Qualitätsverfall in Radio und Fernsehen

Papst Franziskus empfängt katholische Lokalsender

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 354 klicks

Am Samstag empfing Papst Franziskus italienische katholische Lokalsender in einer Audienz. Er mahnte die Mitglieder der Vereinigung „Corallo“, zu der sich die Sender zusammengeschlossen haben, nach der Wahrheit, der Güte und der Schönheit zu suchen. Zudem dürfe es nicht das Ziel sein zu versuchen, Laien zu „klerikalisieren“, da in der Kirche alle wichtig seien und niemand weniger Wert sei, als ein anderer. In seiner frei gehaltenen Ansprache sagte er:

„‘Ich denke, ich suche die Wahrheit…‘: Sei vorsichtig, nicht zu einem Intellektuellen ohne Intelligenz zu werden. ‚Ich gehe los, ich suche die Güte…‘: Sei vorsichtig, nicht die Sittlichkeit ohne Güte zu suchen. ‚Mir gefällt die Schönheit…‘: Ja, aber sei vorsichtig, nicht das zu tun, was oft getan wird, die Schönheit zu ‚schminken‘, Kosmetika zu suchen, um eine künstliche Schönheit zu erschaffen, die nicht existiert. Die Wahrheit, die Güte und die Schönheit, wie sie von Gott kommen und im Menschen sind. Und das ist die Aufgabe der Medien, eure Aufgabe.“

In der Kirche gebe es keinen Großen und keinen Kleinen, da jeder seine Aufgabe habe. Jeder sei ein Mitglied, so auch die christlich orientierten Medien, kleine wie große Sender.

„Niemand muss sich klein fühlen, zu klein im Vergleich zu einem anderen zu großen. Alle sind klein vor Gott, in der christlichen Demut, wir alle haben eine Aufgabe. Alle! Wie in der Kirche… Ich würde diese Frage stellen: Wer ist wichtiger in der Kirche? Der Papst oder die alte Frau, die jeden Tag den Rosenkranz in der Kirche betet? Soll es Gott sagen: Ich kann es nicht. Aber jeder ist in dieser Harmonie wichtig, denn die Kirche ist die Harmonie der Unterschiede.“

Papst Franziskus sagte, der Leib Christi symbolisiere die Harmonie der Unterschiede und dass, was diese Harmonie herstelle, sei der Heilige Geist. Dann ging er auf die Versuchung des Klerikalismus ein.

„Das ist eines der Übel der Kirche. Aber es ist ein ‚verbündetes‘ Übel, denn den Priestern gefällt die Versuchung, Laien zu ‚klerikalisieren‘, und viele Laien bitten auf den Knien darum, klerikalisiert zu werden, weil es für sie bequemer ist! Und das ist eine doppelte Sünde! Wir müssen diese Versuchung überwinden. Der Laie muss ein Laie sein, getauft; er hat die Kraft, die ihm seine Taufe verleiht.“

Indem er weiter auf das Thema einging, fuhr Papst Franziskus fort:

„Machen wir diesen Laien zu… Und warum? Weil der Diakon wichtiger ist, der Priester, der Laie? Nein! Da liegt der Fehler! Ist er guter Laie? Dann mache er so weiter und wachse so. Für mich verhindert der Klerikalismus das Wachsen des Laien. Aber erinnert euch daran, was ich gesagt habe: Es handelt sich um eine Versuchung, die beiden entgegenkommt. Denn es gäbe keinen Klerikalismus, wenn es keine Laien gäbe, die ‚klerikalisiert‘ werden wollen.“

Anschließend ging Papst Franziskus auf die Sünden der Medien ein, von denen die größten Desinformation, Gerüchteverbreitung und Rufmord seien. „Rufmord ist eine Todsünde, aber man kann sie als solche erkennbar machen. Gerüchte sind eine Todsünde, aber man kann sagen: Das ist eine Ungerechtigkeit, denn diese Person hat zu dieser Zeit etwas getan, das sie später bereut hat, und sie hat ihr Leben geändert. Aber Desinformation bedeutet, nur die Hälfte mitzuteilen; nur den Teil, der für mich besser ist. Und so kann derjenige, der Radio hört oder Fernsehen schaut, sich kein vollständiges Urteil bilden, da er nicht die Mittel hat und sie ihm nicht gegeben werden. Bittet meidet diese Sünden.“

Abschließend zeigte sich Papst Franziskus über den Qualitätsverfall von Radio und Fernsehen bestürzt. Indem er Benedikt XVI. zitierte, sagte er, das „Mediale Ökosystem“ werde durch eine Art Umweltverschmutzung in Mitleidenschaft gezogen. Papst Franziskus appellierte an die katholischen Sender, für „saubere Luft“ zu sorgen, damit die Hörer und Zuschauer „Sauerstoff für Geist und Seele“ bekommen.