Ragg's Domspatz: eine Agentur für christliche Kultur

Ein Interview mit Michael Ragg [2/2]

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KÖLN, 20. März 2012 (ZENIT.org). - Michael Ragg ist Chefredakteur des katholischen Fernsehsenders K-TV und Gründer von Ragg's Domspatz. Ragg's Domspatz fördert christliche Kultur durch eigene Publikationen und Veranstaltungen. Teil I des Interviews finden Sie hier.

[Das Interview führte Britta Dörre]

ZENIT: Die Weltwirtschaftskrise hat die Wirtschaft nicht nur in Europa tief erschüttert. Hat Ihrer Meinung nach ein Umdenken eingesetzt hat, so dass man sich wieder mehr auf christliche Werte besinnt? Und wenn ja, in welchen Bereichen stellen Sie Veränderungen fest?

Michael Ragg: In den Ländern des deutschen Sprachraums ist von der Krise ja noch nicht viel zu spüren. Wir sollten uns auch nicht insgeheim wünschen, dass Elend über uns kommt, auf dass sich die Kirchen füllen. Was ist denn nach der Weltwirtschaftskrise Ende der Zwanzigerjahre geschehen? Viele haben sich dem Kommunismus und dem Nationalsozialismus zugewandt. Wirtschaftliche Not kann auch niedere Instinkte wecken. China und die USA zeigen, dass auch wachsender Wohlstand durchaus mit einer Revitalisierung des Christentums einhergehen können.

Immerhin hat die offenkundige Gier und Selbstsucht einiger Bänker den Ruf nach mehr (christlichen) Werten im Wirtschaftsleben laut werden lassen. Immer öfter werden katholische Ordensleute eingeladen, auf Wirtschaftstagungen zu sprechen und unsere Klöster verzeichnen steigende Nachfrage nach Einkehrtagen für Manager. Das ist eine gute Entwicklung und eine Chance für die Kirche.

ZENIT: Wie lässt sich Ihrer Meinung nach die niedrige Geburtenrate in Deutschland erklären?

Michael Ragg: Da gibt es zum einen ganz praktische Gründe wie etwa die Unfruchtbarkeit vieler Paare, die Kinder bekommen möchten, vielleicht verursacht durch die massenhafte Einnahme der Pille und eine dadurch erzeugte Belastung der Umwelt durch Hormone. Auch die hunderttausendfache Tötung von Kindern im Mutterleib und ihre Folgeschäden bei den Frauen spielen natürlich eine Rolle.

Ganz grundsätzlich steht dahinter ein Zuwenig an Vertrauen in das Leben, in die Zukunft, in den Sinn der Schöpfung, kurz: Der Glaube fehlt!

ZENIT: Haben Sie den Eindruck, dass unsere Gesellschaft in ausreichendem Maße an diesem Problem Anteil nimmt und nach Lösungen sucht?

Michael Ragg: Nein, denn die Gründe für die Kinderarmut werden tabuisiert. Darum spricht man auch verschleiernd vom „demographischem Wandel“, als sei das ein Naturereignis, für das niemand etwas kann. Wir bekommen zu wenig Kinder – darum geht es! Margot Käßmann hat die „Antibaby-Pille“ – schon der Name lässt erschauern – als „Geschenk Gottes“ bezeichnet. Tatsächlich sind aber Kinder ein Geschenk Gottes.

Dass wir Menschen an Gottes Schöpfung durch das Zeugen und Gebären von Kindern mitwirken dürfen, gehört zu der unvergleichlich hohen Würde, die der von Jesus Christus offenbarte Gott den Menschen verliehen hat. Er hat ihn mit „Herrlichkeit und Ehre gekrönt“, ihn nur „wenig geringer gemacht … als Gott.“ (Vgl. Ps 8,6).

Der Widersacher, der dem Menschen diese hohe Berufung neidet, führt seit je einen Krieg gegen die Menschen, gegen ihr Leben und ihre Würde. Wenn wir uns unserer hohen Berufung als Menschen wieder bewusst werden, werden wir das Leben wieder neu schätzen lernen, das Klima in unserer Gesellschaft wird sich ändern und „Burnout“ und Depressionen werden nicht mehr die Zeitkrankheiten Nummer 1 sein.

ZENIT: Welchen Beitrag können Christen zur Polis zu leisten?

Michael Ragg: Christen tragen schon dadurch, dass sie als Christen leben, viel dazu bei, dass es Staat und Gesellschaft gutgeht. Sie leben gesünder, zahlen ehrlicher ihre Steuern, spenden mehr, helfen mehr in der Nachbarschaft und sind auch stärker als Nichtchristen in gesellschaftlichen Initiativen aktiv. Sie wählen keine extremistischen Parteien, leisten mehr für die Integration von Zuwanderern und vieles mehr. Ich verweise für diese Fragen besonders auf das Buch von Andreas Püttmann „Gesellschaft ohne Gott“ – ein ausgezeichnetes Buch, dessen Inhalt engagierte Katholiken kennen sollten.

Darüber hinaus können und sollen für die politisch Verantwortlichen beten. Nicht umsonst sagt der heilige Paulus: „Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, für die Herrschenden und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können.“ (1 Tim 2, 1-2).

Es ist außerdem Aufgabe der gläubigen Laien, „mit christlichem Engagement die irdischen Bereiche zu durchdringen“ (Katechismus, Nr. 2442). Dazu gehört auch die Politik. Katholiken ist es vom Lehramt her verboten, Politik lediglich als „schmutziges Geschäft“ anzusehen und sich in privater Frömmigkeit aus den öffentlichen Angelegenheiten herauszuhalten. Nach der katholischen Soziallehre folgt das Engagement des Christen in der Politik direkt aus dem Gebot der Nächstenliebe. Es wäre gut, unsere Gemeinden und Verbände würden geeignete Persönlichkeiten zu einem solchen Einsatz ermutigen und sie dabei unterstützen und im Gebet mittragen.

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Mehr über „Ragg's Domspatz“ erfahren Sie hier, per E-Mail oder unter Telefon: 0 83 85 / 9 24 83 37. Dort kann man sich auch unverbindlich Unterlagen schicken lassen über die nächsten „Pilger-Studienreisen in das katholische Berlin“.