Ratpero von Rötsee

Ein Thüringer gründet bei Kißlegg in Württemberg eine Kirche

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 390 klicks

Ratpero, von den Einheimischen heiliger Räbis genannt, stammte aus Thüringen. Seine Familie war ein Adelsgeschlecht aus dem Harz. Es heißt, der heilige Ulrich von Augsburg habe Ratperonius angwiesen, sich als Einsiedler am Rötsee niederzulassen. Doch das Unternehmen drohte zunächst an der mangelnden Bereitschaft der in der Gegend ansässigen Landbesitzer, Ratpero ein Stück Land zur Verfügung zu stellen, zu scheitern.

Schließlich schenkte Berngarius de Arnac, wie eine Urkunde aus dem Jahr 941 bestätigt, dem Einsiedler Grund und Boden am Rötsee. In dieser Gegend trieb aber ein gefährlicher Räuber sein Unwesen, und auch einige Anwohner meinten es nicht gut mit dem Einsiedler und verwüsteten das von ihm bestellte Land. Ratpero wandte sich daraufhin an den Herrn und bat ihn um Schutz. Ein großer Wasserstrom solle ihn, seine Kapelle und Felder vor weiteren Übergriffen bewahren. Das Wasser stieg an. Laut Urkunden war der Rötsee tatsächlich früher viel ausgedehnter, sodass die Siedlung des Ratpero auf einer Insel gelegen haben muß.

Um 1034 starb Ratpero von Rötsee, und er wurde in der von ihm erbauten Kapelle bestattet. Rötsee ging gemäß seinem letzten Willen an das Bistum Konstanz, das den Besitz an das Kloster Petershausen verkaufte.

Die Grablege entwickelte sich zum Wallfahrtsort, da man der Berührung des Leichnams nachsagte, heilende Kräfte für Fußkranke zu haben. Auf der Steinplatte soll sich nämlich ein Fußabdruck des Ratpero befunden haben. Einer  Legende  zugfolge gibt es in der Nähe von Rempertshofen einen weiteren Fußabdruck des Ratpero in einem Stein, auf dem der Einsiedler sich auf seiner Reise von Augsburg nach Rötsee ausgeruht haben soll. Daraus habe sich der Brauch entwickelt, den Fuß in den Abdruck zu setzen, um nicht zu ermüden oder Linderung der Leiden zu verspüren. 

Auch heute noch kommen Pilger zur Wallfahrtskirche „Maria Königin der Engel“, deren Geschichte auf das 10. Jahrhundert zurückreicht. Ihre heutige Gestalt geht auf das Jahr 1748 zurück. Die Grabstätte des Ratpero von Rötsee wurde 1953 in der Kirche wiedergefunden, und die Gebeinde des Ratpero wurden in einem Steinsarkophag beigesetzt.