Qumran-Texte kommen ins Internet

Forscher erwarten neue Erkenntnisse über die Zeit Jesu

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JERUSALEM, WESTERLAND, 22. Oktober 2010 (ZENIT.org/idea).- Die israelische Altertumsbehörde und der Internetkonzern Google wollen rund 30.000 Fragmente der Schriftrollen vom Toten Meer für das Internet aufbereiten. Sie waren 1947 in einer Höhle nahe der Ruinen-Stätte Qumran entdeckt worden. Dabei handelt es sich um etwa 900 verschiedene Schriften. 250 sind Bibeltexte, die übrigen religiöse Literatur aus dem dritten bis ersten vorchristlichen Jahrhundert.

Nach Ansicht des deutschen Qumran-Experten Alexander Schick (Westerland) sind für Christen insbesondere die nicht-biblischen Schriften interessant, weil sie den jüdischen Hintergrund des Neuen Testamentes beleuchten. So enthalte die in Qumran gefundene Gemeinderegel die Aufforderung, Feinde zu hassen, und beweise dadurch, dass Jesus in der Bergpredigt zu Recht kritisierte, dass Juden zum Feindeshass aufgerufen hätten. Weil dieses Wort nicht im Alten Testament stehe, hätten zahlreiche Theologen angenommen, dass es sich um eine Erfindung Jesu handele. „Je mehr Wissenschaftler die Möglichkeit bekommen, sich mit dem Schriftrollen zu befassen, desto mehr neue Erkenntnisse sind zu erwarten", sagte Schick gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur Idea.

Zwar seien die Texte bereits in Buchform veröffentlicht, jedoch meist nur in Bibliotheken vorhanden. Die licht-, temperatur- und luftfeuchtigkeitempfindlichen Originale werden in Dunkelkammern des Israel-Museums in Jerusalem aufbewahrt. Dort sind sie nur wenigen Forschern zugänglich. Auf Fotografien aus den fünfziger Jahren ist teilweise mehr zu erkennen als auf den Originalen im heutigen Zustand. Die Projektleiterin, Pnina Schnor vom Israel-Museum, kündigte an, auch Transkriptionen, Übersetzungen und alle Literaturhinweise zu veröffentlichen. Sie rechnet mit Kosten von umgerechnet rund 2,5 Millionen Euro. Die ersten Fotos sollen bereits im Frühjahr im Internet stehen. Der Israel-Kenner und Fachmann für biblische Archäologie Alexander Schick ist Leiter der Qumran- und Bibelausstellung Sylt, die bisher 500.000 Besucher sahen. (Internet: www.bibelausstellung.de)