„Quo vadis? Wohin gehst du, Kirche?“ Pilgergottesdienst mit Kardinal Wetter im Petersdom

„Schauen wir mit Petrus Jesus ins Angesicht und geben wir ihm die Antwort wie Petrus“

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ROM, 30. Oktober 2007 (ZENIT.org).- „Quo vadis? Wohin gehst du, Kirche?“ Diese Frage legte Kardinal Friedrich Wetter am 27. Oktober den Gläubigen aus dem Erzbistum München-Freising und ganz Bayern vor, die mit ihm nach Rom gepilgert waren, um am Samstagabend beim großen Konzert des Bayerischen Rundfunks zu Ehren von Papst Benedikt XVI. in der Audienzhalle Pauls VI. dabei zu sein.



Während des Festgottesdiensts in Peterskirche erinnerte der Kardinal in seiner Predigt an den 45. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils und betonte: „Die Kirche von heute hat die Frage Jesu vernommen und im Konzil eine Antwort gegeben.“ Die Pilger forderte er auf, den Weg der Nachfolge Jesu zu gehen.

Mit Blick auf Papst Benedikt XVI. bekräftigte Kardinal Wetter: Die Kraft, das Felsenfundament zu sein, auf dem die Kirche von heute sicher steht, habe dieser „nicht aus sich, wie auch Petrus sein Amt nicht aus eigener Kraft erfüllen konnte“. Er fuhr fort: „Wie Petrus ist auch unser Papst in der Leitung der Kirche getragen von Jesus. Das gibt uns Sicherheit, dass wir in der Einheit mit dem Nachfolger Petri in der Gemeinschaft mit Jesus Christus stehen.“

Zuvor hatte der Münchner Diözesanadministrator auf die Legende verwiesen, die das „Quo vadis-Kirchlein umrankt“ und nach der Christus persönlich dem über die Via Appia aus Rom fliehenden Petrus erschienen sein soll. „Legenden führen uns oft in die Tiefe und entschlüsseln uns, was wir nicht mit den Augen sehen können“, so der Purpurträger.

„Die Begegnung mit dem Herrn ließ ihn umkehren. Er ging in die Stadt zurück, wurde gefangen genommen und – es war wohl das Jahr 64 – im Zirkus des Nero gekreuzigt, wie es heißt, mit dem Kopf nach unten.“ Die Frage, die Jesus an Petrus gerichtet habe, gelte auch der ganzen Kirche: „Quo vadis? Wohin gehst du, Kirche?“

Die Antwort sei im Konzil gegeben worden. „In diesem Monat, am 11. Oktober 1962, vor genau 45 Jahren, hat hier in der Peterskirche das Zweite Vatikanische Konzil begonnen“, so Kardinal Wetter. „Seine Aufgabe war es, den Weg der Kirche ins 21. Jahrhundert zu finden. Dieser Weg kann nur der Weg der Nachfolge Jesu sein. Darum mussten die Konzilsväter auf Jesus hören und auf die Offenbarung, die er der Kirche übergeben hat und in ihrem Glauben weiterlebt. Zugleich mussten sie die Zeichen der Zeit erkennen, in denen Gott ebenfalls zu uns spricht.“

Das Konzil sei „bei der mühsamen Arbeit und bei allen menschlichen Schwächen zutiefst ein Hören auf Jesus und eine Zwiesprache mit ihm“ gewesen. „Der alte, von den Aposteln überkommene Glaube wurde neu gesagt; nicht angepasst an die Erwartungen der Welt, aber angepasst an die Erfordernisse der Zeit, damit er unverfälscht und eindeutig verkündet, gefeiert und gelebt werden kann.“

Im Konzil habe der Glaube des Petrus weitergelebt, der bei Caesarea Philippi den Herrn als den Sohn des lebendigen Gottes erkannt und bekannt hatte. „Und es lebte auch seine Liebe weiter, in der er dem Herrn bis in den Tod am Kreuz in Rom nachgefolgt war. Der Glaube und die Liebe des Petrus zeigen der Kirche den Weg der Nachfolge Jesu.“

Die Frage „Quo vadis? Wohin gehst du?“ richte Jesus an jeden Glaubenden, erklärte der Kardinal.

„Niemand von uns muss vor einem grausamen Nero flüchten wie Petrus. Aber die Frage sollten wir uns doch stellen, ob wir nicht auf einem Weg sind, den man als ‚Christentum light‘ bezeichnen könnte. Sind wir bereit, wenn der Weg der Nachfolge Jesu einmal steinig wird, den bequemen Ausweg zu meiden und konsequent treu zu bleiben? Sind wir bereit, den Weg der Wahrheit und der Liebe zu gehen; den Weg der Güte, der Treue, der Selbstbeherrschung und des Friedens?“

Abschließend appellierte Kardinal Wetter: „Schauen wir mit Petrus Jesus ins Angesicht, und geben wir ihm die Antwort wie Petrus: Herr, wir gehen den Weg, den du uns vorausgegangen bist. Denn auf diesem Weg führst du uns ans Herz des himmlischen Vaters, in die Freude seiner ewigen Liebe.“