Raffaels Madonnen in Dresden

Ausstellung „Himmlischer Glanz“ eröffnet

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Von Nicki Schaepen*

DRESDEN, 6 September 2011 (ZENIT.org). - Anlässlich des bevorstehenden Papstbesuches in Deutschland wartet die Gemäldegalerie Alte Meister zu Dresden in Zusammenarbeit mit der Pinacoteca Vaticana mit einem ganz besonderen Leckerbissen für Kunstfreunde auf, einer Gemäldeschau, die schon durch ihren Titel aufhorchen lässt: „Himmlischer Glanz“, die in einem Festakt in Anwesenheit von Giovanni Kardinal Lajolo, dem Präsidenten des vatikanischen Governatorats, des Ministerpräsidenten von Sachsen, Stanislaw Tillich, der Ministerin v. Schorlemer und weiteren wichtigen Persönlichkeiten aus der Welt der Politik und Kultur gestern eröffnet wurde.

Sie widmet sich der frühneuzeitlichen Mariendarstellung und stellt dabei zwei Hauptwerke des Malers Raffaelo Santi (1483-1520) in den Mittelpunkt: Die „Sixtinische Madonna“ und die „Madonna di Foligno“.

Die beiden Werke Raffaels sind im Jahr 1512 entstanden. Vermutlich befanden sie sich eine Zeit lang gemeinsam in der Werkstätte des Malers. Doch ist dies nicht ihre einzige Verbindung. Schon die augenfällige Tatsache, dass wenn nicht derselbe, so doch ein bemerkenswert ähnlicher Putto in beiden Bildern an zentraler Stelle zu entdecken ist, reicht aus, um auf ihre enge stilistische Verwandtschaft hinzudeuten. Auch ihre klassische pyramidiale Komposition, die das Auge über die vermittelnden Heiligen zur Gottesmutter, die sie schauen, aufsteigen lassen, verbindet beide Werke.  Genau an dieser Stelle aber kommuniziert sich auch ein deutlicher Unterschied.

Ist auf der „Madonna di Foligno“ noch eine klare Scheidung der materiellen von der geistigen Welt vorgenommen, so gewähren die geöffneten Vorhänge der Sixtina einen unmittelbaren Blick in die geistige Welt hinein. Hier schreitet dem Betrachter die Muttergottes von einer Wolkentreppe herab förmlich entgegen. Das kleine Gesims im Bildvordergrund, auf das sich die Putti stützen und auf dem die Tiaria des heiligen Papstes Sixtus‘ II. ruht, ist die einzige Scheide, die den Betrachter vom Gegenstand seiner Schau noch trennt und ihn gleichsam gewahren lässt, dass, obgleich entrückt, er noch nicht in den Trost derselben eingehen kann. War er bei der „Madonna di Foligno“ noch ein Zeuge der Vision anderer, nämlich der Heiligen, so schaut er nun die Heiligen und die Gottesmutter selbst. Die beiden im Bildvordergrund postierten Putti deuten dem Betrachter jenen Weg an, der ihm über das Gemälde hinaus hilft, das auf der zweidimensionalen Fläche Gesehene selbst zu schauen: Die Vita contemplativa.

Der Besucher der Ausstellung hat Gelegenheit, diesen „himmlischen Glanz“, den zwar wohl kein Pinsel adäquat einzufangen imstande ist, an einigen der besten Werke der Malerei des frühen 16. Jahrhunderts zu erahnen. Neben Raffaels Werken ist außerdem die berühmte „Stuppacher Madonna“ des Matthias Grünewald (1475/80-1528) zu sehen, und darüber hinaus werden auch Werke von Albrecht Dürer (1471-1528), Lucas Cranach d.Ä. (1475-1553) und Correggio (1489-1534) gezeigt.

Die Ausstellung ist vom 6. September 2011 an bis zum 8. Januar 2012 in der Gemäldegalerie im Dresdner Zwinger zu sehen. Die Öffnungszeiten sind täglich von 10 bis 18 Uhr; an den Montagen bleibt sie geschlossen. Nähere Informationen sowie Abbildungen der Exponate finden sich hier.

*Nicki Schaepen, 1977 in Hechingen geboren, studierte Kunstgeschichte und neuere Geschichte an der Humboldt-Universität in Berlin und der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen und schloss sein Studium mit einer Arbeit über Anton van Dycks Selbstbildnis mit der Sonnenblume ab. Im Jahr 2007 trat er in das Bischöfliche Theologenkonvikt in Tübingen ein, wo er zurzeit seine Priesterausbildung vollendet, in deren Rahmen er sich auch für längere Zeit in Rom aufhielt.