Radegundis von Thüringen

Gründerin der Abtei vom Heiligen Kreuz in Poitiers

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ROM, 13. August 2012 (ZENIT.org). - Venantius Fortunatus verfasste nach dem Tod der Heiligen, am 13. August 587, ein Klagelied, in dem er eindringlich die Geschichte ihrer Heimat schilderte. Zwanzig Jahre hatte Venantius Fortunatus als Ratgeber und Freund Radegundis begleitet und ihr beigestanden.

Das Schicksal hatte der aus Thüringen stammenden Prinzessin schon in jungen Jahren harte Proben auferlegt. 531 wurde sie zusammen mit ihrem Bruder von dem Merowingerkönig Chlotar I. nach Neustrien verschleppt. Am Hof erhielt sie eine christliche Erziehung, erlernte die lateinische Sprache und las die Schriften der Kirchenväter. Es folgte die Zwangsverheiratung mit Chlotar I., der sogar vor der Ermordung ihres Bruders nicht zurückschrecken sollte. Schließlich floh Radegundis vor ihrem Mann, zunächst nach Noyon, dann nach Saix und Poitiers.

In Poitiers gründete Radegundis, die ihr Leben ganz Gott geweiht hatte, um 558 das Kloster Sainte-Marie-hors-les-Murs, später die Abtei vom Heiligen Kreuz. Die Namensänderung erklärt sich mit der Kreuzreliquie, die 569 der byzantinische Kaiser Justin II. dem Kloster schickte. Radegundis hatte als Äbtissin Agnes von Poitiers eingesetzt, und mit ihnen lebten circa 200 Nonnen.

Sainte-Marie-hors-les-Murs oder die Abtei vom Heiligen Kreuz war das erste Frauenkloster in Frankreich und für lange Zeit das bedeutendste. Radegundis kümmerte sich im Kloster intensiv um die Pflege der Armen und Kranken, wie zum Beispiel der Aussätzigen. Auf ihren Wunsch wurde sie 587 in der Klosterkirche bestattet. Radegundis wurde im 9. Jahrhundert heiliggesprochen. Bis in unsere heutige Zeit ist ihre Grabstätte, die im Mai 1562 von den Hugenotten geschändet wurde, ein Wallfahrtsort. [bd]