der Turiner Soziologe Massimo Introvigne, Koordinator des vom italienischen Außenministerium unterstützten „Observatoriums für Religionsfreiheit“, äußerte sich kritisch zur Aktion der russischen Punkband „Pussy Riot“, nachdem drei Bandmitglieder am vergangenen Freitag zu zwei Jahren Haft verurteilt wurden.

„Natürlich haben die Stimmen, die sich gegen zu harte Haftbedingungen und gegen das übermäßig strenge Urteil erhoben haben, recht und sind zu unterstützen, auch in Hinblick auf die persönlichen Lebensverhältnisse der jungen Angeklagten“, erklärte Introvigne. „Trotzdem darf man nicht zu weit gehen und die Aktion, für die die Mitglieder von Pussy Riot verklagt wurden, gutheißen. Ich habe den Eindruck, dass nicht jeder, der in dieser Angelegenheit mitreden möchte, die Fakten kennt. Die Pussy Riot haben ein Lied gesungen, das sich nicht auf politische Aussagen beschränkt, sondern zum Beispiel den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche eine ‚Hure‘ nennt. Der Refrain äfft die orthodoxe Liturgie nach und wiederholt mehrmals ‚die Scheiße, die Scheiße, die Scheiße des Herrn‘. Obendrein haben sie dieses Lied nicht in irgendeiner Kneipe gesungen und auch auf einem öffentlichen Platz, sondern in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, an einem der heiligsten Orte der russischen Kirche.“

Des Weiteren erklärte Introvigne in seiner Mitteilung: „Wie so oft, ist es auch in diesem Fall schwer, das richtige Gleichgewicht zu finden, wenn sich Meinungsfreiheit und das Recht der Religionen, nicht verunglimpft zu werden – zumal an den Kultstätten – gegenüberstehen. Aber ich denke, man kann es der russisch-orthodoxen Kirche nicht verübeln, wenn sie in der sogenannten ‚künstlerischen‘ Darbietung von Pussy Riot eine Verletzung des Rechts der Christen auf Achtung ihrer Kultstätten sieht. Eine Kirche kann ja nicht zur Bühne für politische Protestauftritte werden, selbst wenn diese gerechtfertigt sind; schon gar nicht, wenn dabei die Gefühle der christlichen Gemeinde verletzt werden.“

Die Mitteilung des Turiner Soziologen endet mit der Feststellung, dass manche Verteidiger von Pussy Riot ganz offensichtlich von christenfeindlichen Gefühlen bewegt seien. „Das zeigt zum Beispiel die Aktion der ‚Oben-ohne-Aktivistinnen‘ der ukrainischen Gruppe ‚Femen‘, die auf dem Hauptplatz in Kiew mit der Motorsäge ein Kreuz gefällt haben – kein einfaches Holzkreuz, wie zum Teil geschrieben wurde, sondern ein Kruzifix mit Christusfigur, das unter Ausrufen antireligiöser Sprüche in den Staub geworfen wurde.“

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]