Ragg's Domspatz: eine Agentur für christliche Kultur

Ein Interview mit Michael Ragg [1/2]

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KÖLN, 19. März 2012 (ZENIT.org). - Michael Ragg ist Chefredakteur des katholischen Fernsehsenders K-TV und Gründer von Ragg's Domspatz. Ragg's Domspatz fördert christliche Kultur durch eigene Publikationen und Veranstaltungen.

[Das Interview führte Britta Dörre]

ZENIT: Was hat Sie dazu veranlasst, Ragg's Domspatz, eine Agentur für christliche Kultur, ins Leben zu rufen?

Michael Ragg: Christen brauchen heute Ermutigung und Unterstützung, ihrem Alltag mehr christliches Profil zu geben und damit auf Angehörige, Freunde und Nachbarn ganz selbstverständlich auszustrahlen. Dazu wollte ich mit Veranstaltungen, Reisen, Vorträgen und anderen Ideen einen Beitrag leisten. Ein unabhängiges Unternehmen kann hier mit mutigen, ungewöhnlichen Ideen dem Herrn „ein neues Lied“ singen und die Bemühungen „offizieller“ kirchlicher Strukturen ergänzen und inspirieren.“

ZENIT: Was bedeutet für Sie „christliche Kultur“?

Michael Ragg: „Kultur“ ist die Art, wie wir unseren Staat, unsere Gesellschaft und unser privates Leben organisieren, unsere Art zu Leben, unser „Way of life“. „Kultur“ kommt von „Kult“! Wie wir leben, hängt im Letzten vor allem von unserem Menschenbild ab und dieses folgt aus unserem Gottesbild.

ZENIT: Kennt unsere Gesellschaft ihre Wurzeln und weiß um ihre Bedeutung?

Michael Ragg: Leider nicht – und es gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Gegenwart, den Menschen bewusst zu machen, dass fast alles, was wir an unserem Leben schätzen, auf dem Christentum beruht und ohne Christentum wieder untergeht. Ein Beispiel: Wenn heute Abend auf Ihrem Heimweg neben Ihnen jemand zusammenbricht, werden Sie ihm ganz selbstverständlich aufhelfen und nötigenfalls Hilfe herbeirufen. Mutter Teresa hat aber schon vor vielen Jahren darauf hingewiesen, dass das in Kulturen, die von anderen Religionen geprägt sind, keineswegs selbstverständlich ist. Im vom Hinduismus geprägten Kalkutta ließ man die Menschen ungerührt im Straßengraben verenden. Im vom Buddhismus geprägten China werden in diesen Wochen mehrere Fälle diskutiert, in denen Kinder und Alte auf belebten Straßen gestorben sind, weil ihnen nach Unfällen niemand half. Wir in Europa sind dagegen Jahrtausende lang vom Gleichnis vom barmherzigen Samariter geprägt worden und haben eine ganz andere „Kultur der Nächstenliebe“ entwickelt.

ZENIT: Haben Sie den Eindruck, dass der Besuch des Papstes in Deutschland zu einer intensiveren Beschäftigung mit dieser Frage geführt hat?

Michael Ragg: Gut möglich. Grundsätzlich sind doch viele unserer Mitmenschen auf der Suche nach den Wurzeln unserer Kultur, anders ausgedrückt: nach ihrer „Identität“, und viele ahnen, dass diese doch etwas mit Glaube und Kirche zu tun hat. Warum sind seit der Jahrtausendwende die Anmeldungen zum Latein-Unterricht in Deutschland um dreißig Prozent gestiegen? Niemand hatte das vorausgesehen, niemand dazu aufgerufen. Warum werden, vor allem in Ostdeutschland, Hunderte Dorfkirchen von Menschen vor dem Verfall bewahrt, die gar keine Gottesdienste besuchen? Warum hat vor wenigen Jahren die Mehrheit der Münchner gegen sämtliche Stadtratsparteien dafür gestimmt, dass kein Haus höher gebaut werden soll als der Liebfrauendom? Der Papst ist mehr als jede andere Persönlichkeit Symbol für unsere christlichen Wurzeln. Darum schauen mehr Menschen aufmerksam nach Rom, als wir glauben. Darum auch gibt es so viele Versuche, das Papsttum zu diskreditieren.

ZENIT: Wie versuchen Sie, das Interesse für die christliche Kultur zu wecken und das Wissen um die eigene Kultur zu vermitteln?

Michael Ragg: Zum einen durch die Organisation von Begegnungen mit herausragenden Repräsentanten des katholischen Geisteslebens. Unter der erfolgreich eingeführten „Marke“ Domspatz-Soirée hatten wir zuletzt zum Beispiel Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck, Pater Professor Karl Wallner vom Kloster Heiligenkreuz, Kardinal Professor Walter Brandmüller oder Prälat Professor Obiora Ike zu Gast. Das sind Veranstaltungen, auf denen sich die katholische Kirche von ihrer besten Seite zeigt, Abende, zu denen man Kinder und Enkel, Freunde und Bekannte mitnehmen kann.

Zum Anderen veranstalten wir Pilger-Studienreisen an Orte wie Berlin und Potsdam, wo Christen aus ganz Deutschland sehen können, wie mutig, kreativ und erfolgreich die Kirche auch angesichts großer Herausforderung durch vom Atheismus oder Islam bestimmter Kulturen wirken kann. „Hier in Berlin bekommt man wieder Mut“, hat eine mitreisende ehemalige Studiendirektorin aus Aachen hinterher gesagt. Diese Reisen stoßen auf großes Interesse.

Schließlich freut es mich sehr, dass ich mit meinen Vorträgen über die christlichen Wurzeln Europas an immer mehr Orte im ganzen deutschen Sprachraum eingeladen werde.

ZENIT: Haben Sie ein spezielles Programm, um junge Menschen anzusprechen?

Michael Ragg: Als Agentur „Ragg“s Domspatz“ noch nicht. Ich bin aber ja im Hauptberuf Chefredakteur des katholischen Fernsehsenders K-TV und für diesen Sender wird derzeit ein neues Format entwickelt, dass besonders geeignet ist, junge Menschen anzusprechen.

[Teil II des Interviews folgt am 20.3.2012]